Eine Studie der OECD zeigt, wie hart der Brexit Großbritannien treffen wird - die Forscher sehen nur einen Ausweg

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GURRIA HAMMOND
Der britische Finanzminister Philip Hammond reicht dem mexikanischen OECD-Generalsekretär Angel Gurria die Hand. | dpa
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  • Die Verhandlungen zwischen der Brüssel und London über den EU-Aussteig Großbritanniens kommen nur schleppend voran
  • Nun warnt die OECD vor den Folgen des Brexits - insbesondere falls dieser nicht aufgefangen werde
  • Aus Sicht der Wirtschaftsexperten gibt es nur eine Lösung: Der Verbleib der Briten in der EU

Die Briten spüren schon jetzt die Folgen ihrer Entscheidung aus der EU auszutreten: Ob Obst und Gemüse, Milchprodukte oder Möbel - alles ist teurer geworden.

Das das nicht nur vorübergehende Symptome sind, verdeutlicht nun eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Wirtschaftsexperten aus den wohlhabendsten Industrienationen kommen in dem Papier zum Schluss: Die britische Wirtschaft würde einen "signifikanten" Boost bekommen, wenn der Brexit in einem zweiten Referendum rückgängig gemacht werden würde.

Die OECD warnt obendrein: Schließt Großbritannien bis zu seinem Austritt im März 2019 keinen Handelsvertrag mit der EU ab - wonach es derzeit eher aussieht - dann wird das Land hart getroffen.

OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría ging sogar soweit, die Schäden des Brexits mit denen der Luftschlacht der Deutschen gegen London im Zweiten Weltkrieg zu vergleichen.

Denn derzeit sagt die Organisation für die britische Wirtschaft nur eine Wachstum von einem Prozent für das kommende Jahr voraus. Die Vorhersage würde sich mit einem "ungeordneten Brexit" und ohne Deal mit der Europäischen Union noch verschlimmern.

Zweites Referendum gefordert

Die internationale Organisation betont, dass die Einwanderung zu einem großen Boom auf Großbritanniens Arbeitsmarkt gesorgt habe. Zugleich warnen die Experten vor einem vorschnellen Abbruch der Austrittsverhandlungen mit der EU. Bei dem Fall würden die Preise emporschnellen, der Pfund weiter fallen und Investitionen austrocknen.

Um ein solches Szenario zu verhindern, empfiehlt die OECD ein neues Referendum - oder ein Wechsel der Mehrheiten in der Regierung von Theresa May.

Falls Großbritannien tatsächlich in der EU bleiben würde, hätte das mittelfristig "positive" Auswirkungen auf das dortige Wirtschaftswachstum.

Verhaltene Angst vor dem "No Deal"-Brexit

London hat die Vorschläge schnell zur Seite gewischt. Die Idee einer Wiederholung des EU-Referendums stehe "absolut" nicht zur Debatte, erklärte ein Sprecher von Premierministerin May.

Ein Regierungssprecher ergänzte: "Es wird kein zweites Referendum geben. Wir arbeiten daran, britische Arbeitsplätze und die Wirtschaft zu schützen." Auch Mays Finanzminister Kanzler Philip Hammond betonte, "für die Regierung ist klar, dass wir die Europäische Union verlassen". Allerdings warnte er ebenfalls verhalten vor einem "No Deal"-Brexit.

"Wir wissen, dass wir mit einer begrenzten Übergangszeit - die einen abrupten EU-Ausstieg vermeidet - Unternehmen mehr Sicherheit bieten können. Diese Sicherheit wird Investition zugute kommen, die wiederum die Produktivitätsgewinne der Zukunft vorantreiben werden", erklärte Hammond.

"Keep Calm And Carry On"

Im Falle eines harten Brexits würde Großbritannien im Handel auf die Konditionen der Welthandelsorganisation zurückfallen. Aus Sicht der OECD würde das zahlreiche Jobs und das Wirtschaftswachstum des Landes gefährden.

OECD-Generalsekretär Gurría hatte den Bericht zusammen mit Hammond am Dienstag in London vorgestellt. Dabei betonte Gurría, "eine möglichst enge Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien" wird in der Zukunft "entscheidend sein".

Seine Organisation wünsche sich einen EU-Ausstieg "so nahtlos und sanft wie möglich". Zudem unterstrich Gurría die Vorteile, die Großbritannien aufgrund der engen Handelsbeziehungen mit der EU und der Einwanderung von EU-Bürgern genieße.

Im Zuge dessen legte er den Briten auch die Kriegsphase "Keep Calm And Carry On" nahe - um anzumerken, dass Winston Churchills Reaktion auf den Luftkrieg der Nazis ein Model für heute wäre.

Nachgefragt, ob May diesen Vergleich für angebracht hält, antwortete ihr Sprecher nur kurz: "Nein."

Der Text erschien zuerst in der HuffPost UK und wurde von Marco Fieber übersetzt und bearbeitet.

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(lp)

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