Die AfD warnte vor zwei Millionen: So viele Syrer und Iraker kommen wirklich über den Familiennachzug

Veröffentlicht: Aktualisiert:
REFUGEES SYRIANS TUNISIA
Die AfD warnte vor zwei Millionen: So viele Syrer und Iraker kommen wirklich über den Familiennachzug | Darrin Zammit Lupi / Reuters
Drucken
  • Rund 70.000 Syrer und Iraker wollen derzeit Familienmitglieder nach Deutschland nachholen
  • Die Zahl ist deutlich niedriger, als es von vielen Politikern angemahnt wurde

Der sogenannte Familiennachzug für Flüchtlinge ist längst ein Schreckgespenst der Rechten geworden. Regelmäßig geistern Szenarien von massenhafter Zuwanderung per Familiennachzug durch die Republik. Die AfD fantasiert immer wieder von zwei Millionen Menschen, die als Angehörige von anerkannten Flüchtlingen in die Bundesrepublik kommen dürften.

Die aktuellen Zahlen sehen anders aus: Rund 70.000 Syrer und Iraker bemühen sich derzeit um einen Familiennachzug für ihre Angehörigen nach Deutschland. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Auswärtigen Amt.

Demnach liegen an den zuständigen deutschen Auslandsvertretungen in Beirut, Amman, Erbil, Ankara, Istanbul und Izmir in dieser Zahl Terminanfragen für einen Familiennachzug zu syrischen und irakischen Schutzberechtigten vor.

Von Anfang 2015 bis Mitte 2017 hatte das Außenamt bereits rund 102.000 Visa zum Familiennachzug für Syrer und Iraker erteilt. Auf Basis dieser bisher erteilten Visa und der aktuellen Terminbuchungen schätzt das Ministerium, dass bis einschließlich 2018 etwa 100.000 bis 200.000 weitere solcher Visa hinzukommen könnten.

Mehr zum Thema: Was hinter den angeblich drastisch angestiegenen Vergewaltigungen durch Flüchtlinge steckt

Für 2015 bis einschließlich 2018 geht es beim Familiennachzug zu Syrern und Irakern demnach also um einen grob geschätzten Umfang von 200.000 bis 300 000 Angehörigen.

Asylsuchende, die in Deutschland Schutz bekommen, dürfen Ehepartner und minderjährige Kinder zum Teil nachholen. Auch anerkannte minderjährige Flüchtlinge dürfen ihre Eltern hinterherholen.

Subsidär Geschützte haben bis 2018 keine Möglichkeiten, die Familie nachzuholen

Für eine bestimmte Gruppe mit eingeschränktem Schutzstatus, subsidiär Geschützte, hatte die große Koalition den Familiennachzug im März 2016 beschränkt und für zwei Jahre ausgesetzt: bis März 2018.

Das Außenamt ist dafür zuständig, Visa zum Familiennachzug zu erteilen. Zu laufenden Anträgen gibt es keine Statistik, erfasst werden aber die Terminanfragen zum Familiennachzug, die das Ministerium neben den Zahlen zu bisher erteilten Visa für die Schätzung der künftigen Entwicklung nutzt.

Von Januar 2015 bis Ende Juni 2017 hatte das Außenamt nach eigenen Angaben weltweit 230.000 Anträge auf Familiennachzug bewilligt. Diese Gesamtzahl betrifft aber Menschen aus allen möglichen Staaten jenseits der EU - und nur zu einem Teil Flüchtlinge.

Unter Flüchtlingen - also anerkannten Schutzberechtigten mit Anspruch auf Familiennachzug - bilden Syrer mit Abstand die größte Gruppe. Zwischen Anfang 2015 und Mitte 2017 gingen 102.000 Visa zum Familiennachzug an Syrer und Iraker, rund 3000 an Afghanen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(jg)

Korrektur anregen