Soll es einen islamischen Feiertag geben? Das sagen die Deutschen dazu

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Soll es einen islamischen Feiertag geben? Das sagen die Deutschen dazu | Michaela Rehle / Reuters
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  • Die Mehrheit der Deutschen hält nichts von einem islamischen Feiertag
  • Eine Umfrage zeigt, dass selbst Grünen-Wähler sich das nicht vorstellen können

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat kürzlich laut darüber nachgedacht, dass es in Deutschland auch einen muslimischen Feiertag geben könnte. Eine große Mehrheit der Deutschen hält davon nichts, wie nun eine Umfrage zeigt.

Wie das Insa-Institut für die "Bild"-Zeitung vom Dienstag herausfand, lehnen 70 Prozent der Befragten die Idee ab. Nur knapp acht Prozent sind für einen solchen Feiertag.

Unter den Wählern der AfD und der FDP plädieren nur rund vier Prozent für einen islamischen Feiertag. Und selbst unter den Wählern der Grünen, die in ihrem Parteiprogramm besonders deutlich für eine rechtliche Gleichstellung des Islam eintreten, möchten laut der Umfrage nur 20 Prozent einen solchen Feiertag.

Feiertage in Deutschland

In Deutschland sind Feiertage Ländersache – mit Ausnahme des Tags der Deutschen Einheit, der als einziger bundesrechtlich geregelt ist.

So kommt es, dass bestimmte Tage in manchen Bundesländern als gesetzlicher Feiertag gelten, andere nicht. Bayern hat etwa fünf Feiertage mehr als zum Beispiel Berlin.

Und nicht einmal innerhalb eines Bundeslandes müssen einheitliche Regeln gelten. "Mariä Himmelfahrt" am 15. August etwa ist in Bayern dieses Jahr in 1704 Gemeinden ein freier Tag gewesen, in 352 anderen nicht – abhängig vom Anteil der katholischen Bevölkerung in den Kommunen.

Seehofer und Bosbach kritisieren De Maizière

De Maizière war für seinen Vorstoß sofort aus der eigenen Partei kritisiert worden. CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach hatte der "Passauer Neuen Presse" gesagt: "Wir haben eine christlich-jüdische religiöse Prägung, keine islamische. Daher verstehe ich auch nicht, warum wir jetzt diese Debatte führen."

Auch CSU-Chef Horst Seehofer sagte am Montag, die Debatte sei weder in seinem Sinne noch entspreche sie der mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verabredeten Linie.

Schulz und ein Politikwissenschaftler stellen sich hinter De Maizière

SPD-Chef Martin Schulz dagegen hatte gesagt, man müsse über den Vorschlag nachdenken.

Der Politologe Ulrich Willems von der Universität Münster hielt den Vorstoß ebenfalls für sinnvoll. Zwar sei es kaum machbar, allen Religionsgemeinschaften einen Feiertag zuzugestehen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Muslime machten aber rund fünf Prozent der deutschen Bevölkerung aus.

Der auf Politik und Religion spezialisierte Professor wirbt für eine pragmatische Herangehensweise. "In Mecklenburg-Vorpommern leben kaum Muslime, da hätte das weniger Sinn", sagte er. "In Nordrhein-Westfalen sieht es aber ganz anders aus." Zudem spielten die wirtschaftlichen Folgen arbeitsfreier Tage eine Rolle.

Mit Material von dpa

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

(ll)

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