Während Trump Skandal nach Skandal produziert, wird sein Vize Pence im Weißen Haus immer mächtiger

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PENCE
Wie Vize-Präsident Pence im Weißen Haus immer mächtiger wird | Getty
Drucken
  • US-Vizepräsident Pence baut seine Macht in der Trump-Regierung aus
  • Außenpolitisch hält er viele Fäden in der Hand, wird zur Anlaufstelle für viele Diplomaten
  • Innenpolitisch verbindet Pence Populisten und Establishment

Experten halten ihn für brandgefährlich: Mike Pence, Vize-Präsident der USA, der Mann hinter Donald Trump, gilt als ultrakonservativ, skrupellos und im politischen Washington bestens vernetzt.

Doch: Um Pence ist es seit Trumps Amtsantritt Anfang des Jahres erstaunlich ruhig. Zuletzt geriet Pence in die Schlagzeilen, als der “New Yorker” enthüllte, Trump habe gescherzt, der Vizepräsident würde Homosexuelle hängen wollen.

Von Pence selbst allerdings hört man wenig. Das Bild, das dadurch entsteht, trügt jedoch. Denn hinter den Kulissen wird der Vizepräsident immer wichtiger – besonders außenpolitisch wird Pence zur Anlaufstelle wichtiger Diplomaten.

So könnte der machthungrige Republikaner, dem viele Beobachter Ambitionen auf die Präsidentschaft nachsagen, auf längere Sicht schwer ersetzbar werden.

Pence ist der Mann, zu dem die Diplomaten kommen

Denn während Trump Skandal um Skandal auslöste, reiste Pence durch die Welt und baute Kontakte auf. Das Magazin “Foreign Policy” hat mit zwölf internationalen Diplomaten in Washington D. C. gesprochen. Die Mehrheit war überzeugt: Pence ist der Mann, mit dem sie reden müssen, wenn sie die US-Politik beeinflussen wollen.

Ein europäischer Diplomat berichtete: “Das Level des Wissens ist im Büro des Vizepräsidenten etwa gleich hoch wie im Nationalen Sicherheitsrat.” Der Vize-Präsident habe jedoch einen größeren Einfluss auf die Politik.

Viele Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrat hätten durchblicken lassen, dass sie Probleme hätten, zu Trumps engsten Beratern vorzudringen. Besonders osteuropäische Staaten, die sich sorgen, die USA könnte ihre Funktion als Schutzmacht innerhalb der Nato vernachlässigen, sollen Pence nahestehen.

Zunächst ist das nicht unbedingt ungewöhnlich. Auch Joe Biden, Vizepräsident unter Trumps Vorgänger Barack Obama, pflegte gute Beziehungen zu Diplomaten weltweit. Der Unterschied: Biden vertrat die Politik Obamas. Pence vertritt seine eigene Politik.

“Er wird geschickt, um Verbündeten in Tallinn oder Tokyo zu versichern, dass die Regierung, egal, was Trump twittert oder sagt, eine ähnliche Politik vertritt, wie sie jeder vernünftige Republikaner vertreten würde”, analysiert “Foreign Policy”.

Bannon: "Ohne Pence gewinnst du nicht"

Pence wird so zur Stimme der Vernunft im Weißen Haus – und das als rechter Hardliner erster Güte.

Der Republikaner Newt Gingrich sagte dem “New Yorker”, Pence gehöre zu den drei mächtigsten Männern im Weißen Haus – neben Trump und Stabschef John Kelly. Das zeige sich bereits am Terminkalender des 58-Jährigen.

Pence habe Abendessen mit dem Präsidenten, nehme an Briefings zur nationalen Sicherheit teil. “Foreign Policy” führt einige der letzten Auslandsreisen des ehemaligen Gouverneurs von Indiana auf: Japan, Osteuropa, Venezuela – alles um in entscheidenden außenpolitischen Lagen zu vermitteln.

Vermitteln muss der Vizepräsident auch zwischen seinem Chef und dem rechten Republikaner-Flügel. Der ehemalige Chefstratege des Präsidenten Steve Bannon sagte so laut “New Yorker”: “Trump hat die populistischen Nationalisten. Aber Pence ist die Basis. Ohne Pence gewinnst du nicht.”

Auch der Vizepräsident weiß, wie wertvoll er ist. Er stellt sich bislang so loyal wie kein anderer im Trump-Kabinett hinter den Präsidenten. Dass ihm selbst der Weg ins Weiße Haus offen stehen könnte, ist jedoch kein Geheimnis.

Pence unterhält gute Beziehungen zu Großspendern wie den Koch-Brüdern, kennt sich unter Populisten und im rechten Establishment bestens aus – und nun baut er sich auch international sein Netzwerk auf.

Der verheißungsvolle Titel des großen “New Yorker”-Porträts könnte so in Zukunft Realität werden: “Die Gefahr von Präsident Pence.”

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(sk)

Korrektur anregen