Maischberger will mit einem Flüchtling über Zuwanderung diskutieren – aber lässt ihn kaum zu Wort kommen

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SYRER
Maischberger will mit einem Flüchtling über Zuwanderung diskutieren – und lässt ihn dann nicht zu Wort kommen | ARD
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  • Bei Sandra Maischbergers Talkrunde zum Einwanderungsgesetz sollte auch ein Flüchtling mitdiskutieren
  • Das Problem: Sie ließ den Syrer kaum zu Wort kommen

Die in Berlin angestrebte Jamaika-Koalition kann sich schon jetzt ein großes Verdienst auf die schwarz-gelb-grüne Fahne schreiben: Mit Beginn der Sondierungsgespräche diskutiert Deutschland endlich ernsthaft über ein längst überfälliges Einwanderungsgesetz.

Auch im ARD-Talk von Sandra Maischberger sollte es am Mittwoch um die Frage gehen, wie eine gesetzliche Regelung zur besseren Steuerung von Zuwanderung und Integration aussehen könnte.

Die “Maischberger”-Redaktion entschied sich dazu, einen Zugewanderten in die Talkrunde einzuladen. Eine gute Idee: Denn wer könnte besser über die Integrationsmöglichkeiten und -schwierigkeiten berichten, als jemand, der den schwierigen Weg in ein fremdes Landes gewagt hatte.

Das Problem: Der 32-jährige syrische Flüchtling Alan Ezzat war bei Maischberger dann aber die meiste Zeit nur ein Studio-Requisit. Er kam kaum zu Wort.

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Der Syrer gibt der theoretischen Diskussion ein Gesicht

Erst als sich besonders CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach schon minutenlang über vermeintliche Irrwege der Zuwanderung und Integration ausgelassen hatte, durfte auch der Syrer einmal seine Position schildern.

Und das tat der Runde gut. Denn die Geschichte des Syrers gab der bis dato theoretischen Streitfrage ein menschliches Gesicht. Ezzat berichtete, sein Sohn sei 3 Monate alt gewesen, als er vor zwei Jahren aus Syrien geflohen sei. Das Kleinkind und seine Frau seien in dem Land zurückgeblieben.

“Ich habe ihn seit zwei Jahren nicht gesehen – nur bei Skype”, schilderte der Sozialpädagoge. Er hofft deshalb auf den baldigen Familiennachzug.

"Mein Sohn wächst ohne seinen Vater auf"

“Die Grenze zwischen Syrien und der Türkei war sehr gefährlich zu dieser Zeit”, begründete der Syrer die Entscheidung, seine Familie nicht mit auf den lebensbedrohlichen Weg nach Deutschland mitgenommen zu haben. Sein Sohn sei sehr klein, im Winter sei es zudem bitter kalt gewesen.

Nun habe er aber nur einen subsidiären Schutz – und wisse noch immer nicht, ob seine Familie ihm nach Deutschland folgen dürfe. “Das bedeutet, dass mein Sohn ohne seinen Vater aufwächst”, sagte der Syrer.

Maischberger warf ein: “Ihr Deutsch ist fantastisch, wenn Sie das Wort ‘subsidiär’ so schnell gelernt haben.” Dann verlor die Moderatorin allerdings den Faden. Ihre wenig geistreiche Frage: “Warum sind Sie eigentlich aus Syrien geflohen? Gab es da einen akuten Anlass?”

Zukunft unklar

Geduldig berichtete der Flüchtling trotzdem über die bekannte Situation in Syrien: Die Verfolgung politisch Andersdenkender durch das Assad-Regime, den Bürgerkrieg und seine Entscheidung, der syrischen Armee den Dienst zu verweigern.

“Wenn ich zurück gehe, lande ich sofort im Gefängnis und dann weiß niemand, was passiert”, sagte Ezzat.

Es war nur ein kurzer Blick auf die Perspektive eines Geflüchteten, der nun in Deutschland arbeitet und auf eine langfristige Zukunft in der Bundesrepublik hofft, die ihm durch die jetzige Gesetzgebung vielleicht verwehrt bleibt.

Schon bald ging die Diskussion aber wieder in andere Richtungen. Maischberger nutze die Chance nicht, die Debatte um das Zuwanderungsgesetz auch einmal menschlich und individuell zu diskutieren.

Am Beispiel eines Mannes, über dessen Zukunft ein Paragraph im Gesetz bald entscheiden könnte.

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(mf)

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