Trumps Flammenwerfer: Wie der wenig beachtete Trump-Berater Miller zum wichtigsten Mann der Neuen Rechten wird

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STEPHEN MILLER
Miller ist ein Mann für das Kontroverse | Joshua Roberts / Reuters
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  • Stephen Miller ist der jüngste Berater in Donald Trumps Stab
  • Viele halten ihn gleichzeitig für den gefährlichsten

Als Jugendlicher machte er Stimmung gegen seine lateinamerikanischen Mitschüler. Als Student freundete er sich mit einem der prominentesten Rechten der Vereinigten Staaten an. Nun, mit 32 Jahren, zählt Stephen Miller zu den engsten Beratern von Donald Trump.

Während die Medien monatelang vor allem über Steve Bannon berichteten, Trumps Chefstrategen, den vermeintlichen Schattenpräsidenten und Strippenzieher im Weißen Haus, baute Miller im Hintergrund seine Macht aus. Nach wenigen Monaten musste Bannon gehen, sein Vertrauter Miller blieb.

Mit ihm haben die Neuen Rechten der USA einen unauffälligen aber umso einflussreichere Verbindungsperson in Washington. Kritiker sehen in ihm einen rechtsextremen Hardliner, einen den gefährlichsten Brandstifter im Team des Präsidenten. Einen Mann, der für Trump noch viel wichtiger werden könnte, als die meisten Beobachter lange vermutet hätten.

Das Bloomberg-Magazin "Business Week" fragte gar: "Spricht Miller für Trump, oder Trump für Miller?"

Er diskriminierte seine Mitschüler

Dass Miller nicht nur "ein Klon Steve Bannons" ist, wie es ein deutsches Magazin jüngst behauptete, zeigte sich bereits am Tag von Trumps Inauguration.

Miller setzte die Agenda für die Präsidentschaft des Republikaners. Er war federführend bei Trumps Antrittsrede, in der der Präsident erklärte, dass Amerika ab sofort wieder an erster Stelle stünde.

stephen miller
Miller First: Der 32-Jährige hat sich zum richtungsweisenden Berater des US-Präsidenten gemausert

Er agierte richtungsweisend bei der Einwanderungsreform, die die Immigration in den kommenden zehn Jahren um 50 Prozent reduzieren will. Und: der kontroverse Einreisestopp für Personen aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern trägt ebenfalls Stephen Millers Handschrift.

Miller ist ein Mann für das Kontroverse.

“Ich bin bereit, Dinge zu sagen und zu tun, die kein geistig gesunder Mensch tun würde”, soll Miller im Jahr 2002 in einer Rede an seine Mitschüler erklärt haben. So schreibt es das amerikanische Magazin “Vanity Fair” in einem Porträt des 32-Jährigen.

Unter anderem soll der Polit-Überflieger in seiner Schulzeit Streit mit lateinamerikanischen Mitschülern gesucht haben, weil diese im Gang vor dem Klassenzimmer Spanisch miteinander sprachen. “Er sagte, ‘Wenn ihr kein Englisch sprecht, solltet ihr vielleicht woanders hingehen’”, berichtet eine frühere Schulkameradin Millers.

Für Miller ist jemand, der die amerikanische Identität nur zu einem Teil annimmt, kein richtiger Amerikaner. Sein Jahrbucheintrag, den die “New York Times” Anfang Oktober veröffentlichte, beinhaltet ein Zitat des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt: “Es kann in diesem Land keinen 50-50 Amerikanismus geben. Wir haben nur Platz für 100-prozentige Amerikaner.”

Seine Abneigung gegenüber seiner lateinamerikanischen Mitschüler führte sogar dazu, dass Miller einem Schulkameraden die Freundschaft kündigte. “Es war nicht der einzige Grund, weshalb er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte”, erzählte Jason Islas der “New York Times”, “doch es war der Grund, der mich am härtesten traf.” An seiner ethnischen Herkunft könne man schließlich nichts ändern.

Beziehungen zur Alternativen Rechten

Während seines Studiums an der Eliteuniversität Duke machte Miller erstmals landesweit von sich Reden als er eine Gruppe von weißen Lacrosse-Spielern in Schutz nahm, die beschuldigt wurden, eine schwarze Frau vergewaltigt und rassistisch beleidigt zu haben.

Sein “Porträt des Radikalismus” in der Studentenzeitung der Universität erweckte die Aufmerksamkeit vieler konservativer Medien. Und die eines gleichgesinnten Doktoranden, Richard Spencer. “Er wusste wie man mit den Medien umgehen muss”, sagte Spencer der “Vanity Fair”. “Ich war ziemlich beeindruckt.”

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Später lernten sich die beiden in der studentischen Gruppierung “Duke Conservative Union” persönlich kennen. Spencer behauptet heute, er habe den Studenten Miller damals unter seine Fittiche genommen. Miller bestreitet dagegen, Spencer überhaupt zu kennen.

Es liegt nahe, dass dahinter politisches Kalkül steckt. Spencer gehört zu den Gründern der “Alt-Right” Bewegung und strebt einen ausschließlich von Weißen besiedelten Staat an. Der Rechtsextremist umgibt sich mit Neo-Nazis, propagiert einen offenen Rassismus.

Als Stephen Miller im Jahr 2011 auf Andrew Breitbart, den Gründer des rechtspopulistischen Mediums “Breitbart News” traf, eilte ihm sein Ruf als nationalistischer Kreuzritter voraus. “Das warst du?” soll Breitbart bei einer Veranstaltung gefragt haben, als Millers Aktivismus zur Sprache kam.

Vor einigen Tagen war Miller abermals zu einem “Breitbart”-Event geladen. Berichten zufolge soll Trumps Ex-Berater Steve Bannon ihn als “letzten Mann hinter feindlichen Linien” angekündigt haben. Die feindlichen Linien, für Miller und Bannon sind sie das politische Establishment Washingtons.

Früherer Mitschüler: "Er will Amerika in seinem Grundgerüst verändern"

Weil er es versteht, sich im Hintergrund zu halten, hat Stephen Miller sich länger im Amt gehalten, als manche seiner kontroversen Kollegen. Er gilt als Mann im Schatten, der in Donald Trumps Ohr flüstert.

“Ich wusste immer, dass er seinen Platz finden würde”, verriet Millers ehemaliger Klassenkamerad Nick Silverman gegenüber “Vanity Fair”. “Ich hätte nur nicht gedacht, dass dieser Platz im Beraterstab des Präsidenten sein würde.”

Für all diejenigen, die das Verhalten von Trumps Beratern als politisches Schauspiel zu entschuldigen versuchen, hat Silverman eine Warnung: “Nehmt ihn ernst. Seine Gedanken sind gefährlich und er will Amerika in seinem Grundgerüst verändern. Er wird niemals aufhören dafür zu arbeiten.”

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(lp)

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