Die Grünen fordern zwei Vize-Kanzler in einer Jamaika-Koalition - Union und FDP reagieren mit Spott

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MICHAEL KELLNER
Der grüne Geschäftsführer Michael Kellner mit dem Vorsitzenden Cem Özdemir | PATRIK STOLLARZ via Getty Images
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  • Die Grünen fordern zwei Vize-Kanzler in der nächsten Regierung , damit beide Junior-Partner gleichberechtigt sind
  • Die CDU steht der Forderung kritisch gegenüber
  • Weiteres Problem: Das Grundgesetz sieht lediglich einen Vize-Kanzler vor

Doppelt hält besser. Das ist offenbar die Devise der Grünen. Mitten während der laufenden Jamaika-Sondierungsgespräche prescht die Öko-Partei mit einem ungewöhnlichen Vorschlag nach vorne:

Die Grünen fordern, in einer Jamaika-Koalition zusammen mit der CDU, CSU und der FDP zwei Vize-Kanzler zu benennen. Das erklärte Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner der "Bild"-Zeitung.

"Grüne und FDP müssten gleichermaßen die Regierungsarbeit mitkoordinieren. Die Koordination der Regierungsarbeit kann in so einer möglichen Koalition nicht nur im Kanzleramt und bei einem weiteren Partner, sondern muss bei allen drei liegen: Union, Grünen und FDP." Laut Grundgesetz ist allerdings nur ein Vize-Kanzler vorgesehen.

"Tofu predigen, aber so schnell wie möglich an die Fleischtöpfe wollen"

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hat der Forderung der Grünen nach einem zweiten Vize-Kanzler eine klare Absage erteilt. "Tofu predigen, aber so schnell wie möglich an die Fleischtöpfe wollen: Typisch grün. Es ist völlig falsch, jetzt neue Posten wie einen zusätzlichen Vize-Kanzler zu fordern", sagte Scheuer der Deutschen Presse-Agentur.

Bei der Jamaika-Expedition sei gerade mal der Reisekatalog aufgeblättert und noch kein einziges Ticket gelöst, diese Woche sei gepflastert mit schwierigen inhaltlichen Knackpunkten. "Die Grünen sollten sich lieber auf die Themen konzentrieren, statt Posten einzufordern."

Der Grünen-Politiker Dieter Janecek weißt allerdings darauf hin, dass es "keinen Posten 'Vize-Kanzler' gibt, der mit Steuergeld verbunden ist".

Die CDU sieht die Forderung skeptisch

CDU-Generalsekretär Peter Tauber mahnte, man sollte die Sondierungsgespräche nicht durch Personalfragen belasten. Erst müsse über Inhalte gesprochen werden, dann über Posten, sagte er im RBB-Inforadio.


Auch die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat skeptisch auf die Grünen-Forderung reagiert.

"Ich weiß, dass wir eine Kanzlerin brauchen", sagte die rheinland-pfälzische CDU-Chefin am Montag in Berlin. "Und dann wird es einen Vize-Kanzler geben. Ob wir zwei brauchen, hat sich mir bisher noch nicht so aufgedrängt."

Aus Reihen der FDP kommt hingegen Amüsement über den Vorstoß: "Die Grünen wollen auch einen Vizekanzler. Dann will das bestimmt auch die CSU! Vielleicht reicht aber auch ein Holzpferdchen für Trittin", twitterte der baden-württembergische FDP-Fraktionvorsitzende Hans-Ulrich Rülke.

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(mf)

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