8 wissenschaftlich belegte Gründe, warum Unternehmen Mütter einstellen sollten

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  • Viele Unternehmen stellen nur ungern Mütter ein
  • Denn Führungskräfte befürchten Nachteile, wie zum Beispiel unflexible Arbeitszeiten
  • Doch Studien zeigen: Gerade Mütter sind als Mitarbeiter besonders wertvoll

Die Zahl der Unternehmen, die bereit sind, Mütter einzustellen, ist in den vergangenen Jahren gesunken. Das hat unter anderem eine Studie von Regus unter 10.000 leitenden Angestellten in 78 Ländern ergeben.

Die Nachteile, Mütter als Arbeitskraft einzusetzen, liegen scheinbar auf der Hand: Wegen ihrer Kinder sind sie sowohl zeitlich als auch was ihren Wohnort betrifft, unflexibel, gehen pünktlich nach Hause und machen keine oder nur wenige Überstunden. Ist ihr Kind krank, müssen viele von ihnen selbst zuhause bleiben und sich um das Kind kümmern.

Kein Wunder also, dass Arbeitgeber davor zurückschrecken, Mütter einzustellen. Dabei gibt es viele wissenschaftlich belegte Gründe, warum gerade Mütter wertvolle Mitarbeiterinnen sind.

1. Mütter sind produktiver als Kollegen ohne Kinder

Forscher der Universitäten Konstanz und Zürich und vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn untersuchten die Produktivität von 9.900 Ökonomen.

Die Teilnehmer waren alle Mitglieder einer Online-Plattform für Wirtschaftswissenschaftler, sehr gut ausgebildet und an Universitäten in 14 Ländern tätig. 23 Prozent von ihnen waren Frauen.

Die Studienleiter gaben ihnen Punkte für veröffentlichte Forschungsarbeiten. Dabei zeigte sich: Die Ökonomen mit Kindern veröffentlichten zwar weniger Forschungsarbeiten - doch nur für einen gewissen Zeitraum, vermutlich während der Elternzeit.

Mehr zum Thema: Ergebnis von 40 Jahren Forschung: Frauen sind die besseren Chefs - wegen dieser 4 Fähigkeiten

Mit den Jahren stellten sich vor allem die Wirtschaftswissenschaftlerinnen mit Kindern als überdurchschnittlich fleißig heraus. Ökonominnen mit zwei Kindern oder mehr zeigten sich sogar produktiver, als Kolleginnen mit nur einem oder gar keinem Kind.

2. Mütter können sich ihre Zeit besser einteilen

Das Ergebnis der Studie zeigte, dass Mütter nach der Geburt nicht weniger produktiv als vergleichbare Kollegen waren. "Nach der Geburt des ersten Kindes sind speziell Mütter zeitlich wenig flexibel. Aber die Zeit, die ihnen bleibt, wissen sie wohl besser zu nutzen", vermuten die Autoren.

Die Forscherin Marita Haas untersuchte weibliche Karriere-Verläufe in Technik und Wissenschaft an der TU Wien. Dabei stellte sie fest, dass Mütter ganz einfach effektiver im Zeitmanagement als Frauen ohne Kinder sind.

In Gesprächen mit Managern habe sie außerdem schon des Öfteren Statements gehört wie: "Ich arbeite lieber mit Müttern zusammen, denn die nutzen ihre Zeit besser. Da gibt es kein unnötiges 'Blabla' – denn eine Mutter, die um 16 Uhr weg muss, um ihr Kind vom Kindergarten zu holen, hat schlichtweg nicht die Zeit, ewig um den heißen Brei herumzureden“.

Auch Anika Harb, eine Psychologin und die Autorin des Buches "Supermoms", hat das beobachtet und sagte im Interview mit der österreichischen Zeitung "Woman":"Bevor ich Mutter geworden bin, war es für mich schier unvorstellbar, was man alles an einem Tag schaffen kann. Wie routiniert man in vielen Dingen wird und wie wenig Schlaf man wirklich braucht."

3. Mütter sind Planungs- und Orientierungs-Talente

Die Autoren der Studie zogen aus ihren Untersuchungen außerdem den Schluss: Bei Universitätsangestellten mit hohem Wirtschafts-Know-how handle es sich so gut wie immer um Personen, denen langfristige Planung äußerst wichtig sei. Das gelte auch für ihre Karriere- und Familienplanung, die von Zahlen, Daten und Fakten dominiert werde. Mütter hätten demnach ein sehr hohes Organisationstalent.

4. Der befürchtete Karriereknick bleibt aus - ganz im Gegenteil

Viele Chefs und wohl auch die Mütter selbst befürchten, dass es nach einem Kind zum Karriereknick kommt. Doch diese Angst ist nicht gerechtfertigt. Die Studie zeigte auch: Wer vor einem Kind erfolgreich war, war es auch nach der Geburt eines Kindes.

Die Forscher fanden heraus, dass die Produktivität der Mütter (und auch Väter) nach der Geburt kaum geringer wurde. Vor allem, wenn sie verheiratet waren oder in einer festen Beziehung lebten.

5. Mütter fehlen im Schnitt nicht häufiger als Frauen ohne Kind

Es liegt nahe, zu denken, dass Mütter häufiger in der Arbeit fehlen als Frauen ohne Kind. Doch die Zahlen zeigen, dass dieses Vorurteil gar nicht stimmt. Laut einem Bericht der Bundesregierung waren Angestellte in Deutschland im Jahr 2016 im Schnitt 15,2 Tage krankgeschrieben – ganz egal, ob sie ein Kind hatten oder nicht.

Laut einer Analyse der Techniker Krankenkasse melden sich Eltern, die älter als 40 Jahre sind, sogar seltener krank als kinderlose Mitarbeiter.

6. Die echten Karriere-Frauen sind gar nicht die kinderlosen Single-Frauen

Die typische Karriere-Frau stellen sich die meisten vermutlich nicht mit drei Kindern im Arm vor. Doch überraschenderweise sind es gar nicht die kinderlosen Single-Frauen, die oft überdurchschnittlich erfolgreich sind. Vor einigen Jahren untersuchte die Studie "Women in Leadership" die Profile von Europas Top-Managerinnen. Mehr als drei Viertel aller Befragten hatten Kinder und lebten in einer fester Partnerschaft.

Im Jahr 2002 hatten mehr als 60 Prozent von Europas Top-Managerfrauen Kinder.

7. Mütter sind multitaskingfähig und zufrieden

Eine europäische Studie im Auftrag des Haushaltsmittel- und Kosmetikherstellers Procter & Gamble hat gezeigt, dass Mütter besonders multitaskingfähig sind. Eine Fähigkeit, die auch im Job oft gefragt ist. Das Unternehmen befragte 9.500 Mütter zu ihrer derzeitigen Situation.

Der Studie zufolge sind die deutschen Multitasking-Mütter mit ihrer Koordination von Job und Kindern samt Haushalt zufrieden und sogar zufriedener als die Mütter in anderen Ländern.

8. Kinder machen glücklich

Auch wenn Kinder ohne Frage mit viel Stress und Einschränkungen verbunden sind: Verschiedene Studien legen nahe, dass Kinder glücklich machen. Luis Angeles von der University of Glasgow in Großbritannien hat untersucht, wie zufrieden Erwachsene mit Kindern sind und dabei festgestellt: Wenn die Umstände, wie zum Beispiel eine stabile finanzielle Lage, stimmen, machen Kinder ihre Eltern glücklich.

Und dass glückliche Mitarbeiter die besseren Mitarbeiter sind, ist wohl keine Neuigkeit - auch das ist übrigens wissenschaftlich belegt. In einer Studie für das "Journal of Consumer Psychology" hat die Forscherin Alice Isen gezeigt, dass zufriedene Mitarbeiter Informationen anders im Gehirn verarbeiten als unglückliche Kollegen. Demnach treffen glückliche Angestellte sorgfältigere, effizientere, flexiblere und innovativere Entscheidungen.

Michi Kasper, der Chef einer Kreativagentur in München, hat aus Ergebnissen wie diesen bereits seine Schlüsse gezogen: Er stellt in seinem Unternehmen nur noch Mütter ein.

"Mamas sind stressresistent, gut vernetzt, oft bestens ausgebildet und können mit Kindern sowie Kindsköpfen umgehen"- heißt es in seiner Stellen-Anzeige.

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(ujo)

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