"Österreichs Boris Palmer": Der Mann, der die österreichischen Grünen zerlegte

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PETER PILZ
Peter Pilz bei seinem ersten Auftritt für die eigene Liste | Dominic Ebenbichler / Reuters
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  • Die österreichischen Grünen werden es laut den ersten Hochrechnungen wohl nicht ins Parlament schaffen
  • Das liegt auch an einem Abtrünnigen aus den eigenen Reihen

Den österreichischen Grünen droht ein historisches Debakel bei der Nationalratswahl: Mit nur 3,8 Prozent der Stimmen könnte die Partei aus dem Parlament fliegen.

Mitschuld an dieser Wahlniederlage ist vor allem ein Mann aus den eigenen Reihen: Peter Pilz.

Der 63-Jährige zählt zu den Gründern der Grünen in Österreich. 1986 zog er für die neugeschaffene Partei zum ersten Mal ins Parlament ein und machte sich als Aufklärer von Skandalen in Untersuchungsausschüssen schnell einen Namen.

Im Sommer dieses Jahres düpierten die eigenen Kollegen Pilz - und verweigerten ihm den vierten Platz auf der Bundesliste.

Pilz wagte den Neustart und gründete seine eigene Liste, die Liste Pilz. Mit ihr erreichte der Politiker am Sonntag nun 4,4 Prozent laut den ersten Hochrechnungen und schafft damit wohl im Gegensatz zu den alten Parteikollegen den Sprung über die Vier-Prozent-Hürde, die es in Österreich zu meistern gilt.

Der Abtrünnige

Seit der Gründung seiner eigenen Liste wird Pilz in den Medien meist als der "Abtrünnige" oder der "Renegat" betitelt. Auch inhaltlich scheint sich Pilz von den Grünen entfernt zu haben. Im September veröffentlichte er ein Buch. Der vielsagende Titel: “Heimat Österreich. Ein Aufruf zur Selbstverteidigung.”

Während die Grünen in Deutschland streiten, was sie unter Heimat verstehen, nimmt Pilz eine nach diesem Wahlkampf fast schon typisch österreichische Position ein. Der Ex-Grüne warnt vor der Gefahr von außen, vor unkontrollierter Zuwanderung - und vor allem vor dem "politischen Islam".

Die deutsche Tageszeitung "Welt" nannte Pilz daher auch schon "Österreichs Boris Palmer". Denn wie der grüne Oberbürgermeister Tübingens ist Pilz eben überraschend konservativ für einen Grünen.

In einem Wahlkampf, der von Stimmungsmache und Hetze beherrscht war, fischte Pilz munter mit um Stimmen. "Ich hol' mir Straches Wähler", zitiert die "Welt" den Ex-Grünen, "das sind interessante und zu Recht sehr verängstigte Menschen."

Zu nah aber möchte Pilz den Rechtspopulisten der FPÖ um Chef Heinz-Christian Strache nicht stehen. Am Wahlabend sagte Pilz, ihm grause vor einer Regierungsbeteiligung der FPÖ. Dass seine alte Partei es wohl nicht ins Parlament schaffen wird, bedaure er.

Die Rache des Giftpilz'

Pilz’ Spiel aber ist offenbar aufgegangen. Seine Liste trat ohne ein Parteiprogramm an. Die Personen sollten für sich sprechen, erklärte Pilz.

Weder links noch rechts sollte die Liste sein. Tatsächlich versammelte Pilz auch ehemalige SPÖ-Politiker hinter sich. Sein Wahlerfolg zeigt auch, wie ein Neustart in der Politik funktionieren kann.

Genauso wie der wahrscheinlich künftige Bundeskanzler Sebastian Kurz, der mit einer Liste unter seinem Namen statt dem seiner Partei antrat, vertraute Pilz auf seinen Namen. Die Rache an den alten Parteikollegen ist ihm damit offenbar geglückt.

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(lp)

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