"Auch tote Katzen springen wieder nach oben": Die Presse kommentiert die Niedersachsen-Wahl als Wiedergeburt der SPD

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Die Presse kommentiert die Niedersachsen-Wahl als Wiedergeburt der SPD | dpa / huffpost
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  • Die Presse deutet die Niedersachsen-Wahl als Wiedergeburt der SPD
  • Die Union dagegen erhält nach dem historisch schlechten Ergebnis düstere Prognosen

Dieses Mal durfte Parteichef Martin Schulz strahlen. Musste er in den vergangenen Monaten drei Niederlagen bei Landtagswahlen und eine bei den Bundestagswahlen kommentieren, war die Aufgabe am Sonntagabend in Niedersachsen dankbarer:

Die SPD mit Ministerpräsident Stephan Weil hatte triumphiert, die Sozialdemokraten erreichen laut dem vorläufigen Endergebnis 36,9 Prozent, die CDU kommt nur auf 33,6 Prozent.

Die Presse kommentierte das Ergebnis der Wahl dann auch als Anzeichen für eine Wiedergeburt der SPD - zumindest in Teilen. Die CDU dagegen kritisierten die Kommentatoren - für ihren Wahlkampf und für die Reaktion nach der Bundestagswahl.

"Spiegel Online": Alles gut bei der SPD? Nicht ganz

“Man reibt sich verwundert die Augen”, kommentiert "Spiegel Online" den Wahlausgang. "Tatsächlich, die SPD kann noch gewinnen. Die 154 Jahre alte Partei ist also doch noch nicht verstorben."

Ist jetzt alles wieder gut? Nicht ganz, glaubt der Kommentator. "Landtagswahlen sind Landtagswahlen™, und diese Wahl in Niedersachsen war sogar noch etwas spezieller".

CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann sei zu unbekannt gewesen. Auch der Abgang der Ex-Grünen-Politikerin Elke Twesten, der die Neuwahlen erst ausgelöst hatte, und ihre schnelle Aufnahme in die CDU habe den Konservativen geschadet.

Doch auch für die Bundespolitik sei die Wahl ein kleines Zeichen: "In Niedersachsen stehen sich Union und Sozialdemokraten traditionell in herzlicher Abneigung gegenüber, sie waren im Wahlkampf deutlich unterscheidbar". Setze die SPD also ihren Oppositionskurs fort, könnte es in den Umfragen wieder nach oben gehen.

"Welt": "Die SPD gewinnt in der Mitte"

Für "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt ist SPD-Kandidat Weil zu großen Teilen verantwortlich für den SPD-Sieg. "Der zusammen mit Olaf Scholz als ein Bollwerk der Vernunft agierende Stephan Weil weist der Sozialdemokratie den Weg", kommentiert Poschardt.

Für Martin Schulz sei der Erfolg natürlich eine gute Nachricht. Das Ergebnis mache einen Putsch gegen den Parteichef schwieriger. "Einige Spitzengenossen werden darob wohl leise fluchen."

Für Poschardt zeigt die Wahlnacht von Hannover: Die SPD ist stark, wenn sie auf einen Kurs der Mitte setzt - und nicht nach links abdriftet.

"Handelsblatt": Die SPD erholt sich - zumindest kurzfristig

Auch für das "Handelsblatt" ist Stephan Weil der große Wahlsieger. "Weil ist kein Kümmerer wie die Partei ihn gerne hinstellt, dafür aber sicher ein guter Kämmerer."

Martin Schulz könne sich freuen. Für ihn gelte eine Börsenweisheit: "Dead cat bounce". Das heiße in etwa: "Wenn man eine tote Katze aus ausreichender großer Höhe fallen lässt, springt selbst sie wieder nach oben."

Die Börsen-Metapher bezeichnet eine nicht nachhaltige Erholung. Für einige Zeit zumindest habe Weil seinem Parteichef neues Leben eingehaucht - kämpfen aber werde Schulz weiterhin.

Für die Union dagegen gelte eine andere Börsenweisheit, kommentiert das "Handelsblatt": "Greife nie in ein fallendes Messer." Die taumelnden Parteichefs Angela Merkel und Horst Seehofer hätten die Niederlage in Niedersachsen mitzuverantworten.

Die Jamaika-Verhandlungen werden mit diesem Ergebnis nicht leichter - im Gegenteil. "Liefern Merkel und Seehofer nicht, drohen ihre politischen Karrieren zu Ende zu gehen", urteilt der Kommentator für das "Handelsblatt".

"Süddeutsche Zeitung": Die Ära Merkel geht zu Ende

Die "Süddeutsche Zeitung" hält die fortwährenden Streitereien zwischen CDU und CSU für eine Ursache des schwachen Abschneidens. Zwar hätten sich beide in der Flüchtlingsfrage nun geeinigt. Aber: "Dieser Schaden ist noch lange nicht überwunden."

Angela Merkel müsse die Ergebnisse bei der Bundestagswahl und bei dieser Landtagswahl als Signal verstehen: Dafür, "dass die Union sich dem Ende einer Ära nähert: Der Ära der Kanzlerin Angela Merkel".

Doch nicht nur für SPD und CDU enthalte die Niedersachsen-Wahl eine Botschaft: “Eine besondere Würze, ja ein sehr positives Moment erfährt das Ergebnis durch die Tatsache, dass die Extreme, vor allem die AfD, eher mau abschneiden.” Auch die Linke habe ein schwaches Ergebnis vorzuweisen.

Hätten die kleine Parteien bei der Bundestagswahl noch triumphiert und die politische Landschaft erweitert, zeige sich nun das umgekehrte Bild: Die Ränder seien "auf Kleinformat geschrumpft".

Das Fazit der “Süddeutschen Zeitung” fällt daher optimistisch aus: "Das ist kein schlechter Wahlausgang für den Zusammenhalt in Deutschland."

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