Ein interner Brief von Linken-Fraktionschefin Wagenknecht zeigt: Der Machtkampf in ihrer Partei ist eskaliert

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  • Es brodelt in der Linken: Doch nun wird der Machtkampf zwischen Fraktions- und Parteispitze offen ausgetragen
  • Wie tief die Gräben sind, zeigt nun ein internes Schreiben von Sahra Wagenknecht
  • Darin droht die Linken-Fraktionschefin gar mit ihrem Rücktritt

Schon seit der Bundestagswahl rumort es in der Linken. Kurz vor der Klausurtagung in Potsdam am Dienstagnachmittag treten die Querelen nun zutage.

Der Machtkampf um die neue Fraktionsführung im Bundestag ist offen ausgebrochen. Denn Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hatte kurz vor dem Treffen allen 69 Linken-Bundestagsabgeordneten einen Brandbrief zukommen lassen.

Wagenknecht attackiert in dem Schreiben die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger scharf. Sie wirft ihnen "Intrigen" und einen "penetranten Kleinkrieg" vor. Beide würden versuchen, sie zu demontieren, schrieb Wagenknecht.

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und der Nachrichtenagentur dpa liegt das Dokument vor, "Tagesspiegel"-Journalist Matthias Meisner twitterte einen Ausschnitt. ‏

Schaden von der Partei abhalten

Der Hintergrund: Kipping und Riexinger hätten nie akzeptiert, dass Wagenknecht und Bartsch Fraktionschefs und Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl geworden sind.

Nun werde versucht, beide durch die Besetzung der Vizeposten und mit Anträgen zu Stimm- und Rederecht für die Parteichefs einzumauern. Kämen diese Versuche durch, werde sie "nicht mehr für den Fraktionsvorsitz zur Verfügung stehen", bemerkt Wagenknecht.

Zu den internen Grabenkämpfen schreibt sie sarkastisch, sie könne die Parteichefs beruhigen: "Sie werden sich nicht die Mühe machen müssen, mich über Monate wegzumobben."

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"Keine Kraft für interne Grabenkämpfe"

Zugleich warnte Wagenknecht: In der Partei gebe es "Konflikte, die, wenn sie weiter eskalieren, der Linken massiven Schaden zufügen können".

Sie bringe ihr Engagement und ihre Fähigkeiten gern für eine gute Oppositionspolitik und eine starke Linke ein.

"Allerdings sehe ich keinen Sinn darin, meine Kraft und meine Gesundheit in permanenten internen Grabenkämpfen mit zwei Parteivorsitzenden zu verschleißen, die offenkundig nicht zu einer fairen Zusammenarbeit bereit sind", erklärt Wagenknecht.

Den beiden Parteichefs wirft sie zudem eine zu große Nähe zur SPD vor.

Der Parteivorstand hatte laut Parteikreisen in einer Telefonkonferenz am Morgen beschlossen, dass die Parteichefs wie vorgesehen Wagenknecht und Bartsch erneut als Fraktionschefs vorschlagen.

Aber durch Wagenknechts Brief sei eine neue Lage entstanden, hieß es später.

(Mit Material der dpa)

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