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12/10/2017 18:27 CEST | Aktualisiert 12/10/2017 23:17 CEST

Krach um Palästina: USA und Israel ziehen sich aus Unesco zurück

Jonathan Ernst / Reuters
US-Präsident Trump und Israels Premier Netanjahu (Archivbild)

  • Die USA und Israel machen Ernst und kehren der Unesco den Rücken

  • Spannungen gibt es schon seit Jahren - beide Länder werfen der UN-Kulturorganisation israelfeindliche Tendenzen vor

Nach den USA hat auch Israel seinen Austritt aus der UN-Kulturorganisation Unesco beschlossen. Das kündigte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Donnerstag in Tel Aviv an. Beide Länder werfen der Unesco eine israelfeindliche Haltung vor.

Die US-Regierung hatte den Austritt zuvor verkündet und mit "anti-israelischen Tendenzen" in der Unesco und Zahlungsrückständen innerhalb der Organisation begründet.

Die "extreme Politisierung" der Unesco sei zu einer "chronischen Peinlichkeit" geworden, sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, der Mitteilung zufolge. Die Zugehörigkeit zu anderen UN-Organisationen werde ebenfalls weiter aus dieser Perspektive untersucht werden.

Netanjahu lobt die US-Regierung

Nur wenige Stunden später kündigte auch der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu den Rückzug seines Landes aus der UN-Kulturorganisation an. Er habe das Außenministerium angewiesen, einen entsprechenden Schritt parallel mit den USA vorzubereiten, erklärte der Ministerpräsident.

In der Erklärung lobte Netanjahu die Entscheidung der US-Regierung, sich wegen Voreingenommenheit gegenüber Israel aus der Unesco zurückzuziehen.

"Das ist eine mutige und moralische Entscheidung, weil die Unesco ein absurdes Theater geworden ist und weil sie Geschichte verfälscht, statt sie zu bewahren", sagte Netanjahu.

Spannungen gibt es seit Jahren

Die Arbeit der Unesco stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Schatten von Streit vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts. Nach der Aufnahme Palästinas in die Organisation hatten die USA bereits 2011 ihre Zahlungen an die Unesco gestoppt - dabei wären sie eigentlich der größte Beitragszahler.

Im Sommer sorgte die Entscheidung, die Altstadt von Hebron zum palästinensischen Weltkulturerbe zu erklären, für Empörung in Israel. Im Mai beschloss ein Unesco-Gremium eine Resolution, die Israels Politik im Ostteil von Jerusalem kritisierte. In dem veröffentlichten Resolutionsentwurf war von "israelischen Besatzungsbehörden" die Rede.

Unesco-Generaldirektorin Irina Bokowa bedauerte die Entscheidung Washingtons zutiefst: "Das ist ein Verlust für die Unesco. Das ist ein Verlust für die Familie der Vereinten Nationen." Der Entschluss sei ihr von US-Außenminister Rex Tillerson schriftlich mitgeteilt worden, erklärte Bokowa am Donnerstag in Paris.

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