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13/10/2017 08:25 CEST | Aktualisiert 13/10/2017 08:56 CEST

Freitag der 13.: Darum ist dieser Unglückstag Aberglaube

Stadtratte via Getty Images
Menschen haben Angst vor dem Freitag den 13.

  • Freitag der 13. bringt Unglück - heißt es

  • Die Zahl gilt als schlechtes Omen

  • Was die Statistik dazu sagt

Freitag der 13. zeigt, wie vielfältig Menschen sind. Wir leben in einer Zeit, die sich selbst als aufgeklärt bezeichnet. Das fängt beim Verhüten an und hört beim Ethikunterricht noch lange nicht auf.

Bei genauerem Hinsehen ist unser Verhalten jedoch nicht so wissenschaftlich oder rational geprägt, wie wir gerne behaupten. Wie sollte es an einem Freitag sonst etwas ändern, ob er der 12. oder der 13. eines Monats ist?

Freitag der 13. als Unglückstag

Sucht man eine Erklärung, warum Freitag der 13. mit Unglück in Verbindung gebracht wird, finden sich viele:

  • Freitag ist der Todestag Christi.
  • Die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies fiel auf einen Freitag.
  • In der Bibel ist von 12 Aposteln die Rede. Beim letzten Abendmahl gab es jedoch einen dreizehnten Gast: Judas, der Jesus im Anschluss verriet.
  • Im Tarot ist die 13. Karte der Tod.
  • Die Zahl 13 wurde auch als Teufelsdutzend bezeichnet.

Die Angst vor der 13 ist so stark verwurzelt, dass sie sogar Auswirkungen in der Lebenswelt zeigt. Viele Hotels haben kein 13. Stockwerk und auch kein Zimmer mit der Nummer 13. Manche Fluglinien lassen die Sitzreihe 13 aus. Die Realität hält prominente Vertreter bereit, um die Angst vor Freitag dem 13. zu schüren.

Am Freitag den 13. Oktober 1307 werden auf Befehl des französischen Königs Philipp IV in einer großen Razzia fast alle Mitglieder des Tempelritter-Ordens eingesperrt, gefoltert und kurz darauf hingerichtet.

Der Komponist Arnold Schönberg hatte Zeit seines Lebens Angst vor Freitag dem 13. Er starb im Alter von 76 Jahren (7 + 6 = 13) am 13. Juli 1951, einem Freitag.

Der Börsencrash 1929, auch bekannt als 'Schwarzer Freitag' war am 13. Mai. Hunderte Anleger verloren hier ihr ganzes Vermögen.

Was hat es mit dieser Angst auf sich?

Eine Prüfung oder ein Meeting können wohl an jedem Tag für Nervosität sorgen, aber ist der Termin am Freitag den 13., kann das sogar richtige Angst auslösen. Statistisch konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass es mehr Unglück an diesem Tag gäbe.

Der ADAC hat seine Unfallstatistiken von 2004 bis 2013 dahingehend untersucht. Freitag der 13. ist in Hinblick auf die Unfallanzahl kein stärkerer Unglückstag als andere.

Zudem ist es nicht einmal etwas besonderes, wenn der 13. auf einen Freitag fällt. Mathematisch ist das Unglücksdatum sogar minimal häufiger als die Kombination des 13. mit anderen Wochentagen. Dennoch leiden viele Menschen unter Angstgefühlen vor diesem Datum. So viele, dass wir dieser Angstreaktion einen Fachterminus verpasst haben, eben ganz, wie es sich für Aufgeklärte gehört: Paraskavedekatriaphobie. Doch woran leiden diese Menschen wirklich?

Diagnose: Aberglaube

Werden Zahlen andere als mathematische Kräfte zugeschrieben, bezeichnet man dies als Aberglaube. Auch wenn sich wohl jeder darunter etwas vorstellen kann, ist es gar nicht so einfach eine Definition dessen anzugeben, was Aberglaube eigentlich ist.

Die Begriffsgeschichte beginnt im 15. Jahrhundert durch eine Lehnübertragung für das lateinische super-stitio. Wie auch bei Aberwitz oder Abergunst rückt es die Bedeutung vom nachgestellten Wortteil ins Negative, macht es minderwertig oder falsch.

Benutzt wurde der Begriff Aberglaube in der christlichen Weltanschauung für alle anderen, beispielsweise heidnischen Glaubensarten. So gesehen hebt der Aberglaube sich vom richtigen Glauben ab.

Das, was mit ihm bezeichnet wird, wird immer schon gegenüber einem anderen, besseren abgewertet. Zunächst war das bessere das Christentum und durch die Aufklärung dann die Wissenschaft, insbesondere die Naturwissenschaft.

Doch lässt sich beispielsweise die Angst vor Freitag dem 13. weder mit dem Fachterminus Paraskavedekatriaphobie in den Griff bekommen noch mit Statistiken oder Mathematik. Was helfen kann, ist sich bewusst zu werden, dass man seine Interpretationen von der Welt auch wieder ändern kann.

Und wer in der Lage ist Angst zu entwickeln, vor einem Datum, weil da schon häufiger etwas Schlimmes passiert ist oder vielleicht auch nur, weil die Oma das schon immer gesagt hat, ist in erster Linie nicht jemand, der vom rechten Glauben abgekommen ist. Im Gegenteil, spricht dieses Verhalten für Fantasie und Traditionsbewusstsein.

So lange man sich dadurch nicht anderen Informationen verschließt, sind das wunderbare Eigenschaften, die das Leben bunter machen.

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