Tausende Rechte teilen gerade dieses Wohnungsgesuch von Flüchtlingen - das steckt dahinter

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  • Wohnungsgesuche für syrische Familien werden gerade tausendfach im Netz geteilt
  • Der Vorwurf: Einkommensschwache Deutsche werden im Stich gelassen
  • Jetzt meldet sich der Mieterbund zu Wort - mit einer klaren Ansage

Es ist nur ein Ausschnitt einer Zeitungsseite, aber er wird gerade tausendfach von Rechten im Netz geteilt.

Darauf zu sehen sind vier Wohnungsgesuche von Flüchtlingshelfern für syrische Familien, außerdem eine Anzeige einer alleinerziehenden Mutter.

Die Anzeige wurde schon im Frühjahr in der "Südwestpresse" geschaltet, sorgt allerdings jetzt erst für Aufregung.

wohnung

Flüchtlinge erschwerten "Normalbürgern" die Wohnungssuche, weil deren Miete "nicht vom Amt" komme, schreibt etwa die neurechte Bloggerin Anabel Schunke auf Facebook. Der hier lebende Bürger sei der Dumme.

"Ich kann den Ärger verstehen"

Solche Kommentare landeten auch bei den Flüchtlingshelfern, die in der Anzeige aufgeführt sind. Im Umlauf ist der Ausschnitt nämlich ohne geschwärzte Namen, Telefonnummern und Mailadressen.

Einer* sagte im Gespräch mit der HuffPost: "In einem Fall wurde mir von einem Anrufer gesagt, dass er es ekelhaft fände, was ich mache. Meine Antwort war: Ich finde es ekelhaft, was Sie machen. Und dann habe ich aufgelegt."

Eine* andere sagte: "Ich kann den Ärger verstehen. Nicht nur Flüchtlinge, sondern viele andere in Deutschland haben Hilfebedarf bei der Wohnungssuche. Es gibt viel Not, und je mehr Leute sich in irgendeiner Weise für andere stark machen und das in vielen Bereichen, nur dann wird die Not geringer."

Falscher Eindruck

In den Kommentaren auf Facebook jedoch soll der Eindruck erweckt werden, dass Deutsche, die es ohnehin schwer auf dem hartumkämpften Wohnungsmarkt haben, bei ihrer Suche alleine gelassen werden.

Die rechten Nutzer glauben, dass deutsche Staatsbürger chancenlos um Wohnungen konkurrieren würden und am Ende gar auf der Straße landen könnten, während der Flüchtling mit seiner Familie im Warmen sitze.

Was ist dran an diesen Vorwürfen?

Der Mieterbund jedenfalls sieht das Problem der Wohnungsnot nicht bei den Flüchtlingen - sondern darin, dass n den vergangenen Jahren in Deutschland viel zu wenige Wohnungen gebaut wurden.

In Deutschland fehlen rund eine Million Wohnungen

"In den letzten Jahren ist viel zu wenig neu gebaut worden, insbesondere in Städten ist die Nachfrage nach Wohnungen deutlich höher als das Angebot", sagt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes, der HuffPost.

400.000 neue Wohnungen müssten pro Jahr gebaut werden, rechnet Ropertz vor. Davon mindestens 80.000 Sozialwohnungen. Nach Wohnungen würden unter den Asylbewerbern eigentlich nur die anerkannten Flüchtlinge suchen. "2017 dürften es 140.000 sein", sagt Ropertz.

Zum Vergleich: Studienanfänger, die ebenfalls in vielen Fällen nach einer Wohnung suchen, gab es in diesem Studienjahr 507.779. Flüchtlinge leisten so nur ein kleinen Beitrag zu einem großen strukturellen Problem.

In Deutschland fehlten zurzeit rund eine Million Wohnungen – ein Fehlbestand, der sich über Jahre aufgebaut habe und jetzt Schritt für Schritt abgebaut werden müsse.

Aber haben Flüchtlinge tatsächlich einen Vorteil, weil ihre Mietzahlung vom Amt gesichert ist?

Ropertz findet das "zweifelhaft". Zumindest habe noch nie jemand behauptet, dass es ein Vorteil auf dem Wohnungsmarkt sei, ALG-II-Bezieher zu sein. "Auch hier übernimmt die Stadt die Wohnkosten zu 100 Prozent", sagt Ropertz.

"Flüchtlinge dürften es ausgesprochen schwer haben"

Mehr noch: "Tatsächlich dürften es Flüchtlinge auf dem Wohnungsmarkt ausgesprochen schwer haben", sagt Ropertz.

Wie alle einkommensschwächeren Personen hätten sie Probleme, eine Wohnung zu finden. "Hinzu kommen auch Vorurteile potenzieller Vermieter und Sprachschwierigkeiten."

*Die Namen der Flüchtlingshelfer sind der Redaktion bekannt, sie verzichtet aber auf eine Nennung.

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(jg)

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