Nach Messerattacke: Münchner Polizei begeistert mit einem Satz tausende Menschen

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Die Münchner Polizei hat viel zur Messerattacke getwittert - aber eine Nachricht ging viral | dpa/polizei münchen
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  • Am Samstag hat ein Mann in München acht Menschen mit einem Messer verletzt
  • Die Polizei bestätigte nach Spekulationen rechter Hetzer noch einmal auf Twitter, dass der Täter Deutscher sei
  • Der Tweet begeisterte mit seiner klaren Botschaft tausende Menschen

Ist das traurig? Oder macht das Mut? Vermutlich beides.

Am Samstag hat in München ein Mann acht Menschen mit einem Messer verletzt, die Polizei informierte und warnte die Bevölkerung auf Twitter. Und sah sich am Abend zu folgendem Tweet genötigt: "Nachdem viele Hetzer ihre Frage wieder löschen, weil die Antwort offenbar nicht in ihre Schublade passt: Geburtsland des TV: Deutschland."

Twitter-Nutzer baten die Polizei um Täterhinweise

Was war passiert? Es dauerte gut drei Stunden, bis ein Spezialeinsatzkommando den Verdächtigen fand. In dieser Zeit war es für Münchner wichtig zu wissen, vor wem sie sich in Acht nehmen sollten.

Anfangs suchte die Polizei nach einem etwa 40 Jahre alten Mann, beschrieb Kleidung und Fahrrad. Erst später präzisierte die Polizei dann: korpulent, mittelblond, unrasiert.

Insofern wirkt nachvollziehbar, wenn viele via Twitter anfangs um weitere Hinweise baten, die weniger vage sind und nicht austauschbar wie Kleidung oder Rad - und dazu zählen etwa Haar- und Hautfarbe. So heikel diese Angaben auch sind.

Allerdings kann es dauern, aus vielen Zeugenaussagen belastbare herauszudestillieren. Dass einige User der Polizei deshalb unterstellten, sie wolle die Herkunft des Täters verschweigen, ist eine böse Unterstellung.

Noch böswilliger ist die Einstellung, die sich aus diversen Posts ablesen ließ: Es könne doch nur ein Ausländer, Islamist oder Mensch mit Migrationshintergrund hinter der Attacke stecken. Das ist Rassismus.

"Der Festgenommene ist in Deutschland geboren, auch wenn's nicht in Ihre Schublade passt"

Die Diskussion ging weiter, auch nachdem die Polizei in ihrer Pressekonferenz am frühen Nachmittag den inzwischen festgenommenen Verdächtigen als Deutschen identifiziert hatte.

Deutscher, das heiße nichts, er könne auch Migrationshintergrund haben, war auf Twitter zu lesen. Man solle seinen Namen veröffentlichen.

Die Polizei antwortete: "Der Festgenommene ist in Deutschland geboren, auch wenn's nicht in Ihre Schublade passt!" Und weiter: "Abgesehen, dass wir die Persönlichkeitsrechte auch von Tatverdächtigen schützen, können wir Ihnen sagen, Sie wären enttäuscht."

Soweit zum traurigen Teil.

"Diese 'Sehnsucht' nach Tätern mit Migrationshintergrund ist widerlich"

Mut macht, welche Reaktionen der Tweet der Polizei an die Hetzer auslöste. Innerhalb von 15 Stunden wurde er 1700 Mal geteilt und 5300 Mal gelikt. Mehr als jeder andere Tweet der Polizei über den Vorfall.

Und nicht nur Prominente wie der ARD-Moderator Fritz Frey geißelten die Hetze: "Diese 'Sehnsucht' nach Tätern mit Migrationshintergrund ist widerlich und den Opfern gegenüber zynisch", schrieb er.

Viele User dankten der Münchner Polizei, für den "fantastischen Tweet" und dafür, "dass Sie sich gegen die Hetzer stellen", dafür, dass man den Hetzern "radikal höflich eins auf die Fresse" gebe.

Ein User antwortete den Hetzern mit bitterem Sarkasmus: "Stellen Sie sich vor: Tatsächlich kann man voll echter deutscher Gene sein und trotzdem eine Psychose haben."

Andere machten sich über die offenbar krampfhafte Suche nach der "Schuld" eines Ausländers lustig und schrieben: "Aber der Mann muss doch zumindest ausländische Nachbarn gehabt haben" – "Oder schon mal ein Döner gegessen."

Die Geschichte zeigt, wie viel Hass, viel Vorurteile es gibt. Aber sie zeigt auch, dass sehr viele Menschen nicht bereit sind, das zu akzeptieren.

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(lm)

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