"Der IS handelt unter Führung der USA": Türkische Medien werfen dem US-Botschafter eine Verschwörung vor

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ERDOGAN
"Die USA drohen uns mit dem IS": Türkische Medien werfen dem US-Botschafter eine Verschwörung vor | Getty / twitter
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  • Türkische Medien haben eine aggressive Kampagne gegen den US-Botschafter John Bass gestartet
  • Sie behaupten, Bass habe der Türkei mit Angriffen des sogenannten Islamischen Staates gedroht

Es ist ein historischer Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen der Türkei und den USA. In der Visa-Krise hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Amerikaner erneut scharf angegriffen.

Im Mittelpunkt des Konfliktes steht ein Mann: John Bass, scheidender US-Botschafter in Ankara.

Erdogan warf der US-Regierung am Donnerstag in einer Rede vor Gouverneuren vor, die strategische Partnerschaft mit der Türkei für einen "frechen Botschafter" zu opfern.

Auch die türkische Presse schoss sich am Donnerstag auf Bass ein, den die Führung der AKP für die Eskalation verantwortlich macht.

Der Hintergrund: Die USA hatten am Sonntag die Vergabe von Visa in ihren Vertretungen in der Türkei auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Hintergrund ist die Inhaftierung eines türkischen Mitarbeiters des US-Konsulats in Istanbul in der vergangenen Woche.

Die Medienkampagne, die die regierungsnahen Medien in der Türkei jetzt gegen die USA lostraten, ging jedoch noch viel weiter als die bisherigen gegenseitigen Vorwürfen.

"Die USA kontrollieren den IS"

Die konservative Zeitung "Takvim" warf Bass vor, der Türkei mit Angriffen des IS gedroht zu haben. Bass habe vor Journalisten erklärt, das Land habe den USA zu danken, dass die Terrormiliz dort in den vergangenen neuneinhalb Monaten keine Anschläge verübt habe.

"Das ist kein Beweis, dass der IS aufgegeben hat, sondern Resultat unserer Kooperation", hatte Bass gesagt. Was er wohl meinte: Die Unterstützung der USA für die Regierung in Ankara habe den IS bislang abgeschreckt.

Die AKP-nahe Zeitung "Aksam" behauptete darauf, Bass habe zugegeben, die USA würden den IS kontrollieren: "Der IS hat unter der Führung der Vereinigten Staaten gehandelt." Bass drohe zwischen den Zeilen mit neuen Terroranschlägen in der Türkei.

Der Botschafter, der gerade vom US-Senat als neuer US-Vertreter im Afghanistan bestätigt wurde, habe während seiner Zeit in der Türkei enge Kontakte mit Gülenisten unterhalten, behauptete die "Takvim" – also mit Unterstützern des islamischen Predigers Fethullah Gülen, den die türkische Regierung als Terroristen einstuft.

Bedrängen die USA die Türkei von Bulgarien aus?

Die kleinere Zeitung "Aydınlık" berichtete indes gar von einem US-amerikanischen Plan, die Türkei militärisch von Norden unter Druck zu setzen.

Die USA hätten demnach amerikanische Soldaten von Rumänien über Bulgarien Richtung türkische Grenze geschickt. 2500 Soldaten seien demnach in Bulgarien stationiert, einige nur 60 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

"Es geht darum, die Türkei zu umzingeln", schreibt die Zeitung.

In anderen türkischen Medien ist die Rede von einem kurdischen Korridor gegen die Türkei, den die USA errichte. Gemeint sind die kurdisch kontrollierten Gebiete im Norden des Iraks und Syriens, wo die USA verschiedene Kurden-Gruppierungen unterstützt.

Auch Erdogan bediente am Donnerstag Verschwörungstheorien gegen die USA.

Es gebe "eine Fraktion der alten Regierung, die versucht unsere Beziehung zu torpedieren", sagte der türkische Präsident. Für die Eskalation sei also die Obama-Führung verantwortlich.

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(ll)

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