Medienminister Robra will das ARD-Programm umbauen - es könnte das Aus der "Tagesschau" sein

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  • Der Landesminister für Medien in Sachsen-Anhalt spricht sich für einen Umbau des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aus
  • Das Erste ist in seiner jetzigen Form überflüssig und sollte seiner Meinung nach abgeschafft werden
  • Die ARD widerspricht in einer Stellungnahme dieser Forderung, verweist aber auf den eingeleiteten Reformprozess

Sachsen-Anhalt will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk radikal umbauen. So will der Landesminister für Medien, Rainer Robra (CDU), den Sender Das Erste in seiner jetzigen Form abschaffen, berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung”.

“Die ARD ist die Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten der Länder", sagt Robra. Diese Tatsache sei in den vergangenen Jahrzehnte aus dem Blick geraten. Die Landesrundfunkanstalten sollen deshalb wieder einen größeren Wert auf eine regionale Berichterstattung legen, die ARD “ein Schaufenster der Regionen” werden.

Wenn man mehr Platz für die “informativen Angebote” der deutschen Länder schafft, profitiere davon die gesamte Bundesrepublik.

Wer das ZDF hat, braucht keine ARD-"Tagesschau"

Für Formate mit bundespolitischen Anspruch ist laut Robra das ZDF ausreichend. Dazu zähle beispielsweise das Kanzlerduell. Aber auch bestimmte Hollywood-Spielfilme könnte das Zweite Deutsche Fernsehen zeigen.

Würden seine Pläne umgesetzt, würde auch die “Tagesschau” eingestellt werden. Für den Landesminister ist die meistgesehene Nachrichtensendung “in dieser Form überflüssig”.

"Die Tagesschau ist ein Garant für den freien Diskurs"

Die ARD hat inzwischen eine Stellungnahme zu Robras Forderungen veröffentlicht, in der sie die Bedeutung des Senders hervorhebt.

Darin entgegnet die ARD-Vorsitzende Karola Wille: "Die Tagesschau als erfolgreichste und unabhängige deutsche Nachrichtensendung sowie Das Erste insgesamt sind ein Garant für den aus den Regionen gespeisten freien bundesweiten Diskurs in unserem föderalen Land."

Die ARD sei aufgrund der multimedialen und föderalen Struktur in der Lage, die Menschen in ganz Deutschland über alle sozialen und kulturellen Unterschiede hinweg zu verbinden und so einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs herzustellen.

"Dazu gehört auch, dass die ARD immer wieder dafür sorgen muss, allen Regionen auch auf nationaler Ebene eine publizistische Stimme zu geben und damit ein kulturelles Miteinander zu ermöglichen", fügt sie hinzu.

Die ARD befindet sich in einem Reformprozess

Ein Umbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks scheint aber schon in Gang zu sein. Die ARD habe einen tiefgreifenden Reformprozess eingeleitet, um in Zeiten der Polarisierung die Vielfalt zu erhalten:

"Aus der 1950 gegründeten Arbeitsgemeinschaft soll ein inhaltlich crossmedialer, strukturell integrierter föderaler Medienverbund werden, der auch zu Kostenersparnissen führt."

Es gehe darum, den Beitrag der Öffentlich-Rechtlichen für den demokratischen Zusammenhalt für die Zukunft zu sichern.

“Die Aufgabe eines Fernseh-Jounalisten ist es, Fernsehen zu machen"

Doch der Landesminister will nicht nur das Erste abschaffen. Seiner Meinung nach muss sich auch das Internetangebot der Sender deutlich verändern. Presseähnliche Artikel sollen komplett verboten werden: “Die Aufgabe eines Fernseh-Jounalisten ist es, Fernsehen zu machen - nicht Texte.”

Darauf drängen schon seit längerem private Zeitungsverleger. Aus ihrer Sicht findet unter diesen Bedingungen kein fairer Wettbewerb statt.

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(Mit Material der dpa, ots)

(cho)

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