In China haben sich die Machtverhältnisse dramatisch verändert - jeder sollte die Folgen kennen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
F
In China haben sich die Machtverhältnisse dramatisch verändert - jeder sollte die Folge kennen | Getty
Drucken
  • Am Mittwoch hat der chinesische Staatschef Xi Jinping eine Grundsatzrede vor seiner Partei gehalten
  • Darin beschrieb er seine Vision der Weltmacht China
  • Viel dessen, was Xi sich vorstellt, hat der Parteichef bereits erreicht

Xi Jinping hat einen Traum. Es ist der “chinesische Traum”. Der Traum von der Wiedergeburt Chinas als Weltmacht.

Seit fünf Jahren ist Xi Partei- und Staatschef - und wahrscheinlich war China seinem Traum nie näher als jetzt. Das britische Wirtschaftsmagazin “The Economist” nannte Xi kürzlich erst den “mächtigsten Mann der Welt”.

Am Mittwoch begann der Kongress der kommunistischen Partei Chinas. Über dreieinhalb Stunden breitete Xi vor tausenden Delegierten dort seine Vision von China als Global Player aus.

Die Partei jubelte, unweit vor den Toren der Großen Halle zündete sich ein Mann an - angeblich aus Protest.

Xi hat nach innen seine Macht gesichert - und international die Chancen genutzt, die sich der Volksrepublik boten. Seit 2012 haben sich so die Machtverhältnisse dramatisch verschoben.

Wirtschaftlich stark und autokratisch

Xi galt seit Amtsantritt vor allem als wirtschaftlicher Reformer. Doch er setzte andere Schwerpunkte. Pragmatismus und Wirtschaftsreformen spielen nicht mehr so eine große Rolle, dafür Linientreue, Staatswirtschaft und die Vorherrschaft der Kommunistischen Partei.

Der Machthaber sehe sich selbst als dritte großer Reformer Chinas, berichtet "The Economist". Mao Tsetung einte einst das Land und baute die kommunistische Herrschaft auf. Seinen Säuberungen fielen in den 1950er und 1960er Jahren schätzungsweise 30 Millionen Menschen zum Opfer.

Nach Mao übernahm Deng Xiaoping die Führung in China. Er leitete eine radikale wirtschaftliche Wende ein und versuchte, das Land zu öffnen. Er strebte an, Partei und Regierung voneinander zu trennen.

Xi bricht mit dieser Linie - und führt China zurück auf einen autokratischen Kurs, sagen Beobachter. Der 64-Jährige hat das bisherige "kollektive Führungsmodell" mit verschiedenen Fraktionen und Interessengruppen beseitigt und besetzt immer mehr wichtige Positionen mit seinen Gefolgsleuten.

Seine Macht setzt er nur zu einem Ziel ein: den chinesischen Traum zu verwirklichen. China zur Weltmacht zu führen.

Die Folgen zeigen sich schon jetzt.

China beginnt, die USA zu überflügeln

Noch sind die USA die größte Volkswirtschaft der Welt. Aber in einigen Bereichen hat China dem großen Konkurrenten bereits den Rang abgelaufen.

Im Vergleich der Bruttosozialprodukte liegen die USA noch mit Abstand auf Platz Eins. Rechne man allerdings heraus, dass Waren in den USA um einiges teurer sind als vergleichbare Waren in China, sei die Volksrepublik bereits die Nummer Eins, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Noch interessanter ist die weltweite Wahrnehmung des Landes. Laut einer Umfrage des US-Instituts Pew Research Centers, die Bloomberg zitiert, nehmen immer mehr Menschen China als führende Wirtschaftsmacht wahr.

In Deutschland sagten so 2016 30 Prozent der Befragten, China habe die stärkste Wirtschaft der Welt. Ein Jahr später sind es schon 41 Prozent. Im Vergleich nahm die Reputation der USA ab: Waren 2016 noch 34 Prozent der Befragten der Meinung, die USA seien die stärkste Wirtschaftskraft, waren es 2017 nur noch 24 Prozent.

Die neue Seitenstraße

Längst drängt Chinas wirtschaftliche Potenz über die Ränder des Landes hinaus. 2013 startete Xi ein ehrgeiziges Projekt. Es trägt den Namen “Neue Seidenstraße” oder auf Englisch “One Belt, One Road”.

Das US-Magazin “The Atlantic” vergleicht die Initiative mit dem US-amerikanischen Marschallplan, dem großen Aufbauprogramm der USA für Europa nach dem zweiten Weltkrieg. 300 Milliarden Dollar soll China bereits in sein Projekt investiert haben.

Gefördert wird damit ein interkontinentales Infrastrukturnetz, das von Russland bis zu den Philippinen, von Ägypten bis nach Deutschland reicht. China investiert - und verwandelt die Region, den Kontinent und die Welt.

In Deutschland zeigen sich die Folgen von Chinas Bemühungen konkret in Zahlen. Chinas Unternehmen kaufen sich in der Bundesrepublik mittlerweile viel ihres Know-Hows. 2016 gaben chinesische Unternehmen in Deutschland eine absolute Rekordsumme für Firmenübernahmen aus.

Die Welt blickt nach Osten

Auch diplomatisch deutet sich eine Zeitenwende an, seit Donald Trump im Weißen Haus sitzt. In einigen Fällen haben sich die Machtverhältnisse bereits zugunsten von China verschoben.

Während sich die USA aus internationalen Abkommen wie dem Freihandelsdeal NAFTA zurückziehen wollen und im Fall des Transpazifischen Partnerschaft im asiatischen Raum bereits getan haben, baut China unter Xi seine internationalen Netzwerke aus.

"Während die USA Verbindungen einreißen, baut China, das in der internationalen Diplomatie bisher eher zögerlich war, in halsbrecherischer Geschwindigkeit auf“, sagte Alex Wang, Professor für Umweltrecht an der Universität California Los Angeles zuletzt dem US-Magazin "Vox“.

Mit Trump bietet sich China eine einmalige Chance - und Xi ist fleißig dabei, sie zu ergreifen. Als der US-Präsident im Sommer auch noch ankündigte, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, rückte die internationale Gemeinschaft gefühlt ein Stück nach Osten.

Die Rolle des Klimaschutzvorreiter könnte nun die Volksrepublik übernehmen. Die größte Investor in erneuerbare Energien ist China bereits, der größte Klimasünder allerdings auch weiterhin.

Ein Militär von "Weltklasse"

Vor goldenem Hammer und Sichel neben roten Fahnen in der Großen Halle des Volkes präsentierte Xi Jinping am Mittwoch auch seine Vision für Chinas Militär. Eine Armee von “Weltklasse” wolle er schaffen, sagte Xi.

Sicherheitspolitisch sind die USA auch in Asien noch immer die bestimmende Macht. Südkorea und Japan zählen zu den Verbündeten der Amerikaner. Sollte Peking Washington allerdings irgendwann den Rang ablaufen, würde das diplomatische Spiel sich gehörig wandeln.

Noch aber sind die USA Welt- und China lediglich Großmacht. Xi will das umkehren, wie er mit seiner Rede am Mittwoch einmal mehr unterstrich.

Die Auswirkungen der ersten tektonischen Verschiebungen sind bereits sichtbar.

Mit Material der dpa.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen