Bei "Maybrit Illner" torpediert CSU-Mann Söder Jamaika – und macht am Ende doch noch ein Zugeständnis

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Bei "Maybrit Illner" torpediert CSU-Mann Söder Jamaika – und macht am Ende doch noch ein Zugeständnis | ZDF
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  • Bei Maybrit Illner zeigte sich CSU-Politiker Markus Söder skeptisch gegenüber einer Jamaika-Koalition
  • Allein der Name passe nicht zu Deutschland, begann er konfrontativ
  • Am Ende der Talkrunde war er es aber selbst, der am ehesten an die Koalition glaubte

Vor 44 Jahren hat – so könnte man meinen – ausgerechnet Bob Marley die Hymne der angestrebten Jamaika-Koalition im Bundestag gedichtet. "Why's this fussing and a-fighting?", sang der Reggae-Sänger damals.

Nun, im Oktober 2017, scheint Fussin’ and Fighting, also etwa "jammern und sich bekriegen“, auf dem Weg zu einer Koalition bei Konservativen, Grünen und Liberalen an der Tagesordnung zu sein.

Auch bei "Maybrit Illner“ wurde am Donnerstag über Jamaika gestritten. Besonders CSU-Mann Markus Söder war statt unter schwarz-gelb-grüner Fahne unter bayerischer Kriegsflagge unterwegs.

"Schon der Name macht mich unsicher, weil er nicht zu Deutschland passt", stellte Söder gleich zu Beginn der Sendung klar, was er von der anvisierten Koalition hält. FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff zog skeptisch den Mundwinkel hoch.

Und Söder bretterte schon kurz darauf weiter. "Die Leute spüren, dass die Steuerverwaltungen in der Lage sind, bei kleinen Cent-Forderungen konsequent staatlich zu handeln", begann der bayerische Finanzminister. Bei Abschiebungen würden die zuständigen Stellen jedoch keine solche Konsequenz an den Tag legen.

Söder preschte vor als sei er im Wahlkampf

Zwischenzeitlich wirkte es fast befremdlich, wie der CSU-Politiker, der wohlgemerkt der kleinsten Partei in der möglichen Regierung angehören würde, die anderen Gäste bei Illner vor sich hertrieb, als befinde er sich nicht in der Sondierungsphase, sondern mitten im Wahlkampf.

Einen kurzen Moment der Einigkeit gab es aber trotzdem: Söder erklärte, eine Koalition müsse ein "Projekt, nicht nur für Eliten, sondern für normale Menschen" werden. Ein Punkt, den auch Grünen-Chefin Simone Peter wiederholt unterstrich. Sie plädiert mit ihrer Partei für eine Vermögenssteuer für Superreiche.

"Ich halte es für ganz wichtig, dass die Leute nicht das Gefühl haben, da machen sich ein paar vom Acker und es gibt Armut im Land", stellte Peter klar. "Und deswegen ist jetzt Steuern erhöhen eine gute Idee?", grätschte Söder dann wieder rein. Der Staat müsse lernen mit dem Geld auszukommen, das er habe.

Am Ende bekennt sich der CSU-Mann zum neuen Bündnis

So geriet die Grünen-Frau immer weiter in die Defensive. Bei der Abschaffung des Solidaritätszuschlags sah sich Peter einer breiten Front gegenüber. CDU-Politiker Ole von Beust, Söder und Lambdsdorff sprachen sich für ein Ende des Solis aus, Peter haderte.

Es müsse eine Entlastung der Familien geben. "Wir müssen uns um Armut kümmern", so die Parteilinke. Die reine Abschaffung des Solis helfe nunmal vor allem den Gutverdienern.

Am Ende stand die entscheidende Frage: Klappt das nun mit Jamaika? Trotz allem Jammern und Sich-Bekriegen?

Peter enthielt sich. Beust tendierte zu einer Koalition: "Hilft ja nichts." Lamsdorff sah eine 50:50-Chance. Und Söder? Der bayerische Innenminister zeigte dann doch, dass er zu Kompromissen bereit ist: "Hmm, ja."

Ein Bekenntnis, das man dem bayerischen Zauderer nach dieser Stunde Jamaika-Talk nicht zugetraut hätte. Wohl auch deshalb erntet der CSUler Lacher.

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(mf)

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