Seehofers Grünen-Phobie: Bei den Sondierungen meidet der CSU-Chef die Ökopartei - zumindest nach außen hin

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HORST SEEHOFER
Seehofers Grünen-Phobie: Bei den Sondierungen meidet der CSU-Chef die Ökopartei - zumindest nach außen hin | Hannibal Hanschke / Reuters
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  • CSU-Chef Seehofer wollte am Freitagabend wohl nicht gerne mit den Grünen gesehen werden
  • Fotos zeigen ihn mit vielen Politikern - nur nicht mit denjenigen der Ökopartei
  • Gesprochen hat Seehofer natürlich trotzdem mit den Grünen - und auch eine Gemeinsamkeit entdeckt

Von dunklen Wolken war danach die Rede, Donnerschläge habe aber keiner vernommen. So lautete das bildliche Fazit von Grünen-Mann Michael Kellner, als er nach fünf Stunden Sondierungen mit Union und FDP am Freitagabend vor die Kameras trat.

Ein gemischtes Fazit also für eine Gesprächsrunde, die den Charakter einer politischen Generaldebatte und nicht einer konkreten Verhandlungsrunde hatte.

Eine interessante Geschichte aber erzählen Videoaufnahmen und Fotos dieses Abends doch: die der Atmosphäre zwischen CSU und Grünen.

CSU-Chef Horst Seehofer spricht hinter verschlossenen Türen natürlich mit den Grünen. In der Öffentlichkeit aber scheint er sie meiden zu wollen.

Schnell um die Ecke

Vor Beginn der Gespräche waren Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) gerade unterwegs, ihre Statements vor der Presse abzugeben, da drehten die Parteichefs wenige Meter von den Journalisten noch einmal ab und verzogen sich in einen Seitengang.

Vorne standen nämlich gerade die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt vor den Kameras.

"Da wollen die Unions-Granden doch lieber nicht mit ins Bild", kommentiert ein Journalist der "Welt" die kleine Szene.

Der bayerische Löwe in der grünen Hölle

Nun kann es natürlich sein, dass Merkel und Seehofer schlicht nicht stören wollten.

Aber vielleicht war es Seehofer ganz Recht, nicht allzu oft mit den Grünen auf einem Foto aufzutauchen. Bayerns Ministerpräsident steht in der eigenen Partei massiv unter Druck.

Nach dem schlechtesten CSU-Ergebnis seit 1949 bei einer Bundestagswahl kann es sich Seehofer nicht leisten, Nähe ausgerechnet zu den Grünen zu zeigen – das würde seine ohnehin bröckelnde Macht als Parteichef schmälern und zudem Wähler in der Landtagswahl 2018 vergraulen.

Beobachter gehen davon aus, dass die größte Hürde für eine Jamaika-Koalition eine Einigung zwischen CSU und Grünen sein wird.

Und so erhaschten die Fotografen ein lediglich unscharfes Bild von Seehofer mit einem Grünen: Vor den Gesprächen reichte Grünen-Chefunterhändler Cem Özdemir Seehofer die Hand, der sie auch zu ergreifen scheint:

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Özdemir und Seehofer vor Beginn der Gespräche. Quelle: Reuters.

Dagegen steht ein Foto, das Seehofer sichtlich amüsiert in der konservativen und liberalen Männerrunde mit Alexander Dobrindt (CSU), Christian Lindner (FDP) und Jens Spahn (CDU) zeigt.

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Seehofer in der schwarz-gelben Männerrunde. Quelle: dpa.

Was passiert, wenn er zusammen mit Grünen in die Kamera grinst, erlebte Seehofer am Anfang der Woche. Da besuchte er als erster CSU-Politiker überhaupt die Grünen-Zentrale.

Die Presse kommentierte da gleich: "Der bayerische Löwe in der Grünen-Hölle". Sowas braucht Seehofer nicht alle paar Tage.

Kleine Fortschritte

Trotz aller Differenzen will Seehofer aber auch ein paar Gemeinsamkeiten mit den Grünen entdeckt haben. Seehofer meinte, in Steuerfragen habe es zwischen beiden Parteien Fortschritte gegeben:

"Gestern ging es mehr um die Frage, dass Investitionen getätigt werden sollen. Aber die Arie von der großen Steuererhöhung habe ich gestern nicht gehört." Vor vier Jahren habe das von den Grünen noch ganz anders geklungen.

Kleine Fortschritte

Kanzlerin Merkel hat da weniger Berührungsängste als Seehofer. Fotos zeigen die Kanzlerin im intensiven Gespräch mit Özdemir, Göring-Eckardt und FDP-Vize Wolfang Kubicki.

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Kubicki, Özdemir, Göring-Eckardt und Merkel. Quelle: dpa.

Özdemir scherzte hinterher sogar noch, er habe der Kanzlerin am Rande der Gespräche ein wenig Schwäbisch beibringen wollen. Solches Geschäker ist ein gutes Zeichen.

Mit Humor lässt sich schließlich ein bisschen Sonne zaubern, wo sonst Gewitterwolken drohen.

Mehr zum Thema: "Die Stinkstiefel": Warum diese vier Politiker bei den Jamaika-Gesprächen entscheidend werden könnten

Mit Material der dpa.

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(sk)

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