Hat Russland die Brexit-Kampagne finanziert? Nun gibt es neue Vorwürfe gegen einen dubiosen Großspender

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PUTIN BANKS
Hat Russland die Brexit-Kampagne mitfinanziert? Nun gibt es neue Vorwürfe gegen Großspender Arron Banks | Getty/HuffPost
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  • Die Gerüchte um Russlands Einfluss auf das Brexit-Referendum bekommen neue Nahrung
  • Jetzt rückt der britische Geschäftsmann Arron Banks in den Fokus
  • Er hat die Ausstiegskampange mit Millionen finanziert - doch das Geld stammt möglicherweise gar nicht von ihm

Fast Neun Millionen Pfund: Die größte Spende in der Geschichte der britischen Politik ging 2016 vor dem Referendum zum EU-Austritt ausgerechnet an die Kampagne Leave.EU.

Nun sorgt der Millionenbetrag an die Pro-Brexit-Organisation für Wirbel in Großbritannien. Das Problem: Es kann nicht vollumfänglich nachvollzogen werden, woher diese Riesensumme stammt.

Nachforschungen der unabhängigen Medienplattform "Open Democracy" legen nahe, dass das Geld möglicherweise aus dubiosen Quellen stammt.

Mehr noch: Es gibt Indizien, die auf Verbindungen nach Russland hinweisen. Das wäre nach den Hackerangriffen und Werbekampagnen in den sozialen Netzwerken im US-Wahlkampf und in Frankreich ein weiterer Beleg für die massive Einmischung Moskaus in die innenpolitischen Belange westlicher Staaten.

Labour-Abgeordneter: Wegen Einflussnahme Russlands "extrem beunruhigt"

Schlüsselperson hinter den aktuellen Vorwürfen ist der britische Geschäftsmann Arron Banks - "der Mann, der den Brexit gekauft hat", wie "Open Democracy" ihn bezeichnet. Banks ist der wichtigster Spender der rechtspopulistischen Ukip-Partei (und war bis März 2017 selbst Mitglied). Banks gründete Leave.EU im Juli 2015 zusammen mit dem Bauunternehmer Richard Tice.

Der heute 51-Jährige hatte die EU-Ausstiegskampagne mit dem erwähnten Millionenbetrag in Form von Bargeld, Löhnen und Dienstleistungen maßgeblich finanziert.

Zwar ist sein tatsächlicher Einfluss beim Erfolg der EU-Gegner fast unmöglich zu bestimmen. Dennoch bestehen aus Sicht des Labour-Abgeordneten Ben Bradshaw "reale Fragen" zur "Rolle von dunklen Geldern bei der Kampagne zum EU-Referendum". Das erklärte er am Donnerstag in einer Rede im britischen Parlament.

Bradshaw berichtete anschließend der "New York Times", er sei "extrem beunruhigt, dass es eine russische Einflussnahme auf unser Referendum in gleicher Weise wie bei der US-Präsidentschaftswahl gab".

Wo kommt das Geld her?

Im Kern geht es dabei um folgende Vorwürfe:

Banks gibt vor, ein Vermögen von 100 Millionen Pfund zu besitzen. Laut "The Times" soll der 51-Jährige sogar 250 Millionen Pfund schwer sein. Allerdings fand "Open Democracy" heraus, dass die Angaben deutlich übertrieben sind.

Nach Berechnungen der Autoren belief sich Banks politische Unterstützung in den vergangenen Jahren auf insgesamt fast zehn Millionen Pfund (darunter auch Spenden an Ukip), was fast der Hälfte seiner Einnahmen entspräche. "Das scheint erstaunlich großzügig", munkelt "Open Democracy".

Dort fragt man sich folglich, woher das Geld kommt. Klar ist: Viele Schlüsselfiguren bei Leave.EU waren auch Teil von Banks Firmengeflecht. Und: Ein Großteil von Banks Vermögen ist in Steueroasen geparkt, unter anderem in Belize, Gibraltar, auf der Isle of Man und den Britischen Jungferninseln. Auch das macht es schwierig, die Finanzwege nachzuvollziehen.

Laut Bradshaw soll die "illegale" Brexit-Spende über die radikale nordirische Democratic Unionist Party gelaufen sein. So bleibt die Person hinter einer 435.000-Pfund-Spende "ein Mysterium", wie "The Guardian" berichtet. "Es ist unklar wer - oder was - hinter diesen Mitteln steckt."

Banks ist zudem seit 2001 mit Ekaterina Paderina verheiratet. Laut "Sunday Times" verdächtigen britische Geheimdienstler der Sondereinheit Special Branch Paderina bereits seit Jahren, für den Kreml spioniert zu haben. Dazu hatten die Ermittler damals auch den Ex-Mann der heute 44-Jährigen befragt.

Um die Herkunft der Millionenspenden nachzuvollziehen, hat Labour-Politiker Bradshaw nun das Parlament und die Wahlkommission aufgefordert, die Vorwürfe "sehr sorgsam" zu prüfen.

Auch angesichts der Einflussversuche des Kremls in anderen Staaten, sollten die britischen Behörden "dem Land versichern, dass alle Mittel, die im Referendum ausgegeben wurden, aus zulässigen Quellen stammen", erklärte Bradshaw.

"The Bad Boys of Brexit"

In Großbritannien kursieren bereits seit Monaten Gerüchte um eine russische Einflussnahme auf die Brexit-Kampagne. Zum Teil trug dazu auch Banks selbst bei.

So berichtet er seinem Buch zum Referendum, "The Bad Boys of Brexit" ("Die bösen Jungs des Brexits"), über ein gemeinsames Mittagessen mit dem russischen Botschafter Alexander Jakowenko im November 2015 - in dessen Londoner Wohnung.

Bisher hat Banks die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Auch die neusten Berichte wies er als "nonsense" und "Fake-News" zurück.

Eine Reaktion, die man so auch von US-Präsident Donald Trump kennt. Auch er steht im Fokus der Ermitttler. Und nach wie vor ermittelt das FBI gegen dessen Familie, um mögliche direkte Kontakte nach Moskau aufzudecken.

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(lp)

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