Grüner Außenminister? Als es bei "Markus Lanz" um Özdemir geht, wird Philosoph Precht wütend

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PRECHT
"Grüner darf nicht Außenminister werden": Als es bei "Markus Lanz" um Özdemir geht, wird Philosoph Precht wütend | Screenshot
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  • Bei "Markus Lanz" hat sich die Diskussion um die mögliche Regierungsbeteiligung der Grünen gedreht
  • Philosoph Precht polterte, Özdemir dürfe auf keinen Fall Außenminister werden
  • Precht ist überzeugt: "Es gibt keine grüne Außenpolitik"

Vor wenigen Monaten hätte es kaum einer für möglich gehalten. Die Grünen könnten bald regieren, wenn die schwierigen Verhandlungen zur Jamaika-Koalition glücken.

Den Grünen könnte so sogar eine der wichtigsten Positionen im neuen Merkel-Kabinett zukommen. Beobachter sehen Cem Özdemir als aussichtsreichen Anwärter auf den Posten des Außenministers.

In der ZDF-Talkshow von Markus Lanz diskutierten unter anderem der Journalist Wolfram Weimer und Philosoph Richard David Precht über die mögliche neue Regierung.

"Man kann keine grüne Außenpolitik machen"

Beide waren sich einig: Union, FDP und Grüne seien alle in der politischen Mitte angesiedelt, mit ein bisschen Kompromissbereitschaft könnte eine funktionierende Regierung entstehen.

Als es dann aber um den möglichen Außenminister der Grünen ging, wurde Precht plötzlich aufbrausend. "Ich persönlich würde es zutiefst bedauern, wenn Özdemir Außenminister wird", sagte der Philosoph. Der Grund für seine Ablehnung: "Man kann keine grüne Außenpolitik machen."

Wenn die Partei aber diesen "Riesenposten" bekomme, könne man in anderen Punkten der Koalitionsverhandlungen womöglich "wenig in die Waagschale werfen". Die Posten des Landwirtschaftsministers und des Umweltministers würden den Grünen als Konsequenz womöglich entgehen.

"Und wofür haben die Leute denn die Grünen gewählt?", fragte Precht. Die Partei stehe für Nachhaltigkeit und eine ökologische Politik in Zeiten des Massenkonsums. Das Amt des Außenministers dagegen würde an Özdemir "verpulvert" werden – aufgrund des "persönlichen Ehrgeizes eines Menschen".

Die Folge sei, dass das Landwirtschaftsministerium womöglich ein CSU-Politiker bekomme. "Was ich für ein Problem halte, weil wir insbesondere auf dem Agrarsektor, bei der Massentierhaltung, eine unglaubliche Veränderung brauchen, den wir mit der CSU nicht kriegen, und für den die Grünen stehen", erklärte Precht.

"So ein Amt darf ein Grüner nicht bekleiden"

Dann wurde es zunehmend bizarr.

Precht redete sich weiter in Rage: "Was ist denn grüne Außenpolitik? Das ist doch völliger Quatsch!" Er schimpfte regelrecht: "Das ist alles nur Unsinn." Man könne in Peking nicht nur die Klimapolitik ansprechen statt der Menschenrechte.

"So ein Amt darf man als Grüner nie bekleiden wollen, oder man ist kein Grüner", polterte Precht. Eine steile These.

Schließlich haben auch die Grünen ein ausgearbeitetes außenpolitisches Programm, pochen immer wieder entschieden auf die Einhaltung der Menschenrechte in aller Welt. Zwischen 1998 und 2005 bekleidete mit Joschka Fischer ein Grüner das Amt des Außenministers.

Das Studiopublikum applaudierte Precht dennoch frenetisch.

Weimer hielt dagegen: Der Philosoph unterschätze die Partei. "Da sind schon schlaue Menschen dabei. (...) Die haben schon politische Überzeugungen."

Auch die proeuropäische Haltung der Grünen ließe sich in eine konkrete Politik umsetzen, nicht nur der Klimaschutz. Fischer sei rückblickend "kein so schlechter Außenminister" gewesen.

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(ll)

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