POLITIK
12/10/2017 13:38 CEST | Aktualisiert 14/10/2017 10:10 CEST

Airline-Unternehmer Lauda bringt auf den Punkt, warum wir Air Berlin noch vermissen werden

JOE KLAMAR via Getty Images
Niki Lauda vor einem Flugzeug seiner Fluggesellschaft

  • Luftfahrtunternehmer Niki Lauda kritisiert die Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa

  • Aufgrund der Monopolbildung erwartet Lauda steigende Flugpreise

  • Lufthansa sei außerdem nicht an Air Berlin selbst, sondern nur an den Flugstrecken interessiert

Im Interview mit dem Deutschlandfunk hat der Luftfahrtunternehmer Niki Lauda Kritik an der Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa geäußert.

Er wirft der Bundesregierung unter anderem vor, eine gezielte Monopolbildung in Kauf zu nehmen, wodurch die Preise für Flugtickets weiter ansteigen werden. "Es kann doch nicht sein, dass wir Europäer plötzlich ein Monopol schaffen", sagte der ehemalige Formel-1-Rennfahrer.

Auch andere Experten wie der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach in der "FAZ" warnten vor einem solchen Monopol der Lufthansa. Bereits jetzt gebe es wenig Wettbewerb auf innerdeutschen Strecken. Das könne sich nicht nur in steigenden Preisen bei Flugtickets äußern.

"Auch die Bahn, die ja auf mittleren Strecken durchaus mit der Lufthansa konkurriert, muss sich dann weniger anstrengen und kann ohne große Sorge (...) ebenfalls die Preise anheben", sagte Wambach.

Auch Lauda klagt: "Wenn Sie sich in Deutschland die Inlandsstrecken anschauen, können Sie jeden Tag sehen, wie die Tickets teurer werden."

Kritik am Vorgehen der Bundesregierung

Der 68-Jährige kritisiert im Interview die staatliche Unterstützung der Bundesregierung. Er glaubt, dass sich die Bundesregierung und der Vorstand von Lufthansa die Übernahme von Air Berlin abgesprochen haben.

Die Unterstützung von 150 Millionen Euro begründete die Bundesregierung im August mit dem Erhalt des Flugbetriebs. Niki Lauda hingegen hält einen anderen Grund für entscheidend.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe den Flugbetrieb von Air Berlin nur deshalb aufrecht erhalten wollen, damit Lufthansa die Slots, die bisher Air Berlin besaß, übernehmen kann.

Slots werden an die Fluggesellschaften vergeben und sind bestimmte Zeitfenster, in denen eine Airline starten oder landen darf. Mit dem Kauf von Air Berlin sind nun der größte Teil der Slots in der Hand von Lufthansa.

Die Mitarbeiter haben für Lufthansa keine große Bedeutung

Lauda kritisierte außerdem, die Lufthansa sei nicht in erster Linie am Unternehmen Air Berlin interessiert, sondern nur an den frei werdenden Slots.

Die Lufthansa werde sich einzelne Strecken, die sie noch nicht besetzt haben, herauspicken und den Rest der Strecken einstellen.

Bei dieser Planung würden die Mitarbeiter des insolventen Unternehmens keine große Rolle spielen, glaubt der ehemalige Rennfahrer. Sie werden nach der Übernahme einen neuen Vertrag unterschreiben müssen, der möglicherweise schlechtere Arbeitsbedingungen als der bisherige Vertrag bei Air Berlin beinhaltet.

Hätte eine andere Fluggesellschaft Air Berlin gekauft, wäre womöglich ein stärkerer Wettbewerb in der Flugbranche entstanden. Die Flugtickets wären so eher billiger geworden.

Niki Lauda war an einem Kauf von Air Berlin interessiert

Niki Lauda gründete er nach seiner Formel-1-Karriere seine eigene Fluggesellschaft Niki Luftfahrt GmbH, die 2004 von Air Berlin übernommen wurde.

Im Sommer diesen Jahres hatte Lauda zusammen mit den Unternehmen Kondor und Thomas Cook selbst Interesse an einer Übernahme von Air Berlin angemeldet. Der Gläubigerausschuss ließ ihn jedoch nicht am Verfahren teilnehmen, wie der Deutschlandfunk berichtet.

Mehr zum Thema: Lufthansa kauft die insolvente Fluglinie Air Berlin

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Sponsored by Trentino