Action! Wie Filmemacher die Umwelt retten wollen

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Die Film- und Fernsehbranche will ihre Umweltbilanz verbessern.

Film und Fernsehen erzählen uns wunderschöne Geschichten. Nicht so schön ist die Umweltbilanz langer, stromintensiver Drehtage. Jüngst beklagte sich der englische TV-Regisseur Steve Smith, bei den Branchen handle es sich um „besonders CO2-hungrige Industrien“, wo für eine Stunde Spielzeit rund 13 Tonnen Kohlenstoffdioxid ausgestoßen werden.

Smith engagiert sich als Botschafter des britischen Filmverbands BAFTA. Seit 2011 soll in dessen Auftrag ein eigens eingerichtetes Konsortium Bewusstsein für Umweltthemen in der Filmbranche schaffen. Dank diesem gibt es mittlerweile auch Trainingsprogramme, mit denen für vorbildliches Verhalten geworben wird.

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Genau gerechnet

Dazu gehört auch ein CO2-Rechner, der in der britischen Fernsehindustrie mittlerweile verpflichtend ist. Sendeanstalten und Produktionsfirmen müssen damit ihre Emissionen aufzeichnen. Wer keine Aufzeichnungen anlegt, wird nicht bezahlt.

„Damit kann die Branche Bilanz ziehen und analysieren, wie hoch der Ausstoß zu einer bestimmten Zeit war“, sagt Smith. Und vor allem: „Ob wir es schaffen, unsere Emissionen in den Griff zu kriegen oder nicht.“ Das Konsortium bietet zudem ein Zertifikat an, mit dem Produktionen noch einen Schritt weiter gehen und aktiv ihren Energieverbrauch senken können.

Smith ist der Meinung, seine Branche stehe gleich doppelt in der Verantwortung: „Zunächst haben wir die Pflicht, unsere Sendungen so nachhaltig wie möglich zu machen. Wie jedes Unternehmen müssen wir sicherstellen, dass wir das Pariser Klimaabkommen und alle anderen Klimagesetze befolgen. Unsere Branche hat aber noch eine andere Aufgabe: dem Publikum Geschichten über den Klimawandel zu erzählen.“

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Warum für Filme und Fernsehsendungen so viel Energie verbraucht wird, erklärt sich schon bei einem Blick auf den Abspann: Eine große Zahl an Darstellern, Crewmitgliedern und Ausrüstungsgegenständen ist beteiligt. Sie alle müssen herumgefahren, beherbergt, angetrieben und verköstigt werden. Wenn der Dreh abgeschlossen ist, bleibt noch die Frage, was mit Kulissen geschehen soll, die nicht mehr benötigt werden.

Als das Studio Twentieth Century Fox 2015 bekanntgab, dass es eine neue Staffel der Serie „Akte X“ produziert, nutzte es die Gelegenheit, sein Umweltbewusstsein zu zeigen. So wurden für die Herstellung der Kulissen wiederverwertbare Materialien genutzt, etwa Holz aus nachhaltigem Anbau und recyceltes Aluminium und Stahl. Für Wasser wurden mehrfach verwendbare Kanister benutzt, was Abfall von geschätzt 45.000 Plastikflaschen einsparte. Beim Catering kamen zudem kompostierbare Teller und Tassen zum Einsatz.

Doch das war noch nicht alles: Ebenfalls genutzt wurden erhaltene Kostüme aus früheren Produktionen. Als die Geschichten im Kasten waren, wurde alles noch irgendwie Nützliche an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet oder zumindest recycelt. So wurden 81 Prozent des Abfalls davor bewahrt, auf der Müllkippe zu landen.

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Elektrische Leistung

Der größte Verbrauch fällt auf einem Film- oder Fernsehset für Strom an. „Elektrizität ist für rund 60 Prozent der CO2-Bilanz verantwortlich“, sagt Smith. Darum hat sich der Filmverband etwas einfallen lassen: Anfang des Jahres handelte er eine Art Einkaufsvertrag aus, das Creative Energy Project. Damit kann jeder, der in der Branche arbeitet, komplett grünen Strom zu besonders günstigen Preisen kaufen.

Das „Akte X“-Team entschloss sich, alle Szenen in und um Vancouver in Kanada zu drehen. Dort liefern Wasserkraftwerke fast sämtlichen Strom. So wurde die Produktion fast vollständig „grün“.

Ein besonders wichtiger Faktor: die Beleuchtung. „Es gibt besonders große Fortschritte bei der LED-Technologie, die 90 Prozent effizienter ist als herkömmliche Scheinwerfer“, sagt Smith. Zudem erzeugen Leuchten dieser Art weniger Hitze – das bedeutet wiederum weniger Arbeit für die Klimaanlage im Studio.

Eine neue Szene

Viel Verschwendung droht bei Kostümen und Kulissen. Schätzungen zufolge können bei der Produktion eines Blockbusters bis zu 1.000 Tonnen Müll allein durch den Kulissenbau anfallen. Viele innovative Unternehmen haben ein Geschäft daraus gemacht. Sie kümmern sich darum, dass jeder Aspekt des Filmemachens so umweltfreundlich wie möglich ist. Firmen wie Scenery Salvage und DRESD schaffen Wiederverwertungsmöglichkeiten für Sets und Kostüme, soweit das möglich ist. Wo es nicht geht, bringen sie nicht mehr gebrauchte Stücke in den Recyclingkreislauf oder verkaufen sie weiter.

Smith meint, dass der wohl entscheidendste Faktor bei der Energiewende im Film das Budget ist. „Selbst eingefleischte Klimaskeptiker müssen einsehen, dass CO2-Sparen auch Geldsparen bedeutet.“ Bei „Akte X“ etwa wurden nach Berechnung der Produktion 41.000 Dollar durch die Umweltbemühungen gespart. Bei einem großen Hollywood-Film ist entsprechend noch mehr drin.

Dann wäre da noch die andere Aufgabe der Filmindustrie: Geschichten über den Klimawandel zu erzählen. „Eine Sache, die ich aus der Beschäftigung mit dem Klimawandel gelernt habe, ist, wie ignorant Menschen gegenüber Fakten sind“, sagt Smith. Es bereitet ihm Sorgen. „Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Planeten beträgt die Konzentration von Stickstoffdioxid in der Atmosphäre heute 400 ppm (Partikel je Million Partikel). Solange ich lebe, wird diese Konzentration nicht unter diesen Wert sinken. Die Branche schafft es derzeit nicht, diese Information effektiv zu verbreiten.“

Smith und andere arbeiten daran, das zu ändern. Sie hoffen, dass die Filmindustrie in Sachen Umweltschutz ein Happy End produziert.

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