Air-Berlin-Pilot dreht Extrarunde über Düsseldorf - die Passagiere finden das "völlig daneben"

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  • Der letzte Langstreckenflug der insolventen Airline Air-Berlin sorgte für Aufsehen
  • Die Passagiermaschine aus Miami war am Montag kurz vor der Landung durchgestartet, um noch eine letzte Ehrenrunde zu drehen
  • Viele Passagiere waren nicht erfreut über das Manöver
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben

Der letzte Langstreckenflug der insolventen Airline Air-Berlin sorgte für Aufsehen: Die Passagiermaschine aus Miami war am Montag kurz vor der Landung durchgestartet und nach links über den Düsseldorfer Airport abgedreht. Nach einer Runde brachte der Pilot Flug AB 7001 sicher auf den Boden.

"Wir wollten ein Zeichen setzen, einen würdigen und emotionalen Abschluss", sagte der Pilot in der ZDF-Polit-Sendung "Frontal21". Nach dieser "Ehrenrunde" seien Kapitän und Cockpit-Crew suspendiert worden.

Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) erklärte gegenüber "Focus Online", Air Berlin müsse nun eine Stellungnahme zu dem Manöver der A330 abgeben, da "es von den üblichen Durchstartmanövern abweicht".

Daniel Flohr, Sprecher der Industriegewerkschaft Luftverkehr und selbst Flugbegleiter sagte zu "Focus Online": "Grundsätzlich handelt es sich beim Durchstart-Manöver im Landeanflug um ein Standardverfahren. Für einige Passagiere ist das vielleicht ungewohnt, für die Crew aber völlig unaufregend. Ein Manöver außerhalb der Standardverfahren sehe ich allerdings kritisch. Im durchgetakteten Luftverkehr birgt das ein Risiko, da es jedem Training widerspricht."

"Mir hat sich der Magen umgedreht"

Laut Air Berlin seien an Bord 223 Passagiere gewesen. Die meisten Augenzeugen fanden das Manöver des Piloten offenbar "völlig daneben": "Ich fühlte mich an den 11. September und den Fall Lubitz erinnert", sagte eine Frau, die während des Vorfalls in der Airport City arbeitete zur "Bild"-Zeitung.

Ein männlicher Passagier berichtete der Zeitung: "Mir hat sich der Magen umgedreht (…) Das hat sich nicht gut angefühlt, ein bisschen wie auf einer Achterbahn – aber unsicherer."

Andere Fluggästen wiederum lobten laut des Berichts das Manöver als "bei so einem bewegenden Anlass angemessen". Zumindest seien die Passagiere im Voraus informiert worden.

Der Sprecher der Pilotengewerkschaft Cockpit, Markus Wahl, erklärte gegenüber der "Bild": "Ich habe noch nie gehört, dass ein Pilot durchstartet, um sich zu verabschieden. Das ist auf jeden Fall ungewöhnlich."

"Wir nehmen den Vorfall sehr ernst"

Auf Anfrage von "Focus Online" bestätigte Air Berlin, dass der Pilot vorübergehend suspendiert wurde: "Es war ein Durchstartmanöver. In der Luftfahrt gilt: Safety first. Wir nehmen den Vorfall daher sehr ernst. Die Piloten sind derzeit nicht im Flugdienst. Insbesondere Aussagen von Passagieren und zahlreiche YouTube-Videos führen zu Fragen und Spekulationen, die von den Piloten und den Tower-Mitarbeitern in den laufenden Untersuchungen beantwortet werden müssen. Wir untersuchen den Vorfall in Zusammenarbeit mit den Behörden."

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