Während FDP und Grüne zueinander finden wollen, stichelt Lindner gegen Merkel

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Während FDP und Grüne zueinander finden wollen, stichelt Lindner gegen Merkel | dpa
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  • Bei den Jamaika-Gesprächen zwischen Grünen und FDP haben beide Parteien laut eigenen Aussagen Gemeinsamkeiten entdeckt
  • Für Schlagzeilen sorgte unterdessen jedoch ein Interview von FDP-Chef Lindner

Bei Blumenkohlsuppe und Streuselkuchen haben Grüne und FDP am Donnerstag den Kurs für Jamaika ausgelotet. Drei Stunden dauerten die Gespräche.

Im Anschluss sprachen der Parteimanager der Grünen, Michael Kellner, und die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer, es sei in konzentrierter und respektvoller Atmosphäre auch schon um Inhalte gegangen. Gemeinsamkeiten hätten Liberale und Grüne etwa bei Bürgerrechten und Digitalisierung, Probleme unter anderem bei der Energiepolitik und Europa.

Zu Details der Gespräche sagten die beiden aber nichts.

Merkel habe "Autoritätsverlust" erlitten

Für Schlagzeilen sorgte unterdessen FDP-Chef Christian Lindner. Nicht nur stellte er unmittelbar vor Beginn der Sondierungsgespräche sein Buch "Schattenjahre" vor.

Sondern wieder einmal stichelte Lindner gegen die Union und vor allem gegen Kanzlerin Angela Merkel.

Die CDU-Vorsitzende habe nach der Bundestagswahl "einen deutlich spürbaren Autoritätsverlust" erlitten, sagte Lindner dem Magazin "Stern".

"Ich erwarte, dass in der CDU in den nächsten vier Jahren eine Debatte über die Nachfolge von Angela Merkel eröffnet wird." Ob die CDU-Chefin die volle Distanz von vier weiteren Jahren im Kanzleramt bleiben werde, sei "schwer zu sagen".

Auch in der CDU selbst werden Rufe lauter, nun eine Debatte über die Nachfolge von Merkel zu beginnen.

Lindner sieht eine 50:50-Chance für Jamaika

Ob die Union, FDP und Grüne zu einer Koalition zusammenfinden, sei "völlig offen", sagte Lindner. Die Chancen beziffere der FDP-Chef auf 50:50, berichtet die Tageszeitung "Welt".

Vor den Gesprächen zwischen den Grünen und den Liberalen war Respekt eines der großen Themen der Beteiligten. FDP-Vize Wolfgang Kubicki sagte, jetzt gehe es darum, die Stimmung aufzuhellen. "Denn gerade zwischen Grünen und uns war es ja in der Vergangenheit nicht besonders herzlich."

Beide Parteien hatten sich zuletzt hart attackiert. "Ich glaube nicht, dass es jetzt um Verletzungen geht", sagte auch Grünen-Chef Cem Özdemir dazu.

Kubicki trinkt Weißwein, Göring-Eckardt nicht

In den sozialen Netzwerken gaben sich die Beteiligten am Donnerstag jedenfalls locker. Der Bundesgeschäftsführer der FDP, Marco Buschmann, twitterte ein Foto eines gefüllten Weinglases und schrieb dazu: "Ohoh! Der Wolfgang greift schon zum Weißwein." Gemeint war wohl Kubicki.

Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt fand die Zeit, darauf zu antworten. Sie fotografierte ein Bild ihres Wasserglases: "Also, an mir liegt's diesmal nicht!"

"Politiker sollten Ziele vorgeben, aber nicht den Weg"

Am Freitag sollen die Jamaika-Gespräche in großer Runde beginnen. Kommende Woche wollen sich die Parteien am Dienstagabend nach der ersten Sitzung des neuen Bundestags treffen, wie aus Verhandlungskreisen bekannt wurde.

Am Donnerstag kommender Woche und am Montag darauf sind demnach ganztägige Gespräche geplant.

Gerade zwischen FDP und Grünen sind die Gräben, die es für Jamaika zu überwinden gilt, immens. In der Klimapolitik etwa sind die Grünen für einen konkreten Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor oder für ein festes Ende von Kohlekraftwerken. Die FDP hält nichts von solchen Verboten.

"Politiker in Parlamenten sollten Ziele vorgeben, aber der Weg dorthin möge Ingenieuren, Technikern und Naturwissenschaftlern vorbehalten sein", zitiert etwa die "Welt" aus Lindner neuem Buch.

Darin empfehle er auch: Je widersprüchlicher die Wahlprogramme, desto konkreter müssten die Ziele der Koalitionspartner vor Beginn der Regierungszeit sein.

Mehr zum Thema: "Merkels Ende ist eingeleitet": Die Niedersachsen-Wahl erschüttert die Union

Mit Material der dpa.

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