Tillichs Scheitern in Sachsen erhöht den Druck auf Merkel – für Jamaika ist das eine gute Nachricht

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Tillichs Scheitern in Sachsen erhöht den Druck auf Merkel – für Jamaika ist das eine gute Nachricht | dpa
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  • Der sächsische Ministerpräsident hat Konsequenzen aus dem schwachen CDU-Abschneiden bei der Wahl gezogen
  • Tillich ist zurückgetreten, in der einst so stabilen CDU scheint es an allen Enden zu bröckeln
  • Der Druck auf die Kanzlerin wächst – vielleicht beflügelt das die Sondierungsgespräche
In Sachsen hat die Bundestagswahl rund drei Wochen später ein unerwartetes Nachbeben verursacht. Der CDU-Ministerpräsident Stanislav Tillich ist zurückgetreten.

Tillich war nach dem desaströsen Abschneiden der CDU bei der Bundestagswahl in die Kritik geraten. In Sachsen zog sogar die rechte AfD an den Konservativen vorbei – und Tillich jetzt Konsequenzen.

Die Nachricht platzt mitten in die beginnenden Sondierungsgespräche in Berlin. Tillichs Rücktritt wirft erneut ein Schlaglicht auf das schwache Abschneiden der CDU. Auf das steigende Misstrauen, das die Wähler den Konservativen schon im September signalisiert hatten.

Das tut weh – und könnte für die Partei doch heilsame Kräfte entfalten.

Die Parteiführung hatte die massiven Stimmverluste bei der Bundestagswahl im Konrad-Adenauer-Haus mit einem müden Achselzucken abgetan. Wohl auch, um vor den beginnenden Koalitionsgesprächen nicht den Eindruck zu erwecken, die Union befinde sich im Panik-Modus.

Tillichs Bilanz ist schlecht...

Nach der Wahlniederlage in Niedersachsen ist von der Selbstzufriedenheit der müden CDU-Wahlparty nicht mehr viel übrig.

Die Kritik an Kanzlerin Merkel wird lauter, die Kritik an Tillich wurde dem offenbar zu viel. Sachsens Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hatte seinem Amtsnachfolger zuletzt gar vorgeworfen, dem fehle die "Vorbildung“ für den Job.

Und ja: Tillich muss in Sachsen auf eine desolate Bilanz zurückblicken, die sich nicht nur im Ergebnis der AfD bei der Bundestagswahl niederschlägt. Die stramme rechte Linie seiner Partei, die zuletzt sogar im verbalen Losprügeln auf "Gutmenschen“ mündete, war krachend gescheitert.

Sachsen fehlen die Fachkräfte genau wie ein funktionierendes Breitbandnetz – wirtschaftlichen Aufschwung gibt es fast nur in den "Leuchtturmregionen“.

... sein Rücktritt umso besser

Dennoch: Mit seinem Rücktritt könnte Tillich – so er sich aus freien Stücken für den Abritt entschied – doch noch ein politischer Coup gelungen sein.

Der Sachse erhöht den Druck auf das Sondierungsteam der CDU, bei den Gesprächen mit FDP und Grünen Ergebnisse zu erzielen. Auf die Zerfallserscheinungen bei der Union, die Tillichs Rücktritt ungeschönt deutlich macht, kann die Parteispitze nur eine Antwort geben: Eine solide und rasche Regierungsbildung.

Die Union geht angeschlagen in die schwierigen Gespräche. Sie muss daraus die richtigen Schlüsse ziehen, positive Visionen entwickeln, statt neue rechte Profilneurosen. Das kann klappen.

Denn auch Merkel weiß: Nichts würde das angeknackste Vertrauen der Menschen in die CDU jetzt noch weiter zerstören, als eine Jamaika-Hängepartie.

Tillichs Scheitern in Sachsen verstärkt den Eindruck: Die Union im Bund kann sich ein solches nicht mehr leisten.

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