POLITIK
12/10/2017 07:14 CEST | Aktualisiert 12/10/2017 07:51 CEST

Meteorologe Kachelmann bringt bei "Maischberger" das große Problem der Klimapolitik auf den Punkt

ARD
Meteorologe Kachelmann bringt bei "Maischberger" das große Problem der Klimapolitik auf den Punkt

  • Bei "Maischberger" diskutierten Politiker und Experten über den Klimawandel

  • Meteorologe Kachelmann forderte die Politiker zum Handeln auf

  • Die panischen Prognosen einiger Experten wollte er jedoch nicht teilen

Mehrere Tage lang hatte die Obergrenze die Republik als Geisel genommen.

Fast konnte man den Eindruck gewinnen, die Diskussion um das Maximal-Kontingent zur Einreise von Flüchtlingen, auf das die Union sich am Sonntagabend geeinigt hatte, sei derzeit das einzig wichtige Politikum.

Dabei geht es auch bei den Jamaika-Sondierungen um zahlreiche andere Themen. Nicht zuletzt der Klimaschutz könnte zu einem wichtigen Streitpunkt zwischen Union, Grünen und Liberalen werden.

Auch deshalb ging es im ARD-Talk von Sandra Maischberger am Mittwoch um den Klimawandel. "Xavier und die Wetterextreme: Kippt unser Klima?", fragte Maischberger die Gäste.

Neben Dorothee Bär von der CSU und Ex-Umweltministerin Bärbel Höhn von den Grünen waren das Klimawandel-Skeptiker Alex Reichmuth, Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und MeteorologeJörg Kachelmann.

Die Diskussionslinien waren von Anfang an klar gezogen. Forscher Schellnhuber warnte vehement vor den Folgen der Erderwärmung ("in den nächsten Jahrzehnten dringt die Sahara nach Europa vor") – Skeptiker Reichmuth tat den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel als ideologische Spinnerei ab.

CSU gegen Grüne beim Kohle-Ausstieg

Bär und Höhn lieferten sich vor allem beim Thema Kohle-Ausstieg spannende Wortgefechte. "Selbst ich als Grüne sage ja nicht: Morgen alle Kohlekraftwerke abschalten", gab sich Höhn anfangs kompromissbereit. Als Deadline müsse man aber das Jahr 2030 für alte Kohlekraftwerke setzen. Irgendwann müsse man komplett auf Kohle verzichten, vertrat Höhn die Grünen-Linie.

CSU-Politikerin Bär war das immer noch zu forsch. "Klimaschutz darf keine Arbeitsplätze gefährden", erklärte sie.

Zum Hintergrund: In Deutschland arbeiten derzeit nur noch etwa 20.000 Menschen (0,07 Prozent aller Beschäftigten) in der Braunkohlewirtschaft. Zum Vergleich: Im Ökostrom-Sektor arbeiten laut dem Bundesverband Erneuerbare Energien etwa 330.000 Menschen.

Trotzdem erklärte Bär, bei den Sondierungsgesprächen müsse man sehen, "was an realistischen Forderungen auf den Tisch kommt". Durch die Blume heißt das wohl: Große Sprünge im Kampf gegen den Klimawandel, wie sie die Grünen planen, wird es mit der CSU nicht geben.

Höhn habe ja auch als NRW-Ministerin nicht alle Kohlekraftwerke abgeschafft, warf sie ihrer Kontrahentin vor. Die ging kurz auf 180: "Hallo?" Sie hätte mit ihrer Partei einen "massiven Kampf gegen die Braunkohle" geführt.

Kachelmann erklärt, was die Debatte so schwer macht

Fast dankbar konnte der Zuschauer sein, dass die ARD mit Meteorologe Jörg Kachelmann jemanden eingeladen hatte, dem es vor allem um Besonnenheit ging.

Als Klimawissenschaftler Schellnhuber eine Überflutung der Kontinente im Jahr "3000, oder wie auch immer" prophezeite, brachte Kachelmann das Gespräch wieder ins Hier und Jetzt.

Der ehemalige ARD-Wettermann machte damit gleichzeitig auf ein großes Problem der Klimapolitik aufmerksam: Menschen könnten nur schwer so weit in die Zukunft blicken. Kein Bürger würde daher sagen: "Heute fahre ich nicht nach Schweinfurt ins Kino, weil möglicherweise bin ich schuld, wenn der Meeresspiegel in tausend Jahren 70 Meter höher ist.“

Kachelmann: "Schmeißen Sie gefälligst den Laden!"

Auch deshalb gibt es für die meisten Parteien wohl attraktivere Themen als klimapolitische Langzeitkonzepte. Wichtig wären sie allemal. "Ich erwarte von Ihnen auf dem Politiksofa, dass sie gefälligst den Laden schmeißen", wandte sich der Schweizer an Bär und Höhn.

Ohnehin lieferte der Meteorologe viele kluge Einwände. Für Panik sei es zu früh, machte er schon zu Anfang der Sendung deutlich. Man sehe etwa statistisch gar keine Häufung von schweren Unwettern.

Ohnehin müsse es in der Diskussion um den Klimawandel stärker um etwas anderes gehen, als um die Frage, was der Mensch zu den derzeitigen Auffälligkeiten beigetragen habe. "Falls es so ist, wie beschrieben: Was tun wir dagegen, damit es nicht so kommt?"

Es sei "wie wenn so ein Meteorit auf die Erde zukommt, wir diskutieren aber nicht, wie wir das verhindern, dass wir alle sterben, sondern streiten uns übereinander."

Ein Satz, den Höhn und Bär mit in die Koalitionsgespräche nehmen sollten.

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(mf)

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