Blitzanalyse zur Niedersachsen-Wahl: 4 Gründe für das starke SPD-Ergebnis

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dpa
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  • Lange sah es nach einem CDU-Sieg in Niedersachsen aus - nun aber hat die SPD überraschend stark gewonen
  • Vier Gründe für den Erfolg der Sozialdemokraten in der Blitzanalyse

Es ist ein spektakulärer Erfolg für die SPD. Nach einer Serie schwerer Niederlagen haben die Sozialdemokraten die vorgezogene Landtagswahl in Niedersachsen klar gewonnen. Sogar eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition scheint möglich.

Die CDU mit Spitzenkandidat Bernd Althusmann rutscht hingegen auf ihr schlechtestes Ergebnis seit 1959 ab, nachdem sie in Umfragen lange geführt hatte.

Wahlsieger Weil sprach von einem "fulminanten Erfolg" für seine Partei: "Wir können zum ersten Mal seit der letzten Landtagswahl mit Gerhard Schröder vor 19 Jahren wieder die stärkste Fraktion im Landtag werden, das ist großartig", sagte er.

Hier sind vier Gründe für das überraschend gute Abschneiden der SPD.

Der Spitzenkandidat

Der Sieg der SPD in Niedersachsen geht nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen stark auf das hohe Ansehen ihres Ministerpräsidenten Stephan Weil zurück.

Der Amtsinhaber habe einen "sehr guten Imagewert" von 2,0 auf einer Skala von minus 5 bis plus 5 erreicht, wie die Wahlforscher am Sonntagabend erläuterten. Zudem wählten 30 Prozent die SPD wegen ihres Spitzenkandidaten, jedoch nur 23 Prozent die CDU.

CDU-Herausforderer Bernd Althusmann kam auf einen Imagewert von 0,8 und wurde damit so schwach bewertet wie kein CDU-Spitzenkandidat im Land zuvor.

Wähler waren mit der Regierungsarbeit zufrieden

Zudem bescheinigten Weil 67 Prozent der Befragten gute Regierungsarbeit.

Das ist im Vergleich zu anderen Bundesländern ein durchaus solider Wert. Zum Vergleich: Mit der Arbeit der ehemaligen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft waren bei ihrer Abwahl nur 59 Prozent zufrieden.

Erstaunlich ist auch, wie Weil in den vergangenen Wochen in dieser Kategorie zulegen konnte. Im August lag der Wert noch bei 53 Prozent, vor einer Woche bei 63 Prozent.

SPD punktete bei den wahlentscheidenden Themen

Beim eindeutig wichtigsten Thema Bildung und Schule lag die SPD (37 Prozent) laut Forschergruppe Wahlen vor der CDU (29 Prozent).

Auch beim Thema soziale Gerechtigkeit konnte die SPD punkten - bei keinem anderen Thema trauten die Wähler der SPD mehr Kompetenz zu. Und neben Bildung spielte kein anderes Thema eine wichtigere Rolle für die Wähler.

43 Prozent sagten dem Meinungsforschungsinstitut infratest dimap, dass die Frage, wie Ungerechtigkeit verringert werde, wichtig für ihre Wahlentscheidung sei.

SPD konnte bei den Grünen wildern und Nichtwähler mobilisieren

Die Wählerwanderung liefert eine Erklärung für das starke SPD-Ergebnis. So saugten die Sozialdemokraten die Grünen geradezu aus, die ihr Ergebnis im Vergleich zur vergangenen Wahl fast halbierte.

Fast 100.000 Wähler wanderten laut dem Meinungsforschungsinstitut infratest dimap zur SPD. Eine Erklärung könnte sich in dem Missmut über die Regierungsarbeit der Grünen finden. Mehr als die Hälfte der Niedersachsen war damit nicht zufrieden.

Die SPD konnte außerdem 162.000 Nichtwähler überzeugen - so viel wie keine andere Partei.

Mit Material von dpa

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(lp)

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