5 Gründe, warum hochqualifizierte Frauen in ihren Jobs oft unzufrieden sind

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOMAN JOB SAD
5 Gründe, warum hochqualifizierte Frauen in ihren Jobs oft unzufrieden sind | diego_cervo via Getty Images
Drucken
  • Es gibt in Deutschland zahlreiche hochqualifizierte Frauen
  • Doch die kommen oft in ihren Jobs nicht weiter - und sind damit nicht glücklich
  • Das hat besonders fünf Gründe - aber es gibt einen Ausweg

Mehr Frauen als Männer machen Abitur, mehr Frauen als Männer schließen ihr Studium ab - es mangelt Deutschland also nicht an hochqualifizierten, gut ausgebildeten Frauen.

Trotzdem sind viele in ihren Jobs nicht glücklich, weil sie sich nicht wertgeschätzt fühlen. Ein Grund dafür: Es hapert mit der Kommunikation.

“Frauen reden nicht so wie Männer - und das müssen sie auch gar nicht”, sagt Business-Coach und Diversity-Expertin Nicola Byok. Doch in Unternehmen führt das oft zu Problemen - und dazu, dass Frauen nicht vorankommen und sich weniger einbringen.

Dafür sind besonders fünf Gründe verantwortlich.

1. Frauen machen sich körperlich oft kleiner

Frauen sind - natürlicherweise - körperlich meist kleiner als Männer. Doch auch mit ihrer Körpersprache nehmen sie meist weniger Raum ein.

Frauen hätten über Jahrhunderte gelernt, sich zurückzuhalten, sagt der Experte für Körpersprache Jan Sentürk der "Süddeutschen Zeitung". Dieses Verhalten sei immer noch in unseren Köpfen verankert.

Während Männer eher breitbeinig sitzen, überschlagen Frauen die Beine oft. Frauen gestikulieren weniger ausladend, stehen oft nicht mit beiden Beinen auf dem Boden.

Klar ist: Wer körperlich mehr Raum einnimmt, wird auch eher wahrgenommen.

"Frauen sollten sich den Platz nehmen, den sie natürlicherweise brauchen", sagt Nicola Byok. "Damit meine ich nicht, dass sich Frauen zum Gorilla machen sollten." Sie sollten sich aber nicht kleiner machen, als sie sind, erklärt sie. Das Beine-Überschlagen aber habe beispielsweise genau diesen Effekt.

nicola byok

Nicola Byok

"Auch wenn es vielleicht ungewohnt ist: Frauen sollten beide Beinen fest auf dem Boden haben - natürlich nicht nur im Sitzen, sondern auch im Stehen", rät Byok. Außerdem helfe es, die Schultern zurückzunehmen, die Arme nicht an den Körper zu legen und die Ellbogen etwas vom Körper wegzubewegen - auch bei Meetings, bei denen alle um einen Tisch sitzen.

"Außerdem sollten Frauen auf ihre Kopfhaltung achten", sagt Byok. Das gelte besonders für ernstere Gespräche. "Die 'Hündchen-Haltung' - also Kopf zur Seite - kann in anderen Situationen durchaus hilfreich und angebracht sein. Im Beruf führt sie dazu, dass Frauen nicht ernst genommen werden."

2. Frauen werden häufiger unterbrochen

Männer unterbrechen Frauen häufiger im Gespräch - das zeigen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Dafür gibt es sogar einen eigenen Begriff: Manterrupting.

Aber: Auch Frauen neigen weitaus eher dazu, einer anderen Frau ins Wort zu fallen als einem Mann.

Das kann - gerade im Job - zum echten Problem werden. Wer nicht ausreden darf, dessen Argumente und Ideen werden auch weniger gehört.

"Die Lösung ist nicht, dass Frauen anfangen, Männer ebenfalls zu unterbrechen", sagt Byok. Denn das sei "grundsätzlich eine Unart".

Mehr zum Thema: Wer nicht will, dass seine besten Mitarbeiter kündigen, sollte ihnen diese 5 Fragen stellen

Ziel sollte vielmehr sein zu verhindern, dass man überhaupt unterbrochen werde. "Dafür müssen Frauen zunächst ein Bewusstsein für das Unterbrochenwerden entwickeln", erklärt sie.

Erst dann könnten sie gegensteuern: "Eine elegante Methode ist, kurz die Hand zu heben und zu sagen: 'Ich bin gleich fertig'." Wenn es einen Kollegen gebe, der chronisch unterbreche, rät Expertin Byok, das Gespräch zu suchen. "Das sollte immer sachlich sein. Unter Umständen haben Unterbrecher schlicht kein Bewusstsein dafür, dass sie es tun."

3. Die Ideen von Frauen werden häufig überhört

Viele Frauen kennen das Phänomen: Das Team sitzt um den Konferenztisch, Kollegin A äußert eine Idee - keiner geht auf sie ein. Wenige Minuten später schlägt Kollege B genau das gleiche vor - und wird von Chef und Kollegen für seinen Gedanken gefeiert.

Studien beweisen, dass Ideen von Männern ernster genommen werden - übrigens auch wiederum von anderen Frauen. Eine Untersuchung der US-Universitäten Cornell und Nortwestern hat gezeigt, dass - auch wenn Frauen als Experten ausgewiesen sind - weniger auf ihre Vorschläge vertraut wird als auf die von Männern. Und dass ihnen sogar weniger vertraut wird als Frauen, die keine Experten sind.

Auch dieses Phänomen hat vor kurzem ein eigenes Wort bekommen: Hepeating.

Aber was können Frauen dagegen tun?

"Ich rate zur Allianzbildung", sagt Byok. "Frauen sollten sich vor einem Meeting mit anderen Frauen besprechen und zusammenschließen. Wenn die eine einen Vorschlag macht, kann die andere dem beipflichten und sagen: 'Diesen Vorschlag finde ich gut'."

Das wirke wie ein Verstärker und der Vorschlag habe mehr Chancen, gehört zu werden.

Wenn doch die typische "Hepeating"-Situation eintrete - der Vorschlag wird überhört und ein Mann wiederholt die Idee -, dann könne auch eine Frau einspringen und sagen: "Der Vorschlag ist gut, Frau Schmidt hat ja auch schon darauf hingewiesen".

"Noch wirkungsvoller ist es, wenn sich Frauen Männer ins Boot holen. Das ist natürlich ein Hilfsmittel, aber wenn dadurch das Bewusstsein bei allen steigt, dann ist es in Ordnung", betont Byok.

Mehr zum Thema: Ergebnis von 40 Jahren Forschung: Frauen sind die besseren Chefs - wegen dieser 4 Fähigkeiten

"Hepeating" schade nicht nur den Frauen selbst - sondern auch dem Unternehmen. "Viele Gedanken und Ideen gehen verloren, wenn die Vorschläge von der Hälfte der Belegschaft nicht wahrgenommen werden", sagt Byok. "Außerdem fühlen sich Frauen durch solch ein rüdes Verhalten abgeschreckt und bringen sich weniger ein."

4. Frauen vernetzen sich weniger

Vitamin B - also Beziehungen - sind in der Arbeitswelt oft wichtiger als ein perfekter Abschluss oder ein lückenloser Lebenslauf. Wer ein starkes Netzwerk hat, der findet immer Anschluss, sei es bei der Beförderung oder bei der Suche nach einem neuen Job.

"Frauen netzwerken deutlich weniger”, sagte Karriere-Coach Martin Wehrle der "Bild"-Zeitung. "Sie konzentrieren sich auf ihre eigentliche Arbeit und halten es oft für Zeitverschwendung, sich nach einem Seminar auch noch die Beine an der Bar in den Bauch zu stehen."

Auch Byok hat beobachtet, dass Frauen beim Kontakte Knüpfen oft etwas hinterherhinken. "Frauen vernetzen sich viel weniger als Männer", sagt sie. "Dabei sollten sie es viel mehr tun." Oft reiche es aus, mit Kollegen Mittagessen zu gehen - es müsse nicht unbedingt ein formeller Anlass sein.

Mehr zum Thema: 9 Gründe, warum gute Mitarbeiter im Job nicht weiterkommen

"Wer sich vernetzt, hat einen gewissen Rückhalt", sagt Byok. "Man bekommt Unterstützung, hat Kollegen, bei denen man sich einen Rat einholen kann. Und: Man muss dafür nicht beste Freundinnen sein."

Männer seien im Netzwerken deutlich offensiver. "Sie erwarten auch nicht, dass sie sich mit allen super verstehen", sagt sie. "Es geht mehr darum, wie sie sich gegenseitig nützen können. Und dann empfehlen sie sich einander die Karriereleiter hoch."

5. Frauen stecken in einem Kompetenz-Dilemma

"Je erfolgreicher Frauen sind, desto unbeliebter sind sie", hat Hillary Clinton in einem Interview einmal gesagt. Die ehemalige US-Präsidentschaftskandidatin beschreibt damit ein Dilemma, in dem sehr viele Frauen stecken.

"Benehmen sich Frauen wie Frauen, werden sie nicht als Führungskräfte wahrgenommen. Benehmen sie sich wie Führungskräfte, gelten sie als bossy", sagt Byok.

Kompetente Frauen seien oft nicht sonderlich beliebt. Frauen, die gemocht werden, würden wiederum nicht als kompetent wahrgenommen. "Dieser Spagat ist sehr schwer für Frauen," sagt die Expertin.

Doch woran liegt das? Byok sagt: an der Sozialisierung. Menschen seien so sozialisiert, dass sie von einem Geschlecht ein entsprechendes Verhalten erwarten - zum Beispiel fürsorglich von Frauen, offensiv von Männern.

Verhält sich nun eine Frau so, wie es das Umfeld eigentlich von einem Mann erwarten würde, sind die anderen irritiert - und bestrafen die Frau. "Wenn sich Frauen dazu entschließen, so aufzutreten wie Männer, dann verletzen sie damit Genderstereotype - und werden dafür sozial abgestraft", sagt Byok.

Mehr zum Thema: Forscher versprechen: Wer die 20-80-Formel einhält, hat mehr Erfolg im Beruf

"Frauen sollten sich auf gar keinen Fall wie Männer verhalten - denn dann wären sie nur eine schlechte Kopie", rät sie deshalb.

Wenn eine Frau das von ihr erwartete Verhalten verletze, funktioniere das nur, wenn sie es mit einem Verhalten kombiniere, das von ihr erwartet werde. "Zum Beispiel nicht einfach nur sagen: 'Da lang', das könnte ein Mann tun. Frauen könnten sagen 'Wir sollten da lang gehen, das wäre für das Unternehmen gut'. Dann ist gleich der Stereotyp 'fürsorglich' dabei und das führende Verhalten wird von der Gruppe viel besser angenommen."

Im Endeffekt sei es wichtig für das Unternehmen, dass sowohl die männliche wie auch die weibliche Art zu kommunizieren, einen Wert habe.

"Es ist wichtig, im Team das Bewusstsein für diese Unterschiede zu schärfen", sagt Byok. Nur so könnten langfristig Stereotype geändert werden.

Und davon profitieren nicht nur die Frauen, sondern auch die Unternehmen. Denn Studien zeigen, dass gemischte Teams weit erfolgreicher sind als rein männliche oder rein weibliche Teams.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ll)

Korrektur anregen