"Ich kann nur bitten": CSU-Chef Seehofer fleht seine Partei an, die Personaldebatte zu vertagen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HORST SEEHOFER
Horst Seehofer bittet seine Partei, die Personaldebatte für mindestens mehrere Wochen zu vertagen. | Thomas Trutschel via Getty Images
Drucken
  • Der bayrische Ministerpräsident möchte die Entscheidung über seine politische Zukunft vertagen
  • Erst nach den Koalitionsverhandlungen in Berlin soll die CSU über das Personal debattieren
  • Die bayrischen Minister Markus Söder und Andreas Scheuer begrüßen Seehofers Pläne

Die CSU-interne Debatte über Horst Seehofers Zukunft ist in vollem Gang - allen Appellen der Parteispitze zum Trotz. Der Parteichef bittet noch einmal um Aufschub, jedenfalls um einige Wochen.

Seehofer hat seine Partei eindringlich darum gebeten, die Debatte über seine politische Zukunft auf die Zeit nach den Jamaika-Koalitionsgesprächen in Berlin zu vertagen.

Danach würden die kurz-, mittel- und langfristigen personellen Fragen geklärt, sagte Seehofer am Montag nach Teilnehmerangaben in einer CSU-Vorstandssitzung in München.

Es müsse niemand befürchten, dass etwas auf die lange Bank geschoben werde - es gehe jetzt um acht Wochen. "Ich kann nur bitten", sagte Seehofer demnach wörtlich.

Mehr zum Thema: Ein Reporter spricht Seehofer mit "Herr Söder" an - dessen Reaktion zeigt, wie nervös der CSU-Chef ist

Die Regierungsbildung hat Priorität

Vor der Sitzung hatte Seehofer zumindest den CSU-Vorstand in die Pflicht genommen - dort werde er den Rückhalt für die Verhandlungen in Berlin "einfordern", sagte er.

"Mir ist wichtig, dass die Führung in die gleiche Richtung denkt und handelt." Die Regierungsbildung habe Priorität. "Darauf wartet ganz Deutschland. Und anschließend werden wir die Personalfragen in München besprechen müssen."

Auf die Frage, ob die vergangenen Wochen etwas an seiner Entschlossenheit geändert hätten, noch einmal als Parteivorsitzender und Ministerpräsident zu kandidieren, sagte Seehofer lediglich, man habe sich verständigt, "dass wir Personalien jetzt zurückstellen". "Und deshalb spreche ich jetzt nicht selbst über Personalien."

Die Debatte über Seehofer war nach dem CSU-Fiasko bei der Bundestagswahl und dem Absturz auf 38,8 Prozent ausgebrochen.

Zwei von zehn CSU-Bezirksvorständen forderten in den vergangenen Wochen bereits einen "geordneten Übergang", auch in der Münchner CSU gibt es viele Stimmen für einen Neuanfang.

Offiziell soll die Debatte auf dem für Mitte November geplanten Parteitag geführt werden.

"Wir werden keine Diskussion abwürgen"

Bayerns Finanzminister Markus Söder, der Seehofer gerne beerben würde, gab sich in der Vorstandssitzung nach Angaben aus Parteikreisen sehr versöhnlich, er habe Seehofer die Hand gereicht. Er sei für "geordnete Prozesse", sagte Söder nach Teilnehmerangaben.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer mahnte, die Funktions- und Mandatsträger hätten nach dem CSU-Bundestagswahlergebnis eine hohe Verantwortung.

"Jeder, der sich als wichtiger Mandatsträger und hoher Funktionär bezeichnen kann, weil er in Fraktionen, in Vorständen sitzt, der muss sich auch dieser Verantwortung klar sein", forderte er.

Der Kurs sei in den Gremien intensiv und offen besprochen worden. Man müsse jetzt die Konzentration auf die Verhandlungen in Berlin legen. "Weil, die sind entscheidend für das Jahr 2018", sagte Scheuer mit Blick auf die kommende Landtagswahl in Bayern.

Scheuer betonte aber, es gebe "keinen Maulkorb": "Wir werden keine Diskussion abwürgen oder beiseite legen oder den Deckel draufhalten."

In den Gremien werde lebhaft diskutiert - und da seien alle der Auffassung, dass man jetzt die CSU-Positionen möglichst stark vertreten müsse. "Und das geht nur, wenn wir als monolithischer Block in Berlin zusammenstehen."

Mehr zum Thema: 5 Anzeichen für den Anfang vom Ende der alten CSU - und was das für Deutschland bedeutet

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(mf)

Korrektur anregen