Die britische Presse verhöhnt Premierministerin May - wegen dieses Fotos aus Brüssel

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  • Ein Fotograf hat einen denkwürdigen Schnappschuss der einsamen Theresa May in Brüssel gemacht
  • Die Briten verhöhnen die Premierministerin für das Motiv - denn für sie steht es symbolisch für die Sackgasse, in die May ihr Land geführt hat

Ihr Blick ist ausdruckslos auf vier Blumentöpfe gerichtet. Sie sitzt alleine am Tisch, ganz alleine. In einem Gebäude der EU in Brüssel - und wird später für diesen Moment in den sozialen Netzwerken und von der britischen Presse verspottet werden.

Die Frau, die da so gedankenverloren auf Blumen starrt, ist die britische Premierministerin Theresa May. Am Donnerstag und Freitag kam sie für den EU-Gipfel nach Brüssel. Auch, um über die stockenden Brexit-Verhandlungen zu reden. Wirkliche Fortschritte konnten beide Seiten nicht erzielen.

Dafür gelang einem Fotografen ein symbolischer Schnappschuss von der einsamen May am Verhandlungstisch. Die Staatschefin wartet gerade auf den Präsidenten des EU-Rats Donald Tusk und betrachtet die Dekoration des sonst so schmucklosen Raumes:

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Quelle: Getty.

Für viele Beobachter ist dieses Bild mehr als nur ein Schnappschuss. Es steht symbolisch für die Isolation, in die May ihr Land nach dem Brexit-Referendum manövrierte.

"Hier ein Foto von Theresa May mit all ihren Freunden"

Er habe ehrlich gedacht, dass es sich um ein generisches Bild aus einer Datenbank gehandelt habe, spottet ein britischer Journalist. Das Motto: Absolute Einsamkeit.

"Hier ein Foto von Theresa May mit all ihren Freunden", schreibt ein Nutzer hämisch.

Der Politikwissenschaftler Ian Bremmer kommentiert lakonisch: "Brexit, zusammengefasst".

"Arme Theresa May"

Auch die britische Presse griff das Motiv auf. Die konservative Zeitung "The Daily Telegraph" verpasste dem Bild die ironische Unterschrift: "Theresa kontempliert ihre Möglichkeiten". Zur Auswahl hätte sie demnach vier Blumentöpfe.

Die britische Ausgabe der HuffPost zeigte fast schon Mitleid. "Arme Theresa May". Das Bild wirke wie "eine brutale Metapher der Isolation Großbritanniens bei den Brexit-Verhandlungen."

Der politischen Konkurrenz entging das Fotos ebenfalls nicht. Labour-Politiker Marcus Johns spottete auf Twitter: "Theresa May, umgeben von all den Handelsabkommen, die wir ganz schnell nach dem Brexit bekommen werden."

Das herausragende Thema war aber beim EU-Gipfel nicht ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der Staatengemeinschaft gewesen - sondern Londons Verbindlichkeiten von bis zu 100 Milliarden Euro. Diese Summe fordert die EU von Großbritannien.

Bevor die Frage nicht geklärt sei, werde die zweite Phase der Verhandlungen nicht gestartet werden, unterstrich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Brüssel nochmals. Erst in der zweiten Phase wird es um die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien und der Frage eines Handelsabkommen gehen.

In der Zwischenzeit bleiben May immerhin noch die Blumen - und ein denkwürdiger Schnappschuss.

Mehr zum Thema: Die britische Premierministerin steht mit dem Rücken zur Wand - und bittet nun die EU um Hilfe

Mit Material der dpa.

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(lm)

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