"Der tschechische Trump": Euroskeptiker und Milliardär Babis gewinnt Wahl in Tschechien

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TSCHECHIEN
"Der tschechische Trump": Euroskeptiker und Milliardär Babis gewinnt Wahl in Tschechien | dpa
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  • Nach Polen und Ungarn siegt der Populismus nun auch in Tschechien - wenn auch unter anderen Vorzeichen
  • Viel hängt nun davon ab, mit wem der Milliardär Andrej Babis in eine Koalition geht
  • Kritiker vergleichen ihn mit US-Präsident Trump - Babis besitzt ein Firmenimperium und einflussreiche Medienhäuser

Von einem "Erdbeben" und einem "Hurrikan" sprachen Beobachter, als sie auf das Wahlergebnis in Tschechien schauten.

Dort gewann der umstrittene Milliardär Andrej Babis mit großem Vorsprung, während einst großen Parteien wie die Sozialdemokraten massive Verluste hinnehmen mussten.

"Den Staat wie eine Firma lenken"

Babis will "den Staat wie eine Firma lenken" und wird in den Medien deshalb auch "der tschechische Donald Trump" genannt.

Der Wahlsieger ist Kopf eines Firmenimperiums, das bedeutende Tageszeitungen und den meistgehörten Privatradiosender des Landes umfasst. Kritiker warnen daher vor einer nie dagewesenen Konzentration medialer, politischer und wirtschaftlicher Macht.

Dass dieser Mann auch für Deutschland kein einfacher Partner wird, machte er schon im Wahlkampf klar.

Dort profilierte er sich als Euroskeptiker, scharfer Kritiker der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Gegner einer tieferen EU-Integration.

Mehr zum Thema: Dieser Mann wird wohl bald Tschechien regieren - er hat mehr mit Trump gemein, als uns lieb sein kann

Schwieriger Partner für Deutschland

In Europa dürfte deswegen die Angst vor einem tiefer werdenden Graben zwischen dem westlichen und östlichen Teil der EU größer werden.

Babis bezeichnete den österreichischen Wahlsieger Sebastian Kurz bereits als einen weiteren "Verbündeten" der Visegrad-Gruppe im Kampf gegen die EU-Flüchtlingspolitik. Zu den Visegrad-Vier zählen neben Tschechien auch Polen, Ungarn und die Slowakei.

Polizei ermittelt gegen Babis

Seinen Gegnern und den Medien warf er - ganz im Stile des US-Präsidenten - am Wahlabend eine "Desinformationskampagne" vor. "Wir sind keine Gefahr für die Demokratie", sagte Babis im Sender CT.

Dass der zweitreichste Tscheche die Wahl überhaupt gewinnen konnte, gleicht einer Sensation.

Denn auch eine gewaltige Liste an Skandalen erinnert an Donald Trump, der vor der Wahl mit rassistischen und sexistischen Äußerungen für Schlagzeilen sorgte.

Babis wird etwa des EU-Subventionsbetrugs in Millionenhöhe verdächtigt, weshalb die Polizei gegen ihn ermittelt.

"Es wird besser"

Hinzu kommt, dass Babis bis vor Kurzem noch ein politisch unbeschriebenes Blatt war.

Manche glauben, er sei nur deshalb in die Politik gegangen, weil die anderen Superreichen in Tschechien den gebürtigen Slowaken und Ex-Kommunisten geschnitten hätten.

Auf diese Weise habe er sich den nötigen Respekt verschaffen wollen. Das Motto seiner Protestbewegung ANO ist einfach: "Ja, es wird besser werden."

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(sk)

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