Europol: Seit Schließung der Balkan-Route zeigt sich ein neuer Trend bei Schleuser-Fahrten

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FRONTEX
Mitarbeiter der Grenzschutz-Agentur Frontex in der Ägäis (Archivbild) | GETTY
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  • Schlepperbanden sollen Flüchtlinge häufiger per Segelyacht oder Jetski nach Italien bringen, berichtet Europol
  • Seit Schließung der Balkan-Route habe die EU-Behörde diesen Trend festgestellt

Im August hatte ein Artikel der rechten Webseite "Breitbart" für Aufsehen gesorgt: Die Hetzseite berichtete von einer Schleuserbande, die Flüchtlinge per Jetski nach Spanien bringt. Zu sehen auf dem Artikelbild war dann allerdings der deutsche Fußball-Star Lukas Podolski.

Nun teilt auch EU-Behörde Europol mit: Schleuser transportierten immer häufiger reiche Flüchtlinge aus Afghanistan, Iran, Irak, Pakistan oder Syrien per Segelyachten von der Türkei nach Italien. Das berichtet die Online-Zeitung "EUobserver".

"Wir haben es mit transnational organisierten, kriminellen Gruppen zu tun, die sich in der Türkei eingerichtet haben", zitiert "EUobserver" Europol. Laut des Berichts würden die Migranten bis zu 6000 Euro pro Person für eine Überfahrt bezahlen.

Der Trend zeige sich seit Schließung der Balkanroute 2016. Über 160 Schleuserfahrten dieser Art habe Europol bisher festgestellt.

"So viele haben wir seit Jahren nicht mehr gesehen"

Die "Welt" berichtet, dass ähnliche Fahrten auch per Schnellboot oder Jetski von der Türkei oder Tunesien nach Europa stattfinden würden. Die Grenzschutzagentur Frontex beklage, dass griechische Behörden zu wenig gegen diese Art der Schlepper-Überfahrten unternehmen würden.

Seit Italien einen Deal mit der libyschen Regierung geschlossen hat, sinken die Flüchtlingszahlen aus diesem Land. Die Zahl der Menschen aus Tunesien, Algerien und Marokko dagegen steige, berichtet die "Welt". Mehr als 1400 Menschen seien allein im September aus Tunesien nach Italien und Spanien gekommen.

"So viele haben wir seit Jahren nicht mehr gesehen", zitiert die "Welt" den italienischen Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo.

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Insgesamt gehen die Flüchtlingszahlen jedoch zurück

Seit die italienische Marine allerdings die libysche Küstenwache unterstützt, ist die Zahl der Migranten, die Italien erreichen, insgesamt stark zurückgegangen. Waren es im Mai und Juni noch über 20.000 Menschen, sank die Zahl im August auf rund 3900 und im September auf rund 4300.

Bisher kamen in Italien in diesem Jahr etwas mehr als 107.000 Migranten an, was im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von rund 25 Prozent ist. Davon kommen immer noch die allermeisten Flüchtlinge über Libyen und nur ein Bruchteil über Tunesien und Algerien.

Mit Material der dpa.

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