"Ein ausgestreckter Mittelfinger": US-Medien kritisieren Donald Trump für seine Entscheidung zum Iran-Deal

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DONALD TRUMP
Protest gegen Donald Trumps "Idiotie" in der US-Außenpolitik | Jim Bourg / Reuters
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  • Donald Trump hat einen Strategiewechsel zum Iran-Deal angekündigt
  • Der US-Präsident droht mit Sanktionen und will das Atomabkommen mit der Islamischen Republik nicht mehr zertifizieren
  • Die US-Medien üben wegen seiner brachialen Vorgehensweise nun heftige Kritik an Trump

"Die Geschichte hat gezeigt: Je länger wir eine Bedrohung ignorieren, umso größer wird diese Bedrohung."

Dieses ominöse Zitat wurde nicht über, sondern von Donald Trump gesagt. Es war die Begründung des US-Präsidenten dafür, dem Iran mit neuen Sanktionen zu drohen und das Atomabkommen mit dem Land nicht mehr zertifizieren zu wollen.

Trump trat nicht aus dem Iran-Deal aus, wie es lange befürchtet worden war - aber er machte ihn aus US-Sicht wirkungslos. Und erntete dafür prompt Kritik.

Von verbündeten Nationen wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien, aber auch von dem Großteil der US-Medien.

"Trump händigt dem Iran einen Sieg aus"


Gleich zwei Journalisten kommentierten so etwa in der "New York Times" Trumps Entscheidung, den Iran-Deal herabzustufen. Der Redakteur Antony J. Blinken glaubt, Trump "vergrault die Verbündeten der USA und händigt dem Iran einen Sieg aus."

Schon Trumps Analyse der Lage im Iran sei vollkommen falsch gewesen, schreibt Blinken. Wie viele Republikaner behauptet Trump, dass das Regime in Teheran längst kollabiert wäre, hätte sein Vorgänger Barack Obama den Iran-Deal nicht abgeschlossen - und so die Sanktionen gegen das Land aufgehoben.

Blinken meint: "Eine Behauptung, die Tagträumer in Washington seit vier Jahrzehnten jedes Jahr machen." Trumps harte Linie gegen die Islamische Republik helfe nur den Hardlinern in der iranischen Regierung. Tatsächlich gefährde sie außerdem sowohl die Glaubwürdigkeit als auch die Sicherheit der USA, schlussfolgert Blinken.

Sein Kollege Bret Stephens formuliert es drastischer: "Donald Trump hat eine Geisel genommen." Gemeint ist der Iran-Deal, dessen Scheitern der Präsident durch seine rabiate Vorgehensweise in Kauf nehme.

Stephens räumt ein, dass die US-Politik gegenüber dem Iran zu festgefahren sei und Trump durch seine Entscheidung Bewegung in die Beziehungen der beiden Länder gebracht habe. Gleichzeitig fürchtet er aber das Risiko eines ausbrechenden Krieges - und die Tatsache, dass es an einer instabilen Person wie Donald Trump ist, einen solchen zu verhindern.

"Trumps 'neue Strategie' zum Iran ist weder neu noch eine Strategie"

Das Nachrichtenportal "Vox" beurteilt Trumps Attacke auf den Iran-Deal noch kritischer als die "New York Times". Es bezeichnet die Vorstöße des US-Präsidenten gegen den Iran als "Abrechnung des Grolls". "Trumps 'neue Strategie' zum Iran ist weder neu noch eine Strategie", schreibt "Vox".

Weder die Sanktionen gegen die Nationalgarde des Irans, die Trump angekündigt hatte, noch die Blockade des Iran-Deals seien Schritte, die ein klares Ziel im Umgang mit der Islamischen Republik definieren würden. "Vox" zitiert hierzu den Iran-Experten Hussein Banai, einen Politikwissenschaftler von der University of Indiana: "Das ist ein ausgestreckter Mittelfinger an den Anspruch der USA auf eine Führungsrolle in der Welt."

Die "Washington Post" schreibt in dieser Hinsicht von einer "Dummheit" Trumps. Der US-Präsident habe sich mit Teheran auf ein gefährliches und sinnloses Spiel mit dem Feuer eingelassen. Jetzt sei es am US-Kongress, nicht die gleiche Dummheit wie Trump zu begehen, indem er dessen Politik mitträgt: "Der Kongress sollte den Status Quo, so viele Fehler dieser auch hat, nicht verletzen - denn er verhindert eine weitere nukleare Krise."

Trump bleibt sorglos

Vor dieser fürchtet sich auch die Londoner Zeitung "The Guardian". "Die nun entstehende diplomatische Lage ist beispiellos", schreibt die US-Redaktion des Blattes. "Ein US-Präsident streitet sich nicht nur mit seinen eigenen engsten Beratern, sondern zugleich mit allen entscheidenden Akteuren einer ernsten Krise der internationalen Sicherheit - einschließlich sämtlicher europäischer Verbündeter."

Aus "Amerika zuerst" würde derzeit "Amerika allein" - "und das in einem Moment, in dem klar wird, dass die USA allein weit weniger Macht hat, als sie denkt."

Donald Trump scheint dies noch nicht klar geworden zu sein. Er feiert seine harte Linie gegen den Iran als Erfolg und Korrektur der aus seiner Sicht laschen Politik seines Vorgängers Barack Obama. Bei einer Rede am Freitagabend ging Trump so weit, zu behaupten: "Meine Präsidentschaft ist dem Zeitplan weit voraus."

Angesichts der bisherigen katastrophalen Fehler Trumps in der Außenpolitik lässt sich sagen: Das hat etwas von Ignoranz.

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(lm)

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