Unbekannter schlägt bei Buchmesse auf Verleger ein – der Fall sagt viel über das politische Klima im Land

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"Brutales politisches Klima": Mutmaßlich rechter Aktivist schlägt bei der Buchmesse auf Verleger ein | Ralph Orlowski / Reuters
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  • Auf der Frankfurter Buchmesse ist es zu mehreren Konflikten zwischen Rechten und Linken gekommen
  • Ein mutmaßlich rechter Aktivist schlug auf einen Verleger ein
  • Auch Rechte klagen über Schikane von links

Auf der Frankfurter Buchmesse ist es zu einem gewalttätigen Angriff am Stand der rechtsgerichteten Wochenzeitung "Junge Freiheit" gekommen. Eine Sprecherin der Messe bestätigte am Samstag, dass am Freitag bei einer Lesung ein Zuhörer auf den Verleger des Trikont-Musikverlags zugegangen sei und ihn mit der Faust im Gesicht verletzt habe.

Trikont-Chef Achim Bergmann habe laut der "Abendzeitung" aus München dem rechten Buchautor Karlheinz Weißmann zugerufen, er solle die Klappe halten. Danach sei er von einem Mann ins Gesicht geschlagen worden. Den Täter beschrieb Bergmann laut der "Abendzeitung" als "smarten Anzugträger, Typ Christian Lindner".

Der Verleger erstattete Strafanzeige

Der Verleger ließ sich im Krankenhaus behandeln und erstattete Strafanzeige. Der Münchner Verlag Trikont, vor 50 Jahren als Buchverlag gegründet, widmet sich heute der Musik.

"Das Schlimme ist, dass wir mittlerweile in einem solchen politischen Klima leben, dass es wieder möglich ist, dass Rechte so brutal und arrogant auftreten", sagte Eva Mair-Holmes von Trikont.

Der Auftritt rechter Verlage ist dieses Jahres auf der Frankfurter Buchmesse besonders umstritten.

AfD-Politiker stellen Verbindung zur Bücherverbrennung her

Auch Vertreter der Neuen Rechten erheben schwere Vorwürfe gegen linke Aktivisten. Laut der rechten Zeitung "Junge Freiheit" haben in in der Nacht zu Freitag Unbekannte einen Stand des Manuscriptum-Verlags, bei dem unter anderen AfD-Politiker Alexander Gauland veröffentlicht, angegriffen.

Die Täter hinterließen laut der "Welt" nur einen Sticker: "Gegen Rassismus auf der Buchmesse. Kein Platz für rechte Verlage und Veranstaltungen."

Bücher und Werbematerialen seien entwendet worden. Mehrere AfD-Politiker kommentierten den Vorfall. Der Bundestagsabgeordnete Götz Frömming verglich die leergeräumten Regale mit dem Berliner Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung – und die Tat damit mit den Verbrechen der Nationalsozialisten.

Auch AfD-Politiker Julian Flak schrieb: "Sollen wir froh sein, dass bei der Buchmesse noch keine Bücher verbrannt werden?"

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(lm)

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