Unter Flüchtlingen kursieren zahlreiche Mythen über Deutschland - die Regierung widerlegt sie nun

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REFUGEES BOAT
Flüchtlinge auf der Überfahrt nach Europa | jcarillet via Getty Images
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  • Eine Internetseite der Bundesregierung klärt über die sieben größten Lügen unter Flüchtlingen auf
  • Die Mythen werden von Schleusern in Nordafrika und im Nahen Osten verbreitet, um Flüchtlinge zur Überfahrt nach Europa zu motivieren
  • Dadurch sollen nicht allein die Schleuser die Deutungshoheit im Netz besitzen

Tausende Flüchtlinge wagen noch immer jeden Monat die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. In der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa – und oft mit völlig fehlgeleiteten Vorstellungen vom Leben in ihren Zielländern.

Die Bundesregierung verstärkt nun ihren Kampf gegen systematisch von Schleuserbanden verbreitete Fehlinformationen.

An diesem Montag soll die Internetseite “RumoursAboutGermany.info” freigeschaltet werden, auf der den falschen Gerüchten über die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland Fakten gegenübergestellt werden. Die Informationen werden auf Arabisch, Französisch und Englisch verbreitet.

"Wir wollen verhindern, dass sich Menschen in ohnehin schwieriger Lage mit verklärten Vorstellungen und falschen Erwartungen auf den Weg machen", erklärte das Auswärtige Amt zum Start der Internetseite. "Deshalb setzen wir der brodelnden Gerüchteküche objektive Informationen entgegen."

Die sieben größten Lügen der Schleuser – und die Antworten des Außenministeriums

Auf der Seite werden die "sieben größten Lügen der Schleuser" aufgelistet, die über das Flüchtlingsziel Deutschland und den Weg dorthin verbreitet werden:

1. “Das Schiff für die Überfahrt ist sehr groß, es gibt sogar einen Pool und ein Kino an Bord.”

Menschenhändler nutzen häufig die ältesten und billigsten Boote, die sie bekommen können. Viele dieser Boote sind kaum seetauglich. Dadurch können die Schleuser ihren Profit maximieren. Allein 2016 starben mehr als 5000 Menschen, als sie das Mittelmeer in solchen Booten überquerten.

2. "Deutschland hat 800.000 Plätze alleine für afghanische Flüchtlinge reserviert."

Falsch! Es gibt keine Kontingente für Flüchtlinge aus bestimmten Ländern, jeder Fall wird individuell betrachtet. Nur in besonderen Fällen gibt es Kontingente für Flüchtlinge. Wie zum Beispiel in den Jahren 2013 und 2014 für syrische Asylsuchende.

3. “Wir haben 25 Jahre Erfahrung und der Transport nach Europa ist 100 Prozent legal und ausführbar.”

Menschenhändler sind Kriminelle und nur an Deinem Geld interessiert, nicht an Deinem Leben! Tausende von Migranten ohne Asylgrund werden jedes Jahr abgeschoben. Und traurigerweise sterben viele auf der gefährlichen Überfahrt.

4. “Große deutsche Unternehmen brauchen ständig neue Fachkräfte, sodass Deutschland täglich 5000 Migranten einstellt.”

Auch falsch. Es existiert keine Arbeitsquote für Migranten. Auch wenn es ein Bedarf an ausgebildeten Fachkräften gibt, werden Migranten, die Deutschland illegal erreichen, keinen Job bekommen. Beachte auch, dass die deutsche Regierung keine Jobs für Flüchtlinge bereitstellt.

5. "Jeder Flüchtling erhält ein Willkommensgeld von 2000 Euro."

Entgegen der Gerüchte und Falschinformationen, die absichtlich von Menschenhändlern verbreitet werden, stellt Deutschland kein Willkommensgeld bereit. Durch die Verbreitung solcher Lügen bringen die Menschenhändler das Leben von Menschen bewusst in Gefahr.

6. "Deutschland schenkt jedem Flüchtling ein Haus."

Niemandem wird ein eigenes Haus geschenkt. Fakt ist, dass es in Deutschland immer schwieriger wird, einen Platz zum Leben zu finden, vor allem in Großstädten. Beachte auch, dass du deinen Wohnort nicht frei entscheiden kannst, solange du Asyl suchst, und du möglicherweise an einem abgelegenen Platz bleiben musst, an dem niemand deine Sprache versteht.

7. "Wenn es Dir in Deutschland nicht gefällt, geben Sie Dir einfach ein Visum für Kanada."

Das ist völliger Schwachsinn. Es gibt keinerlei Vereinbarung zwischen Deutschland und Kanada oder irgendeinem anderen Land für solche Fälle."

Großplakate in Afghanistan, Pakistan und Afrika

"Das wichtigste Ziel der Kampagne #RumoursAboutGermany ist es, die Deutungshoheit im Netz nicht allein den Schleusern zu überlassen", heißt es im Auswärtigen Amt.

Die neue Internetseite ist Teil einer Kampagne, die seit 2015 läuft. In Afghanistan, Pakistan, Nord- und Westafrika wurde mit Großplakaten, Buswerbung, Blogs, TV- und Radiosendungen Aufklärungsarbeit betrieben. Die neue Internetseite soll die bisherigen Aktivitäten der Kampagne im Netz bündeln.

Mit Material der dpa.

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(lp)

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