TV-Duell in Niedersachsen: SPD-Mann Weil gerät bei einer entscheidenden Frage ins Schwimmen

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TV-Duell in Niedersachsen: SPD-Mann Weil gerät bei einer entscheidenden Frage ins Schwimmen | NDR
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  • Das TV-Duell vor der Niedersachsenwahl wurde zu einem hitzigen Wettstreit
  • SPD-Ministerpräsident Weil präsentierte sich gut aufgelegt – bei einer Frage verlor er den Faden

Gewissermaßen ist die Landtagswahl in Niedersachsen schon jetzt die bessere Bundestagswahl. Wenige Tage bevor die Wähler über das neue Parlament in Hannover abstimmen, bewegen sich CDU und SPD in Umfragen auf Augenhöhe.

Auch beim TV-Duell der Spitzenkandidaten Stephan Weil (SPD) und Bernd Althusmann (CDU) am Dienstagabend mussten Zuschauer die Differenzen der Volksparteien nicht mit der Lupe suchen.

Stattdessen lieferten sich Ministerpräsident Weil und sein konservativer Herausforderer ein leidenschaftliches Duell.

Der SPD-Kandidat, den viele nach dem plötzlichen Verlust der Regierungsmehrheit nach dem Fraktionsübertritt der Grünen Elke Twesten bereits angezählt hatten, konnte Althusmanns Angriffe über weite Strecken abwehren.

Nur bei einer entscheidenden Frage kam der SPD-Mann ins Schwimmen. Dabei hätte er es besser wissen müssen.

Weil will sich nicht zu Rot-Rot-Grün äußern

Als die Frage nach möglichen Koalitionen nach dem Urnengang der Niedersachsen am Sonntag aufkam, schaltete Althusmann auf Angriff. Auch der CDU-Kandidat weiß, dass ein rot-rot-grünes Bündnis – anders als im Bund – in Niedersachsen in Reichweite ist.

"Vielleicht äußern Sie sich dazu heute mal", forderte der CDU-Mann in Bezug auf die Linkspartei. "Sie eiern herum."

Für die Konservativen ist das links-grün-sozialdemokratische Miteinander ein Schreckgespenst. Und auch Weil schien sich nicht offensiv zu einer solchen Option positionieren zu wollen.

Der Sozialdemokrat blockte recht ungeschickt ab: Man befasse sich natürlich äußerst kritisch mit den Linken. "Das ist eine ganz klare Aussage." War es nicht.

Fast war es, als habe der Ministerpräsident das Bundes-Desaster der SPD gar nicht mitbekommen, als die Sozialdemokraten den Wahlkampf mit der Ambition den Kanzler zu stellen bestritten, aber keine Regierungsoption präsentieren konnten. Viele SPDler an der Basis hatten sich ein frühes Bekenntnis zu Rot-Rot-Grün gewünscht.

Im Fall Twesten kann Weil punkten

Bei anderen Themen sah der SPD-Mann aus Hamburg besser aus. Die CDU habe sich im Fall Twesten unanständig verhalten, polterte Weil. "Das bleibt in den Hinterköpfen der Menschen, weit über SPD-geneigte Kreise hinaus", erklärte er und sprach damit ein für den CDU-Herausforderer kritisches Thema an.

Auch der Ministerpräsident merkte, dass er einen Treffer gelandet hatte. Er verstehe ja, dass Althusmann nicht über den Parteiwechsel der Grünen-Abgeordneten reden wolle, der die Wahl erst nötig gemacht hatte, legte er nach. "Das war ein schwerer Fehler – ich glaube, das hängt Ihnen wie ein Mühlstein um den Hals, Herr Althusmann.“

Der konterte eher halbherzig: "Sie hat sich entschieden, in die CDU-Fraktion zu kommen."

Bildungspolitik und Dieselskandal

Das im zweitgrößten Bundesland wichtigste Wahlkampfthema ist die Bildungspolitik. Für Althusmann boten sich hier im TV-Duell des NDR die besten Chancen zur Attacke. Der CDU-Mann war bis 2013 selbst Kultusminister, der rot-grünen Schulpolitik wird derweil zumeist ein eher bescheidenes Zeugnis ausgestellt.

"Nicht versetzt", urteilte Althusmann daher. Besonders am Konzept der Inklusion machte er sich zu Schaffen. Die SPD habe bei der Integration von Kindern mit Behinderung in den Schulalltag zu viel gewollt: "Wir brauchen dringend eine Atempause." Weil vertrat den gegensätzlichen Standpunkt: Inklusion sei nunmal ein Menschenrecht.

Der ambitionierte Plan sei umsetzbar, auch weil seine Regierung mehr Pädagogen und Betreuer eingestellt habe. Ohnehin habe auch Althusmann in seiner Zeit als Kultusminister viele Fehler gemacht, die es nun auszubaden gelte, so die Meinung des Ministerpräsidenten.

Bei einem anderen Thema wollte Weil dagegen lieber auf die Bremse treten. Das Thema VW sei "zu wichtig, um damit Wahlkampf zu machen". Althusmann dagegen ätzte, Weil lasse sich von den Konzernchefs vorführen. Vom Dieselskandal habe der VW-Aufsichtsrat aus den Medien erfahren.

Weil muss sich noch immer vorwerfen lassen, eine Regierungserklärung nach dem Abgas-Skandal vorher mit dem Konzern abgestimmt zu haben.

So war es der CDU-Mann, der wohl den empfindlichsten Treffer landete: "Sie sind am Ende vom Konzern-Vorstand durch die Manege gezogen worden."

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(jg)

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