Flaschensammlerin muss 2000 Euro zahlen? Wieso die Empörung über einen Fall in München falsch war

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  • Eine Münchnerin sorgte im September für Aufsehen, weil sie angeblich fürs Flaschensammeln mit einer Geldstrafe belegt wurde
  • Die Geschichte der Rentnerin ist aber eine ganz andere, als berichtet wurde

Die Empörung war riesig. "Eine 76-jährige Frau ist jetzt vorbestraft, weil sie am Münchner Hauptbahnhof ihre Rente aufbessern wollte", hieß es etwa in der Münchener "tz". Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht polterte: "Rent­ne­rin soll we­gen Fla­schen­sam­meln 2000 Euro Stra­fe zah­len. Ist das das Deutsch­land, in dem 'wir' nach Mei­nung der CDU alle 'gut und ger­ne le­ben'? Mir wird schlecht.“

Fast 100.000 Menschen unterzeichneten eine Petition, um der 76-Jährigen zu helfen. Die Frau wurde zu einem Symbol der Ungerechtigkeit, verkörperte die Armut in einer reichen Stadt und den unfairen Umgang mit Bedürftigen.

Doch ganz wie bislang dargestellt, ist die Geschichte der Rentnerin nicht, wie der "Spiegel" nun berichtet.

Sie besitzt mindestens eine Immobilie

Die Staats­an­walt­schaft Mün­chen stellte demnach klar: Die 76-Jährige wurde weder vorbestraft, noch zu einer 2000-Euro-Strafe verdonnert. Richtig sei: Wegen illegalem Flaschensammeln habe sie ein Hausverbot im Münchner Hauptbahnhof erhalten.

Da sie mehrfach gegen dieses verstoßen habe, hätten sich in den vergangenen Jahren insgesamt drei Geldstrafen gegen die 76-Jährige angesammelt. Aber: So bedürftig, wie in der Presse dargestellt, sei diese gar nicht.

So habe die Frau angegeben, eine Eigentumswohnung zu besitzen, berichtet der "Spiegel". Zudem soll sie sogar über Mieteinnahmen anderer Immobilien verfügen. Das Obdachlosenmagazin "Biss", das sie einst verkaufte, dürfe sie nicht mehr vertreiben, da sie nicht in den Bereich der Bedürftigkeit falle.

Mehr zum Thema: "Sie bewerfen mich mit Flaschen": In München leben über 7000 Obdachlose – eine Begegnung mit einem, der den Mut nicht verliert

Auch die Rentnerin selbst, gibt zu, nicht die "arme Oma" zu sein, zu der sie stilisiert worden ist. "Ich bin nicht be­dürf­tig. Ich samm­le die Fla­schen, um mei­nen En­keln ein Ta­schen­geld zu ge­ben", zitiert der "Spiegel" die Frau.

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(mf)

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