"FAS" enthüllt: Die britische Premierministerin May soll EU-Kommissionspräsident Juncker um Hilfe angefleht haben

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JUNCKER MAY
"FAS" enthüllt: Die britische Premierministerin Theresa May soll EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker um Hilfe angefleht haben | Francois Lenoir / Reuters
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  • Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hat pikante Details des Dinners zwischen Großbritanniens Premierministerin May und EU-Kommissionspräsident Juncker enthüllt
  • Anders als beide offiziell verlautbart hatten, flehte May um Hilfe bei den EU-Ausstiegsverhandlungen
  • Laut Juncker habe man ihr zudem den Kummer über ihre parteiinternen Querelen deutlich ansehen können

Die europäischen Staaten haben beim EU-Gipfel keine Gnade gekannt. Ende vergangener Woche hoffte die britische Premierministerin Theresa May zwar auf ein Einlenken Brüssels. Doch die Union blieb weiter hart und will die Austrittsverhandlungen mit London frühestens im Dezember ausweiten.

Nun enthüllt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS"): Bereits im Vorfeld des Gipfels hatte sich May mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker getroffen - und es ist anders verlaufen, als offiziell verlautbart.

Offiziell sprachen May und Juncker von einer "konstruktiven und freundlichen Atmosphäre" bei dem Treffen. Die beiden hätten sich darauf geeinigt, die Austrittsgespräche zu "beschleunigen". Nun kommt aber heraus: Die Premierministerin hat den EU-Politiker um Hilfe angefleht.

Das Szenario erinnert an eine ähnliches Treffen Ende April. Auch damals kamen die beiden bei einem Abendessen zusammen, um den Brexit zu besprechen. Für May wurde bereits das erste Treffen in London zum Desaster, nun soll das zweite in Brüssel - aus britischer Sicht - noch schlimmer verlaufen sein.

Freund und Feind im Nacken

Glaubt man der "FAS", dann steht die britische Regierungschefin vor dem Abgrund. So soll May gegenüber Juncker durchblicken haben lassen, "dass ihr daheim Freund und Feind im Nacken sitzen und nur darauf lauern, sie zu stürzen", schreibt die "FAS". Sie habe keinen Spielraum mehr, die Europäer müssten ihn für sie schaffen.

Juncker soll May gegenüber Kollegen als verzagt und mutlos beschrieben haben, auch äußerlich sei sie schwer gekennzeichnet durch die parteiinternen Querelen - wie erst am Mittwoch eine eigentlich nur symbolische Abstimmung verdeutlichte, die aber zu einer Rebellion der Torries gegen ihre Chefin geriet.

"Lieber May als Traumtänzer Johnson"

Um daheim wenigstens einen kleinen Erfolg vorweisen zu können, bat May Juncker darum, dass EU-Chefunterhändler Michel Barnier schon vorab ein Mandat für Gespräche über eine - von Großbritannien erbetene - Übergangsphase nach dem Austritt bekomme, wie die "FAS" berichtet.

Doch Juncker - und auch Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die May ebenfalls um Hilfe bat - ließen sich nicht erweichen.

Aus Sicht der EU sei aber auch klar: "Lieber mit einer realistischen May verhandeln als mit dem Traumtänzer Boris Johnson." Anders als May, die die prekäre Lage durchaus realistisch einschätzt, glaubt der britische Außenminister, dass auch ein harter Brexit relativ folgenlos für Großbritannien wäre - ein fataler Trugschluss, aus Sicht der meisten Experten und EU-Politiker.

Deshalb hatten Europas Staatschefs bei Mays Niederlage am Freitag auch versucht, diese einigermaßen hübsch zu verpacken.

Erinnert sei an die Aussage von Maltas Regierungschef Joseph Muscat: "Ich denke, es war ihr bester Auftritt bisher. Aber ich denke, es hat nicht wirklich etwas geändert."

Update, 23.10.2017, 15 Uhr: Junckers Kabinettschef Martin Selmayr erklärte auf Twitter: "Ich bestreite, 1. dass wir das gestreut haben, 2. dass Juncker das jemals gesagt hat, 3. dass wir beim Brexit strafend vorgehen."

Ähnlich äußerte sich wenig später Junckers Sprecher Margaritis Schinas: Der EU-Kommissionschef habe so etwas nie gesagt, versicherte Schinas. Die EU arbeite an einem fairen Abkommen zum britischen EU-Austritt.

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