Schulz spricht über die "junge, weibliche" SPD - und offenbart, wie schlecht seine Partei aufgestellt ist

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Schulz spricht über die "junge, weibliche" SPD -- und offenbart, wie schlecht seine Partei aufgestellt ist | dpa
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  • Die SPD soll "jünger und weiblicher" werden
  • SPD-Chef Martin Schulz gab am Montag wichtige Personalentscheidungen bekannt
  • "Jünger und weiblicher" erscheint seine Partei allerdings kaum

Die SPD will Erneuerung.

Nach dem schwächsten Bundestagswahlergebnis der Parteigeschichte haben sich die Sozialdemokraten vorgenommen, ihre Partei in der Opposition neu aufzustellen. "Jünger und weiblicher" solle die Partei werden, betonte auch SPD-Chef Martin Schulz am Montag zum wiederholten Mal.

Die Personalentscheidung, die er im Willy-Brandt-Haus in Berlin verkündete, soll diese Vision unterstreichen. Der SPD-Digitalexperte Lars Klingbeil soll als Generalsekretär die Erneuerung der krisengeplagten Partei voranbringen. Klingbeil ist 39 Jahre alt — damit verkörpert er eine neue Generation in der Partei.

Doch damit nicht genug: Auch die neue Fraktionschefin Andrea Nahles sei eine "junge Frau", erklärte Schulz. Nahles ist 47, seit 14 Jahren Mitglied des SPD-Präsidiums. Dass sie als jung gilt, verrät viel über die Abwesenheit junger Stimmen auf Parlamentsebene.

Die Mitglieder der SPD-Fraktion im Bundestag sind durchschnittlich 50 Jahre alt. Nur die AfD mit durchschnittlich etwa 51 Jahren stellt ältere Abgeordnete.

Die SPD wird weiblicher? Mitnichten!

Auch das Unterfangen, die SPD weiblicher zu gestalten, treibt Schulz bisweilen mit eher mäßigem Erfolg voran. Mit Klingbeil übernimmt wieder ein Mann den wichtigen Posten des Generalsekretärs. Auch der neue Parlamentarische Geschäftsführer ist mit Carsten Schneider ein Mann.

Zwei Frauen erteilten Schulz derweil einen Korb. Überschattet wurde Klingbeils Vorstellung noch dazu vom Abgang der SPD-Bundesgeschäftsführerin Juliane Seifert. Sie kündigte am Montag ihren sofortigen Rückzug an, nachdem sich Schulz intern auf die Suche nach einer Nachfolgerin für sie gemacht hatte und dies an die Öffentlichkeit gedrungen war.

Am Freitag war bekannt geworden, dass Schulz die Noch-Juso-Chefin Johanna Uekermann zur neuen Bundesgeschäftsführerin hatte machen wollen - doch die lehnte ab.

Schulz hatte mit Uekermanns Berufung auch ein Versöhnungszeichen an die Frauen und die Linken in der SPD senden wollen. Die fühlen sich bei den jüngsten Personalentscheidungen in Partei und Fraktion nicht ausreichend berücksichtigt.

Schulz' Taktik ging jedoch nicht auf: Uekermann lehnte das Angebot ab, Seifert wurde öffentlich bloßgestellt, und der Posten bleibt nun vorerst unbesetzt.

In der SPD gibt es bereits seit Jahren Diskussionen, wie die Partei auch für Frauen wieder attraktiver werden kann. Die Abgeordnete Cansel Kiziltepe kritisierte zuletzt in der HuffPost: "Wir müssen jünger und weiblicher werden. Wir sind, was Frauen angeht, eigentlich nicht wählbar.“ Nur etwa ein Drittel der Parteimitglieder sind Frauen.

Dieser Montag hat sicherlich nicht dazu beigetragen, einen echten Veränderungswillen zu signalisieren.

"Die SPD hat in den letzten Tagen kein gutes Bild abgegeben", räumte Schulz ein. "Dafür bin ich als Vorsitzender naturgemäß mit verantwortlich."

Mit Material der dpa.

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