Ihr Leben lang hat sie Models fotografiert - jetzt geht ein Bild von ihrem eigenen Körper um die Welt

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  • Alexandra Cameron fotografiert Tag für Tag die schönsten Frauen
  • Doch durch ihren Job als Fotografin verlor sie ihr Selbstvertrauen
  • Jetzt teilte sie ein unbearbeitetes Foto von sich auf Instagram - Tausende haben es kommentiert

Die Fotografin Alexandra Cameron hat auf Instagram ein unbearbeitetes Bild von sich geteilt, für das sie jetzt Tausende bewundern. Der Grund für ihr mutiges Foto: Jahrelang hat sie wunderschöne Frauen fotografiert - doch das hat ihr eigenes Selbstvertrauen zerstört. Das will sie nun mit dem Foto ändern.

Alexandra Cameron schreibt auf Instagram, sie wollte das Bild schon seit Jahren machen: "Es hat so lange gedauert, weil ich Bedenken hatte. Ein Foto, das mein wahres, unretuschiertes ich zeigt, hat mir Angst gemacht - aber gleichzeitig gab es mir auch Kraft."

Cameron zweifelte immer mehr an sich selbst und ihrem Körper

"Wenn du als Fotograf Photoshop besitzt, hast du die Möglichkeit alles an dir zu verändern. Es ist so einfach meine Makel auszubessern - ich könnte mich sofort in die perfekte Version von mir verwandeln", schreibt die 31-Jährige auf Instagram.

Uncut. I've been wanting to take this photo for a while, years actually, the reason it's taken me so long is it terrified me, the idea of taking a photo showing the real me, the unretouched me, was an idea that filled me with dread and empowered me at the same time, equal measures of the opposing emotions. When you're a photographer you have photoshop and the skills to use it at your fingertips! And it is so easy to touch myself up! I can mould myself into the most ideal version of myself! Here's the thing, I live in a world where I am constantly photographing the most 'desired' women. I shoot them so frequently that slowly but surely, over the years, it has broken down my self confidence to 0. I compared myself and saw I came up short, so short in fact that I felt like a Hobbit next to everyone. My favourite things about people are their imperfections. I adore the story behind scars, the pattern of moles, the shape of one person being completely different to the next, yet with me? I just felt like a failure, I goblin, a nobody. Why do I want so bad to be thin? I'm not sure, it might be that the entire world celebrates thin people, attractive people and if you don't fit the ideal you're told to try and be that way, to lose weight, to have better skin, to work out. You're shamed for being fat, and more so nowadays, your shamed for not being 'healthy'. The health culture has turned into its own elitist club where you're frowned upon if you eat a burger. I don't want to be invisible or be ashamed of my size, my belly, my cellulite. I want it to be ok to be unique and be accepted, no elitism, no beauty hierarchy, no shame. So here is me. I haven't retouched my body, I haven't nipped it in or smoothed it out. I'm not posing to be flattering or stretch my body out. This is me. I hope that this makes those who also are scared of their truth to feel braver, more accepting, and I hope that those out there who are lucky enough to currently fit the worlds ideal of beauty and size, I hope you don't look down on me. I am flawed and I'm not going to hide from it anymore. I can create photos no matter what I look like, and that's empowering too.

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In ihrem Post erzählt sie, dass sie durch ihren Job als Fotografin immer unzufriedener mit sich selbst wurde.

"Ich lebe in einer Welt, in der ich durchgehend wunderschöne Frauen fotografiere. So oft, dass mein Selbstbewusstsein über die Jahre hinweg auf Null sank", beschreibt Cameron ihre Situation.

"Ich fing an, mich mit ihnen zu vergleichen. Mir fiel auf, wie klein ich bin - ich fühlte mich neben den Frauen wie ein Hobbit." Dabei fände sie selbst die "Makel", wie kleine Narben oder Muttermale an anderen Frauen interessant, besonders wenn eine Geschichte dahinter steckt, schreibt sie.

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Nur sich selbst konnte sie einfach nicht akzeptieren. Cameron hatte das Gefühl, dass sie sich dem Schönheitsideal der Gesellschaft anpassen musste.

"Ich will, dass es ok ist, einzigartig zu sein"

"Die ganze Welt bewundert dünne und attraktive Menschen. Und wenn du nicht in dieses Ideal passt, dann wird dir gesagt, dass du zumindest versuchen musst, genau so zu sein - durch abnehmen, schönere Haut oder Sport", schreibt sie.

"Du wirst verurteilt, wenn du fett bist und vor allem, wenn du keinen gesunden Lebensstil hast." Cameron verurteilt mit dem Bild auch die Gesundheitskultur, die in ihren Augen zu einer Art Elite-Club geworden ist. Wenn man nur einen Burger essen würde, sei das nicht in Ordnung.

"Ich will nicht unsichtbar sein oder wegen meiner Größe, meinem Bauch oder meiner Cellulite verurteilt werden. Ich will, dass es ok ist einzigartig zu sein, dass es akzeptiert wird. Keine Elite, keine Schönheitsideale, keine Verurteilung", verlangt die Fotografin.

Cameron bestätigte der HuffPost UK, dass sie an ihrem Bild nichts retuschiert habe - außerdem sei die Pose beabsichtigt, sie sollte nicht ihrem Körper schmeicheln.

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"Das bin ich. Ich hoffe, dass sich alle, die genau so Angst vor ihrem Körper haben wie ich, mutiger und akzeptierter fühlen. Und ich hoffe, dass alle, die das Glück haben, dem Schönheitsideal der Welt zu entsprechen, mich nicht verurteilen", schreibt sie weiter.

Sie habe Makel und möchte sich nicht mehr verstecken. Das Fotografieren gäbe ihr Kraft, denn dabei sei es egal, wie man aussehe.

Ihr Bild geht um die Welt

Bisher haben mehr als 4.200 Menschen Camerons Foto geliked. Hunderte Instagram-Nutzer schreiben durch und durch positive Kommentare.

"Das ist wahre Schönheit: du selbst sein. Danke, du bist eine Inspiration", schreibt ein User.

Eine andere Nutzerin kommentiert: "Du bist so viel stärker als die meisten von uns. Danke, dass du das gemacht hast - für dich und für uns."

Cameron war überrascht, wie viele positive Reaktionen sie auf das Bild bekam, erzählte sie der HuffPost UK. "Das zeigt, wie viele Frauen, Menschen insgesamt, Probleme damit haben, das vorgeschriebene Ideal zu erfüllen."

"Wir dehnen unsere Körper, wir manipulieren Bilder - all das nur, um uns anzupassen und zu hoffen, dass die anderen genau so aussehen wollen wie wir", ergänzt die Fotografin.

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Cameron war von dem Feedback zu Tränen gerührt

Nachdem sie das Bild geteilt hatte, hätte sie 13 Stunden lang nur noch geweint, sagte sie der HuffPost - dann hätte sie jeden einzelnen Kommentar gelesen, der unter das Bild geschrieben wurde.

Und dabei hat sie etwas festgestellt, das ihr und allen anderen Menschen Mut machen sollte: "Ich bin nicht alleine mit meinen Zweifeln, und noch viel wichtiger: Ich bin vielleicht gar nicht so schrecklich wie ich mich selbst sehe", schreibt sie auf Instagram.

"Jeder Kommentar bestätigte die Aussage, dass wir doch alle nur perfekt sein wollen und dass wir uns dafür schämen, wenn wir das nicht erreichen können". Eines Tages wird es hoffentlich normal sein, ein unbearbeitetes Bild von sich selbst hochzuladen", fügte sie hinzu.

"Ich freue mich darauf, wenn es endlich soweit ist. Denn mit dieser Angst zu leben und dieser Scham, dass man nicht wie ein Model aussieht, ist ganz schön anstrengend", sagte die Fotografin. "Eines Tages werden wir bemerken, dass alle Formen, Größen und Farben einfach verdammt schön sind."

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der HuffPost UK und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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(ame)