Prügeleien und rechte Parolen: Tumulte bei Höcke-Auftritt auf der Buchmesse

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Prügeleien und rechte Parolen: Tumulte bei Höcke-Auftritt auf der Buchmesse | Axel Schmidt / Reuters
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  • Bei der Frankfurter Buchmesse kommt es zu Handgreiflichkeiten und rechten Parolen
  • Dieses Jahr sind zahlreiche rechte Verleger und Autoren zu Gast
  • Als AfD-Rechtsaußen Höcke auf der Bühne steht, muss die Polizei eingreifen

Der Auftritt der Neuen Rechten auf der Frankfurter Buchmesse sorgt weiter für Auseinandersetzungen. Am Samstag trat der umstrittene Thüringer AfD-Landtagsfraktionschef Björn Höcke auf. Es kam zu tumultartigen Szenen.

Höcke war bei der Präsentation des Buches "Mit Linken leben" des rechsgerichteten Antaios-Verlags dabei. Demonstranten protestierten mit Transparenten und Rufen wie "Nazis raus" gegen die Veranstaltung. Höckes Anhänger skandierten "Jeder hasst die Antifa". Die Polizei musste schlichtend eingreifen.

Später wurde eine weitere Lesung von zwei Autoren der rechtsextremen "Identitären Bewegung" wegen lautstarker Proteste abgebrochen. Jürgen Boos, Chef der Buchmesse, soll dabei vom völkischen Verleger Götz Kubitschek bedrängt worden sein, berichten Augenzeugen.

Zwei tätliche Angriffe von mutmaßlichen Rechtsextremen

Bereits am Freitag war es zu einem gewalttätigen Angriff eines mutmaßlichen Rechtsradikalen gekommen. Am Stand der nationalsitischen Zeitung "Junge Freiheit" schlug ein Unbekannter dem Trikont-Verleger Achim Bergmann ins Gesicht. Bergmann hatte den Vortrag des rechten Buchautoren Karlheinz Weißmann mit einem Zwischenruf gestört.

Danach sei er von einem Mann attackiert worden. Den Täter beschrieb Bergmann laut der "Abendzeitung" aus München als "smarten Anzugträger, Typ Christian Lindner".

Der Verleger ließ sich im Krankenhaus behandeln und erstattete Strafanzeige. "Das Schlimme ist, dass wir mittlerweile in einem solchen politischen Klima leben, dass es wieder möglich ist, dass Rechte so brutal und arrogant auftreten", sagte Eva Mair-Holmes von Trikont.

Auch der Frankfurter Stadtverordnete Nico Wehnemann soll auf der Messe von Rechtsradikalen angegriffen worden sein. Entertainer Jan Böhmermann teilte bei Twitter eine entsprechende Meldung des "Titanic"-Satirikers Leo Fischer.

Auch die Rechten erheben Vorwürfe

Von Seite der Neuen Rechten werden derweil ebenfalls schwere Vorwürfe gegen linke Aktivisten laut. Laut der rechten Zeitung "Junge Freiheit" haben in in der Nacht zu Freitag Unbekannte einen Stand des Manuscriptum-Verlags, bei dem unter anderen AfD-Politiker Alexander Gauland veröffentlicht, angegriffen.

Die Täter hinterließen laut der "Welt" nur einen Sticker: "Gegen Rassismus auf der Buchmesse. Kein Platz für rechte Verlage und Veranstaltungen."

Bücher und Werbematerialen seien entwendet worden. Mehrere AfD-Politiker kommentierten den Vorfall. Der Bundestagsabgeordnete Götz Frömming verglich die leergeräumten Regale mit dem Berliner Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung – und die Tat damit mit den Verbrechen der Nationalsozialisten.

"Wer Nazis einlädt, bekommt Nazis"

Die Kritik an der Einladung der Rechten ist derweil massiv.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Organisator der Messe - hat die Zulassung der Stände mit der Meinungsfreiheit begründet und zur "aktiven Auseinandersetzung" aufgerufen.

Die linke Politikerin und Soziologin Jutta Ditfurth kommentierte bei Facebook: "Tatsächlich hat die Leitung der Frankfurter Buchmesse mit der fatalen Einladung von völkischen und von Nazi-Verlagen möglich gemacht, dass diese und ihr Publikum Menschen angreifen und verletzen."

Schuld an den Gewaltausschreitungen seien "die Nazis". Doch auch die Veranstalter würden Mitverantwortung tragen. "Wer Nazis einlädt, hat Nazis auf der Messe - und, oh Wunder, die verhalten sich dann wie Nazis", schrieb Ditfurth.

Mit Material der dpa.

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(ks)

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