Google und Facebook sollen islamfeindliche Werbung im US-Wahlkampf unterstützt haben

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Google und Facebook sollen islamfeindliche Werbung im US-Wahlkampf unterstützt haben | getty
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  • Google und Facebook sollen im US-Wahlkampf eng mit der konservativen Organisation Secure America Now zusammengearbeitet haben
  • Die NGO finanzierte islamfeindliche Werbung

Mitarbeiter von Google und Facebook haben im US-Wahlkampf geholfen, Werbespots mit hetzerischen Inhalten gegen die demokratische Kandidatin Hillary Clinton und gegen Flüchtlinge zu verbreiten. Das berichtet die US-Zeitschrift “Bloomberg Businessweek”.

Sie beruft sich dabei auf interne Berichte der Werbefirma sowie auf fünf Personen, die von den Mitarbeitern involviert wurden. Die Unternehmen seien dabei auch eine direkte Kollaborationen mit der konservativen Non-Profit-Organisation Secure America Now ein, die die Werbekampagne führte.

Wenn die Mona Lisa Nikab trägt

“Willkommen im Islamischen Staat von Frankreich”, beginnt einer der Werbeclips. Im Verlauf des Videos werden Szenen aus Paris gezeigt. Die muslimische Mondsichel prangert auf der Spitze des Eiffelturms, die Mona-Lisa trägt einen Gesichtsschleier, arabische Schriftzeichen zieren das Straßenbild.

Die Bilder sind offenbar an den Roman "Unterwerfung" des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq angelehnt. In seinem Buch spielt Houellebecq mit den Ängsten vor einer Islamisierung Frankreichs und Europas.

Noch immer ist die Anzeige auf dem Online-Portal Youtube zu sehen:

Wähler in sogenannten Swing-States, zum Beispiel Nevada und North Carolina, hätten solche "Fake-Tourismus-Videos" in den letzten Wochen des US-Wahlkampfs auf Google-Webseiten und in ihrem Facebook-Feed zu sehen, berichtet "Bloomberg Businessweek".

Umstrittene Werbeagentur steckt hinter Anzeigen

Die Herstellung der Videos finanzierte demnach die konservativen Gruppe Secure America Now. Der Inhalt stamme von der kontroversen Werbeagentur Harris Media.

Mitarbeiter von Facebook und Google hätten eng mit der Werbeagentur zusammengearbeitet und dabei geholfen, dass die Wahlspots die richtige Zielgruppe finden würden.

Facebook reagierte auf die Vorwürfe. Der Service für die Kampagne sei der gleiche gewesen, den jeder Werbetreibende erhalte.

Wendy Moe, Professorin für Marketing an der University of Maryland, erklärte gegenüber “Bloomberg”, dass politische Werbungen für die Firmen ein "heikles Thema" bei Facebook und Google seien. Sobald Google etwa für eine politische Gruppe arbeite, könnte das Unternehmen nur schwer eine andere ablehnen.

Die Werbeagentur Harris Media ist seit der Bundestagswahl auch in Deutschland bekannt. Sie hat die AfD unterstützt. Der Chef der Werbeagentur Vincent Harris führte für die Partei den Netzwahlkampf und arbeitete dabei mit Facebook zusammen.

"Nazi-Partei" und "Judenhasser"

Facebook steht immer wieder für seine Werbepolitik in der Kritik. Mitte September berichtete das US-Magazin "ProPublica", dass Facebook antisemitische Werbung bereits nach 15 Minuten freischalte.

Außerdem ordne Facebook seine Nutzer bestimmten Werbe-Kategorien zu. Darunter gebe es auch Kategorien wie "Nazi Party" oder "Jew Hater". Das Unternehmen hat die Kategorien mittlerweile entfernt.

Mehr zum Thema: Hetze in sozialen Medien: Facebook ließ gezielte Werbung an "Judenhasser" zu

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