Mädchen in Niedersachsen missbraucht: Jetzt rückt die perfide Strategie des Täters in den Fokus

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Mädchen in Niedersachsen missbraucht: Jetzt rückt die perfide Strategie des Täters in den Fokus | dpa
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  • Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter eines missbrauchten kleinen Mädchens gefasst
  • Wie oft gehört der Verdächtige zum engen Umfeld des Opfers
  • Ein Polizist erklärt die Methoden der Kinderschänder

Die Missbrauchsopfer werden immer jünger, auch Babys und Kleinstkinder sind keine Seltenheit mehr. Die Kinderporno-Szene ist fast vollständig ins Darknet abgetaucht. Bei der Fahndung nach den Tätern rückt oft das enge Umfeld der Opfer ins Visier der Ermittler.

Wenige Stunden nach der aufsehenerregenden öffentlichen Fahndung mit Missbrauchsfotos eines kleinen Mädchens haben die Ermittler am Dienstag einen 24-Jährigen aus Niedersachsen unter dringendem Tatverdacht festgenommen.

Dem Mann wird vorgeworfen, das kleine Mädchen zwischen Oktober 2016 und Juli 2017 mehrfach schwer sexuell missbraucht zu haben. Der 24-Jährige soll Aufnahmen des sexuellen Missbrauchs gemacht und diese anschließend auf einer kinderpornografischen Plattform im sogenannten Darknet - einem abgeschirmten Bereich des Internets - verbreitet haben.

Der mutmaßliche Täter soll der Stiefvater des Opfers sein, mit der Mutter des Opfers auch ein gemeinsames Kind haben, wie die "Bild" berichtet. Demnach schwärmte die Mutter des kleinen Mädchens bei Facebook von ihrem "Traummann".

Als diese die Bilder ihrer Tochter in den Medien sah, reagierte sie sofort. Nur zwölf Stunden nachdem das Bundeskriminalamt die Aufnahmen öffentlich machte, fuhr die Mutter mit ihrer Tochter auf eine Polizeistation und zeigte ihren Lebensgefährten an.

Polizist zur HuffPost: Deshalb werden viele Fälle nicht aufgedeckt

Der mutmaßliche Täter soll den Behörden zuvor nicht bekannt gewesen sein, in der Kinderpornoszene hatte er sich noch keinen Namen gemacht. Ihm drohen 15 Jahre Haft.

Die HuffPost hat mit dem ehemaligen Polizisten Karlheinz Gaertner gesprochen. Gaertner jagte selbst jahrzehntelang Kinderschänder. "So erfreulich diese Nachricht ist, eines dürfen wir nicht vergessen: Die meisten Missbrauchsfälle werden nicht aufgedeckt", mahnte der pensionierte Ermittler.

Das Problem sei vor allem die perfide Strategie der Täter: "Sie suchen sich Kinder aus, die keinen oder sehr wenig familiären Halt haben und eine Vertrauensperson suchen - meist vernachlässigte Kinder aus prekären Verhältnissen."

Die Peiniger würden häufig den Kindern häufig "Zuwendung schenken, die sie sonst nicht bekommen". So werde das Kind nach und nach emotional abhängig. Denn: Ohne eine Aussage der Kinder sei eine Fahndung der Polizei meist nicht möglich.

"Was so einem Kind angetan wird, zerstört wahrscheinlich sein weiteres Leben. Häufig sind die seelischen Verletzungen so stark, dass das Opfer sein ganzes Leben lang damit zu kämpfen hat", sagte Gaertner. "Oft finden sich diese Kinder in kriminellen Kreisen wieder, prostituieren sich oder radikalisieren sich später sogar.

Mit Material der dpa.

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