Der Missbrauchs-Skandal in Hollywood erschüttert die USA - dabei sollten wir nicht vergessen, was Trump vorgeworfen wird

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TRUMP
Der Missbrauchsskandal um Harvey Weinstein gibt den Vorwürfen gegen Donald Trump neues Gewicht | Getty Images
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  • Hollywood-Produzent Harvey Weinstein soll über 40 Frauen sexuell belästigt haben
  • Die Vorwürfe erinnern an die gegen US-Präsidenten Donald Trump

Es ist ein Skandal von erschütterndem Ausmaß: Hollywood-Mogul Harvey Weinstein soll sich über Jahrzehnte hinweg an Frauen vergangen haben.

Über 40 Schauspielerinnen, darunter Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie und Cara Delevingne werfen dem Filmproduzenten vor, sich vor ihnen entblößt oder sie begrapscht, zu sexuellen Handlungen gedrängt oder vergewaltigt zu haben.

Der Fall macht erneut deutlich, dass Männer unter Umständen ihre Machtpositionen ausnutzen, um Frauen sexuell zu belästigen. Einer der mutmaßlichen Täter: US-Präsident Donald Trump.

Vorwürfe treffen auch Trump

In einem Interview mit der BBC setzt die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton die Vorwürfe gegen Weinstein nun mit denen gegen Trump gleich.

"Wir müssen uns darüber im Klaren werden, dass so ein Verhalten in jeder Branche völlig inakzeptabel ist. Immerhin haben wir einen Mann, dem dasselbe vorgeworfen wird, zum Präsidenten gewählt."

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Mehr als Prahlereien?

Erinnern wir uns: Im Oktober 2016, der heißesten Phase des Präsidentschaftsrennens, sorgte eine Tonbandaufnahme für Wirbel. Auf dieser behauptete Trump, wer berühmt sei, könne Frauen zwischen die Beine fassen, wenn er es wolle.

Dass es sich dabei nicht nur um “Prahlereien, wie sie in jeder Männerumkleide stattfinden” – so rechtfertigte Trumps Team damals die Aussagen des heutigen Präsidenten – handelte, wurde kurze Zeit später klar: Insgesamt 16 Frauen brachten vor einem Jahr Belästigungsvorwürfe gegen Donald Trump vor.

HuffPost fasst die schockierendsten Schilderungen noch einmal zusammen:

“Wie viel willst du?”

Pornodarstellerin Jessica Drake berichtet von einer unangenehmen Begegnung während eines Golfturniers am Lake Tahoe im Jahr 2006. Trump habe sie gepackt und ohne Erlaubnis geküsst.

Zu späterer Stunde habe sie einen Anruf erhalten, bei dem ein Angestellter von Donald Trump ihr 10.000 Dollar geboten habe, um mit dem Reality TV-Star zu Abend zu essen. Weil sie die Einladung ablehnte, habe Trump sie anschließend persönlich angerufen und gefragt: “Wie viel willst du haben?”

Grab them by the pussy

Kristin Anderson traf Anfang der Neunziger Jahre in einem New Yorker Club auf den selbsternannten Immobilien-Tycoon. Sie seien zusammen auf einem roten Sofa gesessen, als Trump ihr unter den Rock gefahren sei und in den Schritt gegriffen habe.

Das damalige Model beschrieb den Vorfall als “kurz, aber äußerst ekelerregend”.

“Er war wie ein Octopus”

Jessica Leeds hatte vor 30 Jahren das Pech, auf einem Flug nach New York neben Donald Trump zu sitzen. Die Maschine sei noch keine Stunde in der Luft gewesen, als Leeds Sitznachbar die Armlehne hoch geklappt und ihre Brüste begrapscht habe.

Anschließend sei er ihr mit der Hand unter den Rock gefahren. “Seine Hände waren überall. Er war wie ein Octopus”, sagte die heute 75-Jährige gegenüber der “New York Times”. Weil die Zeitung darüber berichtete, drohte Trump, das Medium zu verklagen.

Wie eine junge Melania

Die frühere Miss Finland, Nikki Laaksonen, erzählte gegenüber der finnischen Zeitung "Ilta Sanomat", Trump habe ihr während der Miss Universe Wahl 2006 an den Po gefasst. “Er hat richtig fest zugegriffen”, so Laaksonen.

Später habe sie auf einer Party gehört, Trump, der die Ausstrahlung der Misswahl für den Sender NBC produzierte, habe Gefallen an ihr gefunden, weil sie aussähe wie seine Frau Melania – als sie noch jünger war.

“Er steckte mir die Zunge in den Hals”

“People”-Redakteurin Natasha Stoynoff behauptet ebenfalls, von Trump begrapscht worden zu sein. Im Jahr 2005 interviewte sie Donald und seine Frau Melania anlässlich ihres ersten Hochzeitstages in Trumps Hotel Mar-a-Lago.

Trump habe angeboten, sie durch das Hotel zu führen, doch es sei nur ein Vorwand gewesen, um sie alleine in ein Zimmer zu locken.

“Er schloß die Tür hinter uns, drückte mich gegen die Wand und steckte mir die Zunge in den Hals”, schrieb Stoynoff im Oktober 2016 in einem Exposé. Erst als Trumps Butler einige Minuten später den Raum betrat, habe sie sich aus seinem Griff befreien können.

Noch nicht vom Tisch

Trumps Team streitet sämtliche Vorwürfe ab. Trump selbst versprach im Oktober 2016, dass man gegen jede einzelne dieser “haltlosen Anschuldigungen” klagen würde, sobald die Wahl entschieden sei.

Bis heute ist das nicht passiert.

Dafür klagt nun Summer Zervos - eine der 16 Betroffenen und ehemalige Kandidatin von Trumps TV-Show “Apprentice”. Per gerichtlicher Vorladung hat die Amerikanerin sämtliche Unterlagen anfordern lassen, die mit den Belästigungs-Vorwürfen gegen den Präsidenten in Verbindung stehen - Ausgang offen.

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(mf)