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11/10/2017 15:05 CEST | Aktualisiert 11/10/2017 15:49 CEST

1878 haben Forscher einen Stein gefunden - jetzt könnte er ein Jahrhunderte altes Rätsel lösen

  • Bereits Ende des 19. Jahrhunderts haben anatolische Bauern eine Jahrtausende Jahre alte Steinplatte ausgegraben

  • Doch erst jetzt konnten Forscher die Inschriften vollständig auswerten

  • Die offenbaren, wie damals zahlreiche Imperien und Hochkulturen im öst­li­chen Mit­tel­meer­raum untergegangen sind

Eine alte Steinplatte könnte "eines der größten Puzzles der mediterranen Archäologie des Mittelmeers" lösen. Das teilen Schweizer und niederländische Forscher selbstbewusst mit.

Schon seit Jahrhunderten rätseln Forscher, warum vor 3200 Jahren innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Imperien und Hochkulturen im öst­li­chen Mit­tel­meer­raum untergegangen sind.

Zwar wurde die Steinplatte schon 1878 in der heutigen Zentraltürkei entdeckt. Doch erst jetzt konnten die Forscher die Inschriften auf dem Stein entziffern - und fanden dabei neue Hinweise.

luwian studies

Demnach soll die 29 Meter lange Platte die Ereignisse am Ende der Bronzezeit im östlichen Mittelmeerraum beschreiben. Die Forscher wissen nun, dass die Schriftzeichen die Eroberungsfeldzüge von Großkönig von Mira, einem Vasallenstaat in Anatolien, erzählen - und die letztendlich einen Mas­sen­kol­laps in Gang setzten.

Rätselhafte Hieroglyphen

Der 35 Zentimeter dicke Kalksteinfries trägt die längste bekannte Hieroglyphen-Inschrift aus der Bronzezeit. Bauern aus Beyköy hatten die in mehre Stücke geteilte Platte vor über 100 Jahren gefunden. Dorfbewohner verwendeten die Steine später als Baumaterial für eine Moschee.

Zwar begann in den 1950er Jahren ein türkisch-amerikanisches Expertenteam mit dem Entziffern der Hieroglyphen. Doch eine Veröffentlichung wurde immer wieder verschoben, 1985 starb der letzte an der Arbeit beteiligte Wissenschaftler.

Nun hat Eberhard Zangger, Präsident der Luwian Studies Foundation, das Material zusammen mit einem Kollegen aus der Niederlande erneut ausgewertet. Luwian Studies ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in der Schweiz, deren alleiniger Stiftungszweck die Förderung der Erforschung vorchristlicher Kulturen in Anatolien ist.

Laut Zangger wurde die Inschrift von Kupanta-Kurunta, dem Großkönig von Mira, in Auftrag gegeben.

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Ende der Bronzezeit

Glaubt man Zanggers Forschungsergebnis, dann befahl Kupanta-Kurunta seinen Heeren um 1190 v. Chr., nach Osten zu stürmen. Nachdem die Soldaten an Land erfolgreich waren, formten vereinte Streitkräfte aus Anatolien eine Flotte und eroberten zahlreiche Küstenstädte im Süden Anatoliens sowie Provinzen im heutigen Syrien und Palästina.

Die Luwianer, ein lo­ser Ver­bund anatolischer Kö­nig­rei­che, kämpften sich bis zur ägyptischen Grenze vor. Zanggers Theorie zufolge trugen die Luwianer entscheidend zu den sogenannten Seevölkern und damit zum Ende Bronzezeit im östlichen Mittelmeerraum bei.

Zanggers These widerspricht damit der bisherigen Forschungsmeinung. Bisher gingen Historiker laut dem "Spiegel" davon aus, dass der Niedergang der Großreiche durch eine Kom­bi­na­ti­on aus Na­tur­ka­ta­stro­phen, Hun­gers­nö­ten und ei­nem bron­ze­zeit­li­chen Kli­ma­wan­del verursacht wurde.

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