"Ein unverzeihlicher Fehler": CDU-Aussteigerin in Sachsen kritisiert Rechtsruck ihrer Partei

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HSG
"Ein unverzeihbarer Fehler": CDU-Aussteiger in Sachsen kritisiert Rechtsruck ihrer Partei | Reuters / Twitter
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  • Die AfD hat bei der Bundestagswahl in Sachsen die CDU überholt
  • Sachsens Ministerpräsident forderte als Reaktion einen Rechtsruck
  • Elisabeth Galli stieg daraufhin aus der CDU aus – und erklärt in der HuffPost, warum

Für die CDU in Sachsen wurde die Bundestagswahl zur Schmach. Im Vergleich zum Wahljahr 2013 verloren die Konservativen fast 16 Prozent, die AfD wurde zur stärksten Kraft im Land.

Sachsens CDU-Ministerpräsident Stanislav Tillich reagierte mit der Forderung nach einem vehementen Rechtsruck auf die peinliche Wahlschlappe. Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf kritisierte Tillich scharf, es fehle ihm an "Vorbildung". Auch an der Parteibasis wandten sich viele Christdemokraten gegen Tillich und seinen geforderten Ruck nach rechts.

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Die Dresdner Rechtsanwältin Elisabeth Galli, zuvor Mitglied im Kreisvorstand der Stadt, entschied sich gar, aus der CDU auszutreten.

Über den geforderten Rechtsruck sagt Galli der HuffPost: "Wenn man das will, verabschiedet man sich als Partei von seinen Werten." Die von Tillich geforderte Verschiebung einer CDU Sachsen nach rechts folge der AfD, setze ihrer Marktschreierei aber nichts entgegen.

"Wenn CDU sich Pegida entgegen gestellt hätte, hätte die AfD sie nicht überholt"

Tillich will offenbar von der AfD lernen.

Die CDU-Aussteigerin Galli sieht das größte Versäumnis der Partei im Gegensatz zu Tillich darin, sich nicht entschieden von den Rechten abgesetzt zu haben. "Es ist ein unverzeilicher Fehler, sich hier nicht von vornherein klar distanziert zu haben", sagt Galli der HuffPost.

Und weiter: "Was wäre das für ein Bild gewesen: die sächsische CDU stellt sich gemeinsam mit den Bürgern Pegida entgegen und für unsere Demokratie, in erster Reihe Herr Tillich." Die Lokalpolitikerin glaubt nicht, dass die Bewegung Pegida "dann jemals dieses Ausmaß erreicht hätte und ich glaube auch nicht, dass die CDU dann von der AfD überholt worden wäre".

Die Dresdnerin hatte ihren Austritt auch bei Twitter öffentlich gemacht und für ein enormes Medienecho gesorgt.

Tillich habe außerdem keine Vision für sein Bundesland, kritisiert Galli. Auch Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hatte seinem Nachfolger vorgeworfen, zu "scheu" zu agieren – und über Kompromisse zu regieren.

So habe die CDU in Sachsen die Unsicherheit der Menschen nicht ernstgenommen, glaubt Biedenkopf: "Wenn Tausende Lehrer und Pflegekräfte fehlen, in Dörfern kein Bus mehr fährt und kein Arzt oder Laden mehr zu finden ist, dann muss man nicht nach rechts oder links rücken, sondern Probleme lösen.“

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(jg / lp)

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