Donald Trump versucht, von seinem Versagen abzulenken – und beleidigt dabei die Familien von gefallenen Soldaten

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Donald Trump versucht, von seinem Versagen abzulenken – und beleidigt dabei die Familien von gefallenen Soldaten | GETTY
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  • US-Präsident Donald Trump wirft seinen Vorgängern mangelnde Anteilnahme am Tod von Soldaten vor
  • Dabei hat er selbst nicht viel Respekt für Soldatenfamilien übrig
  • Zuletzt soll er die Witwe eines gefallenen Soldaten am Telefon beleidigt haben

US-Präsident Donald Trump hat wieder einmal einen Fehler an seinen Vorgängern entdeckt. Zumindest vermeintlich.

Trump behauptete, seine Vorgänger hätten den Familien von gefallenen Soldaten keine Anteilnahme gezeigt. "Mir wurde gesagt, dass Präsident Obama und andere Präsidenten vor mir sich nicht bei Hinterbliebenen gemeldet haben”, sagte er am Montag in einer Pressekonferenz.

Trumps Behauptungen sorgen in den USA nun für Wirbel. Denn sie waren schlicht falsch.

"Dieser Mann ist ein seelenloser Feigling, der nur dadurch groß zu werden glaubt, dass er andere schlecht macht", wütete der Profi-Basketball-Coach Gregg Popovich im Gespräch mit der US-Zeitschrift "The Nation".

Es scheint, als handle es sich bei den Behauptungen Donald Trumps um einen kläglichen Versuch, von seinem eigenen Versäumnissen abzulenken. Vor zwei Wochen starben vier US-Soldaten in Niger - und Trump äußerte sich dazu zunächst nicht.

Trump politisiert den Tod des Sohnes eines Kollegen

Am Montag geriet Trump bei der Pressekonferenz deswegen in Bedrängnis. Ein Journalist fragte, weshalb er bisher nichts zum Tod der vier Soldaten gesagt hatte.

In einem Interview mit dem US-Nachrichtensender Fox News hielt Trump am Dienstag fest, er habe die Familien von jedem einzelnen Soldaten, der während seiner Amtszeit getötet wurde, angerufen.

"Ich vermute, meine Herangehensweise ist einfach anders als die von Barack Obama", fügte er hinzu. "Sie können ja mal meinen Stabchef General Kelly fragen, ob Barack Obama ihn angerufen hat, als sein Sohn ums Leben kam."

Ob ein solches Telefonat stattgefunden hat, lässt sich nach Aussagen von Obamas Sprecher nach so langer Zeit nicht mehr sagen – Kellys Sohn starb 2010 in Afghanistan. Für einen Kontakt zwischen Obama und Kelly spricht jedoch: Kelly nahm 2011 an einem Abendessen im Weißen Haus teil, zu dem nur Familien von gefallenen Soldaten geladen waren.

So oder so: Trump hat den Tod des Sohnes seines Stabchefs benutzt - um sich selbst in einem besseren Licht darzustellen.

"Hören Sie auf zu lügen"

Auch Trumps Behauptung, seine Vorgänger hätten die Angehörigen von Gefallenen nicht angerufen, wurde schnell widerlegt. Frühere Regierungsbeauftragte widersprachen Trump, berichtet die "Washington Post".

"Barack Obama war während seiner gesamten Amtszeit darum bemüht, verwundeten Soldaten, wie auch den Familien von gefallenen Soldaten Respekt zu zollen", hielt ein Sprecher des ehemaligen Präsidenten fest.

Obama habe nicht nur zum Hörer gegriffen, sondern auch Briefe verfasst, und wenn es möglich war Militärkrankenhäuser besucht.

Das bestätigte auch Ex-Justizminister Eric Holder in einem Tweet. An Trump gerichtet twitterte Holder: “Hören Sie auf zu lügen – Sie sind Präsident. Ich habe den Stützpunkt in Dover gemeinsam mit (Präsident Obama) besucht und habe gesehen, wie er die Eltern von gefallenen Soldaten getröstet hat.”

"Er wusste, worauf er sich eingelassen hat"

Wie die “New York Post” berichtet, sind Anrufe des US-Präsidenten jedoch nicht unbedingt tröstlich für die Hinterbliebenen - zumindest, wenn Trump am anderen Ende der Leitung ist.

"Er wusste, worauf er sich eingelassen hat", soll Trump der Witwe eines der im Niger gefallenen Soldaten gesagt haben.

Dass sich Donald Trumps Respekt für Soldaten und deren Angehörige in Grenzen hält, offenbarte sich bereits im Wahlkampf, als er die Eltern des gefallenen Soldaten Humayun Khan angriff, weil diese seinen Plan für einen Einreiseverbot von Muslimen kritisiert hatten.

Trumps Äußerungen belegen: Wen der US-Präsident als seinen Gegner ansieht, wird scharf attackiert - auch wenn der Anstand es eigentlich verbieten sollte.

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(ll)

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