Niedersachsens CDU-Kandidat Althusmann hat der "Bunte" ein Interview gegeben - es ist vollkommen absurd

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ALTHUSMANN
"Ich möchte durch mein Leben tanzen": Bernd Althusmann im Video zu seinem Wahlkampfsong "Was Großes" | Screenshot
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  • Am Sonntag wird in Niedersachsen gewählt
  • CDU-Spitzenkandidat Peter Althusmann will den SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil schlagen
  • Um nahbar zu wirken, hat er nun der "Bunte" ein Interview gegeben - ein Fehler, der schon mal einen Politiker eine Wahl gekostet hat

Bernd Althusmann tanzt, er wippt, er schnippt mit den Fingern. Gezwungen wirkt das, richtiggehend unangenehm sogar.

Es ist Althusmanns persönlicher Wahlsong, zu dem er da rhythmisch die Hüfte anwinkelt: "Wir haben was Großes vor". Die CDU Niedersachsen hat dazu ein Video auf Youtube hochgeladen, voller nichtsaussagender Hochglanzaufnahmen von lachenden Menschen und Textzeilen wie: "Wir müssen den Weg gehen, wir müssen es wagen."

Zu Politikstil und Inhalten von Bernd Althusmann liefert das Video keine Erkenntnisse. Doch dem CDU-Politiker scheint es eh mehr um das Tanzen zu gehen. Diesen Eindruck vermittelt Althusmann zumindest in einem aktuellen Interview mit der Illustrieren "Bunte".

Darin offenbart er intime und private Momente aus seinem Familienleben. Politikinteressierten sollte das wie ein Déja-Vu vorkommen.

Althusmann: "Ich möchte durch mein Leben tanzen"

So berichtet der CDU-Spitzenkandidat etwa, wie er sich nach öffentlichen Terminen gerne entspannt.

Natürlich zuhause mit seiner Frau - aber nicht einfach so. "Manchmal fangen wir auch an, im Wohnzimmer zu tanzen – nur wir zwei", sagt Althusmann. "Ihr Lebensmotto lautet: Ich möchte durch mein Leben tanzen. Das ist auch meines geworden."

Deswegen tanze er auch in seinem Wahlkampfvideo, sagt Althusmann zu "Bunte": "Leichtigkeit und gute Laune tun gut." Wie sein Tanzen seinem Bundesland Niedersachsen konkret helfen soll, lässt Althusmann offen.

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Dafür erzählt er von seinem Spitznamen "Panzer", einer Schlange, die am Elektrozaun seines Hauses in Namibia "verkohlt" sei. Und von seiner Familie.

Althusmann ist zum zweiten Mal verheiratet, insgesamt hat er fünf Kinder - drei leibliche und zwei Stiefkinder, erfährt der "Bunte"-Leser. Durchaus kritisch sehe der CDU-Kandidat dieses Patchwork-Leben, schreibt die Illustrierte. "Zwei Familien zu haben ist auf jeden Fall verdammt anstrengend", klagt Althusmann.

Und imitiert damit einen Fehltritt, der in Schleswig-Holstein dem SPD-Spitzenkandidaten Torsten Albig die Chance auf das Amt des Ministerpräsidenten kostete.

Althusmann: "Es kann plötzlich zu Ende sein"

Auch Albig hatte der "Bunte" ein Interview gegeben, auch er hatte über sein Familienleben gesprochen - und auch er hatte sich über seine geschiedene Ehe ausgelassen. Seine Frau sei nicht mehr mit ihm auf Augenhöhe gewesen, hatte Albig der "Bunte" berichtet. Es sei stets unterwegs gewesen, während sie als Mutter im Haushalt gearbeitet habe.

Albig erntete für diese Aussagen heftige Kritik, kurz darauf verlor er die Landtagswahl. Althusmann riskiert mit seinem "Bunte"-Interview einen ähnlichen Gang der Ereignisse.

Doch der CDU-Politiker wurde darauf offensichtlich gut vorbereitet.

Immer wieder betont er im Interview, welchen Respekt er vor seine Ex-Frau hätte - überhaupt vor Frauen, die als Mütter und Hausfrauen wichtige Dienste für die Gesellschaft leisten würden. An einer Stelle sagt Althusmann wie in Reaktion auf Albigs Aussage über seine erste Ehe: "Der Respekt ging nie verloren, sie war immer auf Augenhöhe mit mir."

Dennoch: Mit seinem "Bunte"-Interview hat sich der CDU-Spitzenkandidat wohl keinen Gefallen getan.

In Niedersachsen liegt er derzeit in den Umfragen knapp hinter seinem Konkurrenten Weil. Kleinigkeiten werden also über die Wahl entscheiden - auch der Eindruck eines hüftsteif durch sein Wohnzimmer tanzenden Ministerpräsidenten kann Wähler vergraulen.

Althusmann gibt sich in der "Bunte" jedoch gelassen: "Wer in die Politik geht, muss wissen, dass es plötzlich zu Ende sein kann." Immerhin: Zum Tanzen wäre dann wieder mehr Zeit.

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(lp)

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